Das aktuelle Wetter Gevelsberg 18°C
Gevelsberg

Flucht und Vertreibung wie ein roter Faden des Lebens

17.11.2008 | 18:20 Uhr

Gevelsberg. ...

Viele Bilder zeugen von Neys Kindheitserinnerungen an Vertreibung und Flucht aus Ostpreußen. Fotos (3): Wördehoff

... (wp) "Mein Leben durchzieht ein roter Faden", versuchte Günter Ney die künstlerische Aufarbeitung seiner Kindheitserinnerung an Vertreibung und Flucht aus Ostpreußen während des Zweiten Weltkriegs zu schildern, die ihn sein ganzes Leben wie ein langer Schatten begleite.

Dieser Faden ließ ihn Bilder, Skulpturen und einen Roman schaffen. Besondere Zeitzeugenberichte, die der gebürtige Gevelsberger, der Weihnachten 75 Jahre alt wird, in Form einer Ausstellung nun am Sonntag im Ratssaal der Öffentlichkeit vorstellte.

Auch heute noch fällt es ihm schwer, von seinen Erlebnissen zu erzählen. Deshalb rang Günther Ney sichtlich mit der Fassung, als er versuchte, im nahezu bis auf den letzten Platz gefüllten Ratssaal die zwei Odysseen seines Lebens zu vermitteln. Die erste begann 1940, als der damals Siebenjährige von seinen Eltern aufgrund des beginnenden Krieges von Gevelsberg ins ostpreußische Bärenfang zu seinen Großeltern geschickt wurde. Sie endete 1944 mit der Vertreibung und Flucht gen Westen, die ihn erst 1947 wieder in die Heimat nach Gevelsberg führte.

Die zweite Odyssee schloss sich den traumatischen Kindheitserlebnissen an. Denn Zeit seines Lebens versuchte Günther Ney diese zu verarbeiten. Er schuf sich einen künstlerischen roten Faden, mit dem er versuchte, mit Gedichten, Bildern und Skulpturen "die unselige Vergangenheit zu mildern".

Zuweilen knallrot und überdeutlich, manchmal aber auch dünn und schwach, begleitete dieser Faden sein Leben und strahlte gerade im letzten Jahr besonders hell, denn: "2007 drängte es mich, ein Buch über mein Leben auf dem Bauernhof meiner Großeltern zu schreiben", so Ney. "Der weite Weg - Von Westfalen nach Ostpreußen und zurück" heißt es und berührte seinen Autor auch noch im Ratssaal so sehr, dass er nach dem selbst gelesenen ersten Kapitel abbrach und Bürgermeister Claus Jacobi weitere Abschnitte lesen ließ.

"Erinnern heisst, eines Geschehens so rein und objektiv zu gedenken, dass es ein Teil des Erinnerns sein kann, auch wenn man selbst kein unmittelbares Teilnehmen erleben musste", betonte Jacobi die Bedeutung von Zeitzeugenberichten des Weltkriegs, die aufgrund des fortgeschrittenen Alters dieser Generation immer weniger werden.

"Schätzen wir uns glücklich, dass wir Menschen wie Günther Ney unter uns haben, die uns die Schrecken so nah bringen können, dass wir sie ein Stück weit für die Nachwelt erhalten können", so Jacobi. "Günther Neys Werke sind eine besondere Perspektive, die mich dazu bewogen hat zu sagen, der Volkstrauertag muss mit dieser Geschichte begangen werden."

Es war eine schwere Kindheit Günther Neys im Deutschland unter der Herrschaft Hitlers, die Iris Baeck (Fachbereichsleiterin VHS) dem Auditorium in einer wissenschaftlichen Aufarbeitung nochmals verdeutlichte. Und es war ein langer roter Faden des Gevelsbergers, der sich bis hin zur Ausstellungseröffnung und Präsentation seines Buches zog. "Werde ich jetzt in der Lage sein, einen Knoten in den roten Faden zu machen?", fragte Günther Ney sich selbst und antwortete zugleich: "Ich hoffe es."

Die Ausstellung kann noch bis zum 30. November im Rathaus besucht werden: montags bis freitags von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 12 Uhr.

Von Kerstin Wördehoff

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1298577/create

Aktuelle Fotos und Videos
Auftakt zur heißen Kirmesphase in Gevelsberg
Bildgalerie
Hammerschmiedfete
Sonniges Wetter lockte Tausende zum Boulevard
Bildgalerie
Boulevard 2012, Sonntag
Sternchen zeigten ihr Talent beim Casting Wettbewerb
Bildgalerie
Boulevard 2012 G-Faktor
Ein Rundgang über den Boulevard in Gevelsberg am Samstag
Bildgalerie
Boulevard 2012, Samstag
Aus dem Ressort
Tag der offenen Bauplätze
Kirmes
„Herzlich willkommen bei der Kirmesgruppe...“. Mit diesen Worten begrüßen die zwölf Gevelsberger Kirmesgruppen künftig ihre Gäste. Rechtzeitig zum „Tag der offenen Bauplätze“ sind die Schilder fertig geworden.
Frisch aus der Reha und wieder fit
Gevelsberg
„Ich bin wieder hier!“ Hammerschmied Bernd Matthäi schmiedet wieder und ist, zur Freunde aller, wieder recht gut auf den Füßen unterwegs. Und so konntemit dem traditionellen Hammerschmiedfest in den Räumen der auf Hochglanz polierten Kunstschmiede von Hubert Janorschke der Endspurt auf der...