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Flöz Dickebank

Hoffen und Bangen bis Mitte Juni

25.05.2012 | 17:37 Uhr
Hoffen und Bangen bis Mitte Juni
Die Hoffnung stirbt zuletzt für die Mieter der Siedlung Flöz Dickebank. Derzeit aber stehen die Fakten für eine Niederlage. Foto: Thomas Gödde

Gelsenkirchen.  Die Lage der Flöz Dickebank erscheint aussichtslos. Vielleicht kauft Häusser-Bau die Siedlung. Bis zum 20. Juni kann die Suche nach einer Lösung noch weitergehen, dann läuft die Vorkaufsrecht-Option der Stadt Gelsenkirchen aus.

Dem Gesicht von Udo Brückner war es anzusehen: Die Fakten, die Oberbürgermeister Frank Baranowski im Rat sachlich auflistete, standen für eine Niederlage.

Der SPD-Stadtverordnete, selbst Mieter in der Siedlung Flöz Dickebank , wirft die Flinte zwar nicht ins Korn, doch die Hoffnung auf eine Rettung, wenn man das so bezeichnen mag, erscheint heute aussichtsloser denn je. Ein Verkauf an Häusser-Bau kaum noch aufhaltbar (die WAZ berichtete).

Die Stadttochter, die „gelsenkirchener gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft“ mbH (ggw), kann das Geschäft nicht stemmen. Die wirtschaftlichen Rahmendaten, die Geschäftsführer Harald Förster auflistete, sprechen eine klare Sprache dagegen. Dabei ist es vielleicht noch nicht einmal der Kaufpreis selbst, der alle Überlegungen über den Haufen wirft, sondern die Folgekosten und damit der beklagenswerte Zustand der Häuser. Er ist so vernachlässigt, dass bei Eigentümerwechseln, bei Auszügen enorme Instandsetzungs- und Modernisierungskosten anstehen, die über Einnahmen aus der Miete, selbst wenn sie moderat erhöht würde, nicht refinanzierbar wären. Und dass die ggw, die selbst gerade erst aus einem wirtschaftlichen Tal klettert, kein geheimes Festgeldkonto unterhält, ist hinlänglich bekannt.

Es bleibt die Hoffnung auf einen dritten Weg

Die Frage, die sich stellt, ist in diesem Zusammenhang: Warum lohnt sich der Kauf von Flöz Dickebank für Häusser-Bau?

Das Geschäftsmodell des Unternehmens ist ein grundsätzlich anderes, weshalb übrigens auch ein Immobilien-Dickschiff wie Vivawest abgewunken hat. 180 Haushälften mit einem Wert von womöglich je 100 000 Euro sind von der Deutschen Annington auf den Markt geworfen worden. Das macht nach Adam Riese einen Gegenwert von 18 Millionen Euro. Selbst nach Abzug des Kaufpreises von brutto gut 8,3 Millionen Euro (7,37 Mio. Euro netto) und der Berücksichtigung weiterer anfallender Kosten bleibt für das Bochumer Unternehmen noch genügend übrig, wenn eine Privatisierung, ein Verkauf Zug um Zug gelingen sollte. Diese Erwartung kann auch nicht verändern, dass eine vereinbarte Sozialcharta Bergbaumietern, Bewohnern über 65 Jahre und Härtefällen ein lebenslanges Wohnrecht einräumt.

Was bleibt den Mietern in Ückendorf? Im Prinzip, so hart das ist, nur die Hoffnung auf den dritten Weg, den noch niemand kennt. Bis zum 20. Juni kann die Suche nach einer Lösung gehen, dann läuft die Vorkaufsrecht-Option der Stadt Gelsenkirchen aus. Dann wird der bereits notariell beglaubigte Kaufvertrag zwischen der Deutschen Annington und Häusser-Bau wirksam.

Was dann kommt, weiß niemand. Dass die Bochumer die Siedlung nicht aus reiner Barmherzigkeit kaufen, scheint unstrittig. Und selbst wenn es ihnen gelingen würde, Teile schnell weiter zu verkaufen – die vereinbarte Sozialcharta bleibt bestehen. Da muss niemand eine Aushebelung befürchten.

Beratungen für die Mieter

Die Stadt selbst will den Mietern im Prozess so gut es geht zur Seite stehen. Stadtdirektor Michael von der Mühlen stellte Beratungen in Aussicht: für Finanzierungen, für Modernisierungen. Selbst einspringen, als Käuferin, das kann sie nicht. Ihr fehlen schlicht die Finanzmittel. Das wird am Ende auch die gesamte Politik einsehen müssen.

Den Menschen in der Siedlung Flöz Dickebank hilft all das nicht weiter. Was ihnen im Moment bleibt, ist ihre Solidarität. Die kann ihnen Stärke verleihen.

Friedhelm Pothoff



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