Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 9°C
Holger Augustin im Interview

Bessere Vorbereitung auf die Berufswelt

09.08.2012 | 17:20 Uhr
Bessere Vorbereitung auf die Berufswelt
Auch Metzger sind Handwerker, daran erinnert Holger Augustin gerne. Er weiß, dass viele Menschen das vergessen haben.Foto: WAZFotopool

Gelsenkirchen. Auch in diesem Jahr werden nicht alle Jugendlichen einen Ausbildungsplatz erhalten. Auf der anderen Seite suchen Betriebe verzweifelt noch Bewerber für ihre angebotenen Stellen. Häufig stimmen Vorstellungen der jungen Leute über das Berufsbild nicht mit der Realität überein. Wir fragten Kreishandwerksmeister Holger Augustin zum Thema Berufsvorbereitung, Qualifikation der Bewerber und Anforderungen der Betriebe.

Wie zufrieden sind Sie mit der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe?

Holger Augustin: Sie ist sicherlich besser geworden, es könnte aber noch ein wenig mehr sein. Der Fachkräftemangel ist in vielen Bereichen des Handwerks zu spüren. Aus wirtschaftlichen Gründen haben Betriebe ihre Ausbildung in den letzten Jahren zurückgefahren. Es ist sicherlich nötig, dass sich mehr Betriebe direkt an Ausbildung beteiligen und nicht verstärkt Jugendliche über Maßnahmen der Agentur für Arbeit in Bildungszentren gefördert werden.

Und warum bildet nur jeder zweite Handwerksbetrieb auch aus?

Augustin: Ein Problem ist sicherlich die schleppend verlaufende Konjunktur. Dann haben wir viele Kleinstbetriebe mit nur wenigen Beschäftigten. Durch den Wegfall des Meisterzwangs dürfen viele gar nicht mehr ausbilden. Außerdem ist die Qualifikation dieser Betriebsinhaber für eine mögliche Ausbildung nur in beschränktem Umfang vorhanden.

Warum wird die Möglichkeit einer Verbundausbildung so wenig genutzt?

Augustin: Viele Kollegen meinen, dass die zukünftigen Auszubildenden zu wenig Praxis im Betrieb erfahren. Die Frage ist, ob nicht der zweite Berufsschultag im ersten Lehrjahr wegfallen kann. Müssen Sport und Religion tatsächlich in der Berufsschule unterrichtet werden?

Sind Jugendliche in der Regel gut vorbereitet auf den Berufsstart?

Augustin: Die schulische Ausbildung hat wenig mit der Praxis zu tun. In der Schule wird mitunter die Vorbereitung vernachlässigt. Ich habe den Eindruck, dass oft die persönliche Neigung nicht mit dem Beruf übereinstimmt, den so mancher Jugendliche erlernt. Uns muss es gelingen, mehr Verständnis und mehr an Information über die Berufe zu vermitteln. und die Gewerke positiver darzustellen. Viele Berufe wie Bäcker oder Fleischer werden gar nicht als Handwerk wahrgenommen.

Müssen Schüler noch mehr Einblicke in die Praxis bekommen?

Augustin: Auf jeden Fall. Das vom Land geförderte Projekt 14 Plus, bei dem Schüler ab 14 die Arbeit in Werkstätten kennenlernten und Betriebsvertreter in die Schulen gingen, sollte fortgesetzt werden. Es gibt den jungen Leuten einen Einblick in die reale Arbeitswelt.

Wo liegen die meisten Defizite?

Augustin: Defizite entdecken Betriebsinhaber häufiger bei Testergebnissen. Auch die soziale Kompetenz mancher Azubis könnte besser sein, die Leistungsbereitschaft ist oft nur ausreichend. Die Kollegen erwarten Zuverlässigkeit und mehr Eigenengagement .

Im nächsten Jahr drängen Schüler aus zwei Abi-Jahrgängen auf den Ausbildungsmarkt.

Augustin: Ich sehe eine Riesenchance fürs Handwerk, gut qualifizierte Jugendliche für Ausbildung zu gewinnen. Verdrängen werden sie keine Bewerber, denn es gibt genügend Angebote auch für Haupt- und Realschüler.

Wie sehen Sie die Zukunft für Ausbildung?

Augustin: Positiv. Ich glaube, dass der Fachkräftemangel vielen gute Chancen bieten wird. Die Quantität an Ausbildungsplätzen ist vorhanden. Die Qualität wird durch den technischen Wandel weiter steigen.

Klaus Johann



Kommentare
Aus dem Ressort
Das „Blind Date“ in Gelsenkirchen kann kommen
Festival
Die Aufbauarbeiten für das dreitägige Festival auf der Wiese am Taubenhaus begannen mit einigen Stunden Verzögerung: Der Strom fehlte zunächst. Die von Sturm „Ela“ nicht verschonte Parkfläche räumte Veranstalter Emschertainment selbst.
Gelsenkirchen hat Antrag auf temporären Sperrbezirk gestellt
Prostitution
Die Städte Gelsenkirchen und Herten haben gemeinsam einen Antrag für die Einrichtung eines zeitlich begrenzten Sperrbezirks an die Bezirksregierung Münster gestellt. Einen entsprechenden Beschlussvorschlag legt die Stadt Gelsenkirchen dem Hauptausschuss am 11. September vor.
Galerie Tellerrand öffnet virtuell ihre Türen
Galerie
Diese Galerie ist rund um die Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei und eigens stylen muss sich der Ausstellungsbesucher für einen Rundgang durch diese Schauräume auch nicht. Denn die Galerie Tellerand ist virtuell.
KanalLeben – das große Fest auf dem Rhein-Herne-Kanal
Revierfeier
Die Schiffe müssen draußen bleiben, der Wassersport übernimmt das Ruder auf dem Rhein-Herne-Kanal, wenn das Revier am 30. August seine Riviera feiert. Die Höhepunkte des „KanalLebens“.
Werke zwischen Objekt und Malerei
Kunst
„Konstruktive Verbindungen schaffen“ heißt das Konzept des Ateliers JRS, das die Künstler Heinrich Jüttner, Heribert Leppert und Wolfgang Sternkopf an der Ruhrstraße 11a betreiben.
Umfrage

Im Essener Folkwang-Museum denkt man derzeit über freien Eintritt für die Besucher nach - zumindest samstags. Im Gelsenkirchener Kunstmuseum gilt schon längst an allen Tagen: Eintritt frei. Auch ins Horster Schloss kommt man für wenige Euro in die sehenswerte historische Schau. Was meinen Sie, sollte der Eintritt zu Museen generell frei sein?

 
Fotos und Videos
Das Revier bewirbt sich um die Akademie
Bildgalerie
Sparkassen-Akademie
Holi-Festival in Gelsenkirchen
Bildgalerie
Festival
WAZ-Leser besichtigen Spedition
Bildgalerie
Transportunternehmen