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Sexualstraftäter

Kontroverse Diskussion um Wohnungssuche von Karl D. in Gelsenkirchen

10.08.2012 | 09:00 Uhr
Kontroverse Diskussion um Wohnungssuche von Karl D. in Gelsenkirchen
Ein Blick in den Hof der „Sotha“ an der Munckelstraße.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.  Die Berichterstattung über Karl D. und seine Wohnungssuche in Gelsenkirchen sorgte für viele Reaktionen. Leser warfen die Frage auf, ob man über diesen Mann in einem Rechtsstaat überhaupt noch berichten darf. Schließlich habe er seine Haftstrafe verbüßt.

Von „Hexenjagd“ ist da im Online-Portal der WAZ beispielsweise die Rede. Ein Kommentator namens „Pilger“ schreibt: „Wenn man heutzutage noch Hexen verbrennen dürfte, in Gelsenkirchen würde man sie verbrennen, da bin ich mir sicher. Sorry, wenn ich so überspitzt auf diesen Artikel reagiere, denn die Biografie dieses Mannes macht sehr nachdenklich und verunsichert zu recht. Aber es mutet schon sehr mittelalterlich an, wie in diesem Artikel zur Hatz auf einen Menschen aufgerufen wird. Volles Verständnis meinerseits, würde man diesen Mann rund um die Uhr bewachen. Aber das geht auch leise und seriös, ohne mit Hilfe der Presse unnötig die Pferde scheu zu machen.“

Das ist in der Tat die Frage, ob so etwas leise geht.

Laut Gutachten "sehr gefährlich"

Um zur weiteren Transparenz beizutragen: Die Redaktion hat intensivst darüber diskutiert, wie sie mit dem Hinweis umgeht. Das Ergebnis der Recherche war für uns ausschlaggebend für die Veröffentlichung, und zwar erst, als die Fakten feststanden. Hier war es gerade der bestätigte Aspekt, dass sich D. trotz seiner freiwilligen Unterbringung in der „Sotha“ – und wo sollte es besser gehen als dort? – mit Blick auf seine zweite Tat nach wie vor nicht hat therapieren lassen und von der Polizei auf der Basis eines geltenden Gutachtens weiterhin als „sehr gefährlich“ eingestuft wird.

Ein anderer Grund ist dieser: Die Redaktion ist davon überzeugt, dass eine Dauerobservation, wie sie vom Verwaltungsgericht Aachen bestätigt wurde, in Gelsenkirchen nicht „leise“ durchzuführen ist. Seriös sicherlich, dafür steht die Arbeit des Polizeipräsidiums. Aber unauffällig? Nein.

Die Polizei unterstützen

WAZ-Leserbeirätin Anna Hein schrieb uns diese Meinung: „Es sollte mit einer Berichterstattung, wie der heutigen über Herrn Karl D. , äußerst sensibel umgegangen werden. Insbesondere sollte sich die WAZ nicht an einer Kampagne beteiligen. Es ist mir durchaus bewusst, dass es eine Frage des öffentlichen Interesses ist. Sicherlich kann ich mich Ihrem Kommentar zu der Sache anschließen. Allerdings schüren Artikel wie der heutige weiterhin den Zorn und die Wut der Öffentlichkeit. Meiner Ansicht nach, muss er weiterhin überwacht werden, allerdings ist dies Aufgabe der Polizei und nicht der Öffentlichkeit und der Presse.“

Ein wertvoller Beitrag in der Diskussion, darauf möchte ich erwidern: Die WAZ-Berichterstattung ist seriös, sachlich und dem Anlass völlig angemessen. Sie ist weder tendenziös noch reißerisch, sie gibt allein die Recherche wieder. Nicht mehr, aber auch nicht weniger – und dazu sind wir Ihnen allen, unseren Lesern, verpflichtet.

Für die Zukunft gilt wohl auch die Aussage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Werner Wöll, der sagte: „Wir sollten die Polizei bei ihrer Aufgabe zum Wohle der Bevölkerung unterstützen.“

Friedhelm Pothoff

Kommentare
12.08.2012
21:47
Kontroverse Diskussion um Wohnungssuche von Karl D. in Gelsenkirchen
von Nobot | #9

"Die WAZ-Berichterstattung ist seriös, sachlich und dem Anlass völlig angemessen. Sie ist weder tendenziös noch reißerisch, sie gibt allein die...
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Kontroverse Diskussion um Wohnungssuche von Karl D. in Gelsenkirchen
Kontroverse Diskussion um Wohnungssuche von Karl D. in Gelsenkirchen
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2012-08-10 09:00
WAZ, WAZ Mediengruppe, Recherche, Berichterstattung, Karl D., Polizei, Artikel, Gelsenkirchen, Wohnungssuche
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