Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 9°C
Rechtsstreit

Arbeitsgericht spricht erstes Teilurteil im Medicos-Streit

04.01.2012 | 12:00 Uhr
Arbeitsgericht spricht erstes Teilurteil im Medicos-Streit
Auch im neuen Jahr wird der Medicos-Streit das Arbeitsgericht Gelsenkirchen beschäftigen.Foto: Thomas Schild

Gelsenkirchen.  Der Streit zwischen dem Gesundheitszentrum Medicos und dem früheren stellvertretenden ärztlichen Direktor Meinald S. nimmt kein Ende. Der Mediziner hatte die Fußballmannschaft des Schalke 04 betreut, wurde jedoch nie bezahlt. Nun sprach das Arbeitsgericht zumindest ein erstes Teilurteil.

In einem Teilurteil hatte die 3. Kammer des Arbeitsgerichts Gelsenkirchen die Klage des Mediziners gegen seine fristlose Kündigung zum 19. Januar 2011 abgewiesen.

Das Ungewöhnliche des Verfahrens: Ein identischer Rechtsstreit mit einem weiteren Mediziner, dem Medicos ebenfalls fristlos gekündigt hatte, ist bereits durch einen Vergleich beendet worden. Die Parteien einigten sich auf eine Abfindung für Dr. Boris P. von 14.500 Euro, die fristlose Kündigung war ebenfalls vom Tisch. Darüber hinaus darf Medicos unter anderem nicht mehr den Vorwurf eines Wettbewerbsverstoßes aufrecht erhalten und Dr. P. keine Ansprüche mehr für nicht bezahlte Leistungen geltend machen.

Wertvolle Kickerbeine

Die beiden Mediziner hatten unter Magaths Zeiten die mannschaftsärztliche Betreuung der Bundesligaspieler von Schalke 04 übernommen. Vertragspartner des Bundesligisten war Medicos, das die Mediziner neben ihrer eigentlichen Tätigkeit in dem Gesundheitszentrum für die Betreuung bei Schalke abstellte.

Der Streit, der schließlich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zum Gericht führte, liegt ursächlich in der fehlenden Entlohnung der Mediziner durch Medicos und der dadurch ausgelösten Kündigung des Vertrages durch Schalke zum 28. Februar 2011. Der Verein hatte Medicos 210.000 Euro pro Saison gezahlt. Schalke fühlte sich getäuscht, da die Mediziner seit Oktober 2010 für die Pflege der wertvollen Kickerbeine keinen Cent gesehen hatten.

"Das ist ja asozial"

Schalke hatte am 19. Januar zu einem Schlichtungsgespräch zwischen den Parteien eingeladen. Die Atmosphäre war nach Aussagen der Beteiligten vergiftet, eine Annäherung nicht möglich. Noch am späten Abend desselben Tages überbrachte ein Bote Dr. S. die fristlose Kündigung.

Das Gericht hält die fristlose Kündigung für gerechtfertigt, da ein Wettbewerbsverstoß vorliege. In dem Schlichtungsgespräch habe der Bevollmächtigte von Dr. S. erklärt, dass die Mediziner auch nach dem 28. Februar auf eigene Rechnung weiter für Schalke tätig sein wollten. Dies, so meint das Gericht, sei auch in einem vorherigen Schreiben des Rechtsvertreters mit ähnlichem Inhalt mitgeteilt worden.

Ein Wettbewerbsverstoß liege auch dann vor, wenn die Absicht bestünde, in eigener Rechnung seinem Arbeitgeber „Geschäftsverbindungen abzuwerben“. Für Ronny Gersch, rechte Hand von Felix Magath , blieb nach dem Gespräch völlig offen, wie die Zusammenarbeit nach dem 28. Februar weiter gehen könnte. Seine Reaktion vor Gericht auf die Kündigung: „Das ist ja asozial.“ Seine Bemerkung taucht im Protokoll nicht auf.

Mehrere Anläufe

Ilona Bruns, Rechtsvertreterin von Dr. Meinald S., setzt in der Berufung auf einen Erfolg vor dem Landesarbeitsgericht Hamm. Für den 22. Februar will die Kammer zunächst die streitenden Parteien erneut laden. Dann geht es um die Berechtigung und die Höhe einer Entschädigungsforderung von Medicos gegenüber Dr. Meinald S. Der macht übrigens die gleiche Rechnung auf.

Die 3. Kammer des Gelsenkirchener Arbeitsgerichts brauchte mehrere Anläufe für die Teilentscheidung in dem Rechtsstreit. Auf 57 Seiten ist das Urteil festgehalten. Eine Fortsetzung des Verfahrens wird es nach der Berufung in Hamm geben. Dabei ist kaum anzunehmen, dass die 3. Kammer tatsächlich am 22. Februar eine erneute Entscheidung, diesmal zu Schadensersatzforderungen, treffen wird.

Klaus Johann

Kommentare
Funktionen
Aus dem Ressort
Besucherrekord beim Immobilientag
Bauen und Wohnen
Der 9. Buersche Immobilientag bei AHAG hatte erstmals einen gesamtstädtischen Charakter und erlebte einen Besucherrekord.
Rapper Weekend stellt neue CD in Gelsenkirchen vor
Musik
Es war eine Konzert-Party für Freunde, die der Gelsenkirchener Rapper Weekend, alias Christoph Wiegand, zur Vorstellung seiner neuen CD organisiert...
WortBEwaltige Poetry Slammer im Gelsenkirchener Spunk
Dicherschlacht
„Die besten Ideen kommen im Zug oder unter der Dusche“, weiß Christin Meier, Poetry Slammerin aus Essen. An guten Ideen fehlt es am Samstagabend weder...
Gift im  Grubenwasser ruft Experten auf den Plan
PCB
Biochemiker Dr. Haral Friedrich sprach beim Umweltforum über die drohende Gefahr einer ökologischen Katastrophe.
So trainiert man für einen Extremlauf
Extremlauf
Halbmarathon mit Hindernissen: Im Oktober findet in Gelsenkirchen und Essen die Xletix Challenge statt. Wie man sich fit macht, sehen Sie im Video.
Fotos und Videos
Schiffsparade durchs Revier
Bildgalerie
Rhein-Herne-Kanal
Bunker in Gelsenkirchen
Bildgalerie
Fotostrecke
article
6212580
Arbeitsgericht spricht erstes Teilurteil im Medicos-Streit
Arbeitsgericht spricht erstes Teilurteil im Medicos-Streit
$description$
http://www.derwesten.de/wp/staedte/gelsenkirchen/arbeitsgericht-spricht-erstes-teilurteil-im-medicos-streit-id6212580.html
2012-01-04 12:00
FC Schalke 04, Felix Magath, Medicos, Gericht, Urteil,
Gelsenkirchen