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Generation Smartphone provoziert Unfälle

15.02.2016 | 18:56 Uhr
Generation Smartphone provoziert Unfälle
Eine Hand am Smartphone, die andere am Lenkrad des Fahrzeuges: Die Polizein sieht in der Smartphone-Nutzung am Steuer ein Problem.Foto: Holger Hollemann

Fröndenberg/Unna.   Der Trend zu weniger Unfällen ist im Kreis Unna gekippt. Die Polizei sieht neue Problemgruppen: Handy-Nutzer, Senioren und Radler.

Fröndenberg ist größer als das benachbarte Holzwickede. Dennoch lag die Zahl der Unfälle voriges Jahr zwischen Altendorf und Bausenhagen niedriger in der Nachbarstadt. 454 Mal krachte es laut Polizei in der Ruhr-Stadt, 533 Mal in Dortmunds heimlichem Vorort. Alles gut? Von wegen.

Auch wenn kein Verkehrstoter zu beklagen war, auch wenn die Zahl der verletzten Auto-Insassen rückläufig war, auch wenn die Zahl der verletzten Verunglückten schrumpfte: 454 Kollisionen waren 63 mehr als noch 2014, eine Steigerung um 16 Prozent.

Schlimm: Im vorigen Jahr kippte, in Fröndenberg wie im ganzen Kreis Unna, der positive Trend der vergangenen fünf Jahre. Landrat Michael Makiolla, zugleich Chef der Kreispolizei, brachte die Entwicklung auf den Nenner: weniger Kontrollen, mehr Unfälle. Weniger Kontrollen? Die Zahl der Beamten stagnierte kreisweit, nicht jedoch der Umfang der Aufgaben. Vor allem mehr Einbrüche als in den Vorjahren hielten die Polizei auf Trab.

So sah Michaela Helm, Leiterin der Verkehrsdirektion bei der Kreispolizei in Unna, in der Unfall-Bilanz „Licht, aber auch deutliche Schatten“. Ihr ging es bei der Vorlage der Zahlen keineswegs um kalte Statistik. Vielmehr machte sie deutlich, dass Tote und Verletzte Leid bedeuten. Vermeidbares Leid, wie sie hinzufügte: „In der Regel gehen Unfälle auf menschliches Versagen zurück.“

Der Fluch ständiger Erreichbarkeit

Dabei hat sie neue Problem-Gruppen ausgemacht – vorne weg die Generation Smartphone. Die mobilen Empfangsgeräte sind Mini-Computer. Sie ermöglichen es ihren Nutzern, stets erreichbar zu sein, Text-, Foto- oder gar Videobotschaften auszutauschen – auch im Straßenverkehr. Das gilt für Fußgänger: Hans-guck-in-die-Luft war gestern, heute gefährdet Kevin-check-das-Handy sich und andere Verkehrsteilnehmer. Aber auch Auto- und Radfahrer erliegen immer häufiger der Verlockung, SMS, Mails oder Facebook-Einträge unterwegs abzurufen oder, schlimmer noch, zu schreiben.

Ein weiterer Trend: An immer mehr Unfällen sind Senioren beteiligt. Das erklärte Michaela Helm mit einem steigenden Altersschnitt der Gesellschaft und mehr Mobilität im Ruhestand. Die Polizei hat daraus eine Konsequenz gezogen: „Wir gehen verstärkt zu Senioren und geben ihnen Tipps, wie sie mit dem immer komplizierter werdenden Verkehr umgehen sollen.“

Als dritte Problemgruppe hat die Polizei Radfahrer ausgemacht – und zwar nicht die Sportfraktion, sondern die Alltagspedaleure. „In 50 Prozent der Fälle“, stellte Michaela Helm fest, „haben die Radfahrer den Unfall verursacht.“ Gründe? „Sie haben sich nicht an die Verkehrsregeln gehalten.“

Die gute Nachricht freilich lautet: In Fröndenberg gingen 2015 nur vier Radler unfallbedingt zu Boden – so wenige wie sonst nirgends im Kreis Unna. Die Polizei gab dafür keine Erklärung ab.

Eine Antwort indes liefert der Verkehrsentwicklungsplan, der heute, 17 Uhr, im Bau-Ausschuss erneut diskutiert wird: In Fröndenberg spielt der Fahrrad-Verkehr lediglich eine Nebenrolle. Sein Anteil liegt bei schlappen 2,9 Prozent.

Jürgen Overkott

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2016-02-15 18:56
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