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Solar-Tankstelle

Unterwegs mit der Kraft der Sonne

29.06.2012 | 18:34 Uhr
Unterwegs mit der Kraft der Sonne
Foto: Lena Hedermann

Gelsenkirchen-Scholven. Der Fortschritt kommt fast lautlos. Nur ein leises Surren ist zu hören, wenn der kleine Stadtflitzer zur Tankstelle gleitet. Der Kleinwagen ist ein Elektro-Fahrzeug und steuert den Parkplatz am Westtor des Scholvener Kraftwerks an. Sein Ziel ist eine Strom-Tankstelle, die landesweit absoluten Seltenheitswert hat. Vor den Toren des Kohlekraftwerkes betreibt Eon seit gestern die konzernweit erste mit Solarenergie betriebene Strom-Tankstelle.

Vier Zapfsäulen hat die Ladestation, die von einer silbern glänzenden Metallkonstruktion überdacht wird. Das Dach, es wirkt wie ein Riesen-Carport, hat aber nicht nur die Aufgabe, den Fahrzeugen Witterungsschutz zu bieten, es zapft gleichzeitig die größte vorhandene Energiequelle, nämlich die Sonne, an. Photovoltaik-Paneele bedecken die ganze Konstruktion und liefern ihre Energie unmittelbar an die „Tanksäulen“.

Den Anstoß für diese Pilotstation lieferte, so berichtet es Kraftwerksleiter Michael Frank, der auslaufende Leasing-Vertrag für ein Firmenfahrzeug: „Das war ein Diesel. Und da wir uns hier selbstverständlich an der Energiewende aktiv beteiligen wollen, kam nur ein Elektro-Fahrzeug in Frage.“ Doch, um dann auch bei der Schadstoff-Bilanz tatsächlich mit 0-Emissionen unterwegs zu sein, muss die Energie aus regenerativen Quellen stammen.

Obwohl das Kraftwerk selbst größter Stromlieferant der Region ist und im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent arbeitet, setzte man bei der Versorgung der inzwischen zwei Elektro-Dienstfahrzeuge auf Solar-Energie. Dabei wurde der Standort direkt am Werkstor ganz bewusst gewählt, denn einerseits hat das natürlich einen Werbeeffekt für „saubere Energie“, andererseits steht die Tankstelle auch privaten Elektro-Mobilen aus der Nachbarschaft als kostengünstige „Strom-Tankstelle“ zur Verfügung.

Auch, wenn die Sonne nicht scheint, oder wenn nachts „getankt“ werden soll, kann die Anlage noch Energie spenden. Bei nicht ausreichender Sonneneinstrahlung kommt der Ladestrom aus dem eigenen Fernwärmekraftwerk. Durch den hohen Wirkungsgrad ist selbst dann die CO2-Bilanz für die Elektro-Fahrzeuge immer noch besser als die durchschnittlichen Werte eines Benzin- oder Diesel-Neufahrzeugs.

Woher die Energie stammt, wie viele Fahrzeuge schon geladen wurden und noch geladen werden, darüber informiert eine Bildschirm-Säule vor dem Solar-Lade-Carport. Das Display gibt auch über die jeweilige CO2-Bilanz Auskunft und rechnet aus, wie viel in Euro und Cent gegenüber einem Diesel-Fahrzeug bei jeder Betankung eingespart wird.

Da die beiden neuen Fahrzeuge regelmäßig von den Mitarbeitern zu festgelegten Routine-Fahrten genutzt werden, versteht die Konzern-Fachabteilung „E-Mobility“ den Scholvener Einsatz als Feldversuch für die Praxistauglichkeit. Dass die leise surrende Fortbewegung auch einen Spaßfaktor hat, davon überzeugte sich unter anderem OB Baranowski bei der Inbetriebnahme.

Peter Marnitz

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