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Als gäbe es etwas umsonst – und das gab es auch

10.08.2012 | 14:00 Uhr
Als gäbe es etwas umsonst – und das gab es auch
Dicht an dicht verfolgten die Zuhörerinnen und Zuhörer das Konzert.Foto: Silvia Rinke

Bausenhagen. Eine Geige kann singen, säuseln wie ein Sommerwind, nahezu lautlos ihren Klang zur Kirchenkuppel hauchen und dann wieder aufbrausen im plötzlich vielstimmigen Stakkato wie ein ungestümer Windstoß, der das Herbstlaub zaust. Ja, all das kann eine Geige. Sofern sie in den Händen der Marie-Claudine Papadopoulos liegt und so zart und kraftvoll-einfühlsam verlockt wird, die ganze Bandbreite ihres reichen instrumentalen Klangbilds preiszugeben.

Meisterlich geigte die preisgekrönte Konzertviolinistin am Mittwochabend in der heillos überfüllten Dorfkirche Bausenhagen – den ersten Teil des Bach’schen Konzertzyklus mit Sonaten und Partiten für Violine Solo. Es war ein Andrang (mit Dutzenden noch hastig herbeigeschafften Extrastühlen und Auto-Parkschlangen im Radius von fast einem Kilometer), dass man meinen konnte, hier gab es etwas umsonst: Das gab es auch, ein Konzert der Meisterklasse, wobei die Spende am Ausgang natürlich gern gesehen war und auch mehr als großzügig geflossen sein dürfte, denn das Publikum wirkte mehr als hingerissen und quittierte die virtuose Darbietung mit stürmischem Applaus.

„In der kleinen Kirche hochkarätige Musik zu Gast“, begrüßte Pfarrer Hartmut Görler die Besucher und die Musikerin mit sichtlichem Stolz und gab sich dann selbst dem Musikgenuss hin, versunken mit geschlossenen Augen. So meditativ konnte man viele Konzertbesucher beobachten, und einige Kinder auf den Armen ihrer Eltern oder Großeltern lauschten mit aufgesperrten Mündern und gespanntem Blick jedem Ton.

Marie-Claudine Papadopoulos in der Dorfkirche Bausenhagen.

Marie-Claudine Papadopoulos begann mit Heinrich Ignaz Franz Biber, Passaglia g-Moll, dem Auftakt nach Maß folgten Sonate 2 a-Moll und Partita 3 E-Dur von Johann Sebastian Bach. Wie die junge Musikerin (1987 in Straßburg geboren) mit dem Bogen über die Saiten flitzt und tanzt, sie streichelt und liebkost und sie dann wieder kraftvoll wie einen Baumstamm fast zu zersägen scheint, ist schon ein Erlebnis der ganz besonderen Art, zumal die Geige selbst auch etwas Besonderes ist: Sie stammt aus dem Jahre 1745 von Guarneri Petrus, zur Verfügung gestellt von der Landessammlung Baden-Württemberg.

Als Fünfjährige begann Papadopoulos bereits mit dem – nein, nicht mit dem Geigenspiel, vielmehr direkt mit dem Violinstudium in Straßburg, studierte 2003 an der Musikhochschule Karlsruhe und schloss 2009 mit dem ersten Preis ab - im vergangenen Jahr erhielt sie ihr Meisterdiplom. Meisterlich wird der Zyklus heute Abend beendet: in der Pfarrkirche St. Andreas in Soest-Ostönnen, einer der letzten stilrein erhaltenen romanischen Dorfkirchen Westfalens. Wer sich hier einen Platz sichern möchte, sollte frühzeitig zur Soester Börde aufbrechen: St. Andreas bietet nur unwesentlich mehr Raum als Bausenhagen.

Silvia Rinke



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