Behinderung schützt vor Strafe nicht
05.07.2011 | 19:03 Uhr 2011-07-05T19:03:00+0200
Fröndenberg. Noch fehlen zwar die Gefangenen, doch die Pflegestation im Justizvollzugskrankenhaus (JVK) ist eröffnet. Ab kommendem Montag ziehen die hilfebedürftigen Häftlinge am Hirschberg ein.
Gefangene, die auf Hilfe angewiesen sind. Es gibt mehrere Wege, die in die Pflegeabteilung des Justizvollzugs führen. Und eine Tatsache, die Anstaltsleiter Joachim Turowski immer wieder betont, ist die, dass Behinderung nicht vor Straffälligkeit schützt.
„Wohl haben Behinderte vor Gericht in der Regel einen Bonus“, sagt Turowski. Doch wenn der aufgebraucht ist, landen auch Menschen mit Handicap im Knast. In den seltensten Fällen haben sie Gewaltstraftaten verübt. Aber für Betrug, Unterschlagung, Diebstahl oder Steuerhinterziehung, erläutert Turowski, sei ein körperliches Gebrechen kein Hinderungsgrund.
„Kleines Abenteuer“
Während die einen also schon bei der Tat eine Behinderung zu tragen haben, trifft es andere im Laufe der Haftzeit. Diabetes-Folgeerkrankungen, unter anderem Verlust von Extremitäten oder Blindheit, das sind typische Fälle, die in der Pflegeabteilung landen werden. Diese Menschen seien aber noch ein solches Sicherheitsrisiko, dass man sie nicht aus der Haft entlassen könne. Darauf soll die Zeit in Fröndenberg vorbereiten – je nach Haftdauer werden das einige Monate bis zu mehreren Jahren sein.
„Ein kleines Abenteuer“ nennt Joachim Turowski in diesem Zusammenhang das, was auf seine Mitarbeiter zukommt. Sieben Kräfte unter Vollzugsabteilungsleiter Peter Wolff stellen sich erstmals der Herausforderung, das ganze Spektrum des Vollzugs abzubilden. Während für die Gefangenen, die zeitlich begrenzt zur normalen Behandlung im JVK liegen, keine Freizeit- oder gar Resozialisierungsmaßnahmen vorgesehen sind, muss dieser Bereich nun neu aufgebaut werden.
Freigang wird geprüft
Erstmals in der 25-jährigen Geschichte der Justizklinik werden Häftlinge nämlich hier auf Dauer untergebracht. Und damit haben sie einen Anspruch auf Beschäftigung und Sozialisierung. Angelika Börner ist die Frau in dem siebenköpfigen Team, die für die Freizeitgestaltung zuständig ist. Eine Tischtennisplatte und ein Kickertisch stehen schon auf dem Flur, doch was wie gut bei den Gefangenen ankommt, müsse sich erst herausstellen. „Töpfern, Malen oder Spiele machen - alles ist möglich“, sagt sie. Sie kann sich auch Pokerturniere vorstellen, aber: „Natürlich ist da kein Geld im Spiel.“ Vollzugslockerungen wie Ausgang unter Aufsicht, Hafturlaub oder Freigang werden auch geprüft.
In der nächsten Woche werden die ersten der vier rollstuhlgerechten Einzelzimmer und 14 Doppelzimmer belegt. Je nachdem, wer zu wem passt, geht die Anstaltsleitung von durchschnittlich 20 bis 25 Gefangenen in der neuen Abteilung aus. Damit sind in Fröndenberg wieder insgesamt rund 220 Häftlinge untergebracht – zur kurzen medizinischen Behandlung oder eben auf Dauer.
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