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Sechseinhalb Jahre Haft für 23-Jährigen

27.07.2012 | 18:51 Uhr
Sechseinhalb Jahre Haft für 23-Jährigen
Der 23-Jährige wurde von der Essener Strafkammer zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Essen./Gelsenkirchen. „Milde“ nennt Richter Rudolf Fink das Urteil. Dabei hat die VII. Essener Strafkammer den 23 Jahre alten Angeklagten Christoph K. aus Bulmke-Hüllen gerade zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen schweren Raubes verurteilt. Vor dem Landgericht Karlsruhe erwartet den Gelegenheitsarbeiter noch ein weiteres Verfahren wegen Raubes.

„Milde“ nannte der Richter das Strafmaß, weil es ohne das Geständnis des Angeklagten weit höher ausgefallen wäre. Den Spielraum hatte das Landgericht Essen , denn die Mindeststrafe für schweren Raub beträgt fünf Jahre Haft.

Mit unbekannten Komplizen, so stellte das Essener Gericht fest, plante er den hinterhältigen Überfall auf einen Schmuck- und Antiquitätenhändler. Telefonisch boten sie dem Geschäftsmann aus Fürth Antiquitäten an. Wie vereinbart traf er am 5. November 2011 in Gelsenkirchen ein. Doch direkt an der Tür überfielen der Angeklagte und seine Freunde den Mann. Sie traten ihn, schlugen mit Stöcken auf ihn ein. Dann zogen sie ihm einen Ring vom Finger, rissen ihm eine Goldkette vom Hals und nahmen ihm noch 650 Euro Bargeld aus der Tasche. Beute: rund 4000 Euro.

Einbrüche nach Selbstanzeige aufgeklärt

Im Jahr zuvor war Christoph K. bereits in die Wohnung der Nachbarin seiner Mutter eingebrochen. Schmuck für rund 3000 Euro nahm er mit. Und im April 2011 drang er in die Wohnung des Nachbarn seines Cousins ein. Da packte er einen Flachbildschirm, ein Laptop und weitere Elektronikartikel ein. Wert: rund 2000 Euro. Die Einbrüche hätte die Polizei ohne die Selbstanzeige des Angeklagten nicht aufklären können. Beim Überfall auf den Schmuckhändler hatte dieser ihn allerdings später in der Polizeikartei identifizieren können. Geständig ist K., seine Komplizen nennt er aber nicht. Aus dem Milieu löst er sich also nicht, sagt später das Gericht.

Christoph K., der große, massige Mann auf der Anklagebank, hat keinen leichten Lebensstart gehabt. Er ist bei seiner Mutter aufgewachsen, ohne Vater. Sie bekam von zwei anderen Männern zwei weitere Kinder. Von seinem leiblichen Vater weiß er wenig, hörte aber, dass dieser lange in Haft war. Er soll in ganz Gelsenkirchen als aggressiver Mann bekannt gewesen sein, berichtetet die psychiatrische Gutachterin Marianne Miller. Die Schullaufbahn beendete Christoph K. trotz Sonderschule und Fördermaßnahmen ohne Abschluss. Das war 2006, seitdem gab es nur noch Gelegenheitsjobs. Er hätte sich aber weitergebildet, hat er der Gutachterin erzählt, und Sendungen auf N24 oder Galileo genannt.

Staatsanwalt Karlheinz to Roxl nennt es nachher „absolut schäbig“, bei der 80-Jährigen einzubrechen, nennt den Überfall auf den Schmuckhändler eine „feige Tat“. Rechtsanwalt Wolfgang Hirth hält dem nicht viel entgegen, erinnert aber daran, wie jung der Mandant noch sei. Das Gericht geht darauf ein. „Sie waren nicht auf Rosen gebettet“, spricht Richter Fink in der Urteilsbegründung den Angeklagten an, „aber für seinen Lebensweg ist jeder selbst verantwortlich“.

Stefan Wette



Kommentare
29.07.2012
07:31
Sechseinhalb Jahre Haft für 23-Jährigen
von Rottweiler | #3

Wenn man bei einer alleinerziehenden Mutter aufwächst, die dann noch zwei Kinder von zwei verschiedenen Männern zur Welt bringt, bedeutet das schon, daß man keinen leichten Lebensstart gehabt haben soll? Das ist eine Sache, die der Richter sogar erwähnenswert findet und womöglich in sein Urteil mit einfließen läßt?
Oh Mann, wieviele Kinder auf dieser Welt haben dann keinen leichten Lebensstart gehabt, oh je, all die Kinder alleinerziehender Mütter, die es dann auch noch wagen, noch ein Kind zu bekommen, von einem anderen Mann auch noch, was tun die ihrem Erstkind nur an!!!


28.07.2012
10:28
Sechseinhalb Jahre Haft für 23-Jährigen
von Jaqueline1970 | #2

Ist doch ok. Wir sind in Deutschland. Da wird doch auch mal ein Deutscher kriminel sein dürfen.Schade ist nur, dass er wie so viele andere durch das soziale Netz gerutscht ist. Ich würde mir wünschen, dass das Jugendamt hier viel häufiger und früher mit richtiger Förderung um die Ecke kommen würde. Natürlich bräuchten die dann auch mehr Geld und mehr Mitarbeiter. Sparen könnte man ja bei den Banken. Banken die nicht ordentlich wirtschaften braucht eh niemand. Die Strafe selbst finde ich in Ordnung. Bleibt nur zu hoffen, dass er danach nicht genauso weitermacht wie bisher.

28.07.2012
07:55
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