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Das Haus der Millionen Klänge

19.06.2012 | 19:03 Uhr
Das Haus der Millionen Klänge
Kontrastreicher können Baustile kaum sein: Der Neubau im Hof der alten Abtei. Foto: Klaus Micke / WAZ FotoPool

Der Neubau der Musikbibliothek der Folkwang Universität der Künste ist fast fertig gestellt. Bibliotheksleiterin Viola Springer hat mit ihrem Team den nächsten Schritt schon seit Monaten geplant. Jetzt geht es darum, 190 000 Medien, zusammen gestellt aus drei verschiedenen Büchereien, auf 3,6 Regalkilometern sinnvoll zu verteilen. Ende September, hofft Viola Springer, soll die Bibliothek benutzbar sein. Richtig fertig einsortiert und neu katalogisiert sein wird sie aber erst in einigen Jahren.

Leuchten in der Nacht

Der Bau liegt da auf dem Campus am Klemensborn und hat schon als Entwurf die Meinungen gespalten. Die Architekten haben gar nicht erst versucht, gegen die barocke Pracht des Abtei-Ensembles anzuplanen, und statt dessen einen Würfel entworfen, dessen beschichtete Glasfassade Naturstein imitiert und eine doppelte Funktion hat: Sie lässt zwar Licht herein, verhindert aber direkte Sonneneinstrahlung, die weder alten Büchern noch alten Platten ­gut tut.

Im Gegenzug soll das Glas am Abend und in der Nacht den Bau von innen heraus leuchten lassen. „Ausprobiert haben wir das nicht nicht“, sagt Viola Springer und hebt die Stimme gegen das Hämmern des Bohrmeißels, der an der Außentreppe frisst: Noch haben die Handwerker den Bau fest in der Hand.

Doch der zentrale Raum, der große Lesesaal, atmet schon ehrwürdige Stille mitten im Baulärm. Hier strecken sich hölzerne Regalreihen bis zur Gebäudedecke, und die Bibliotheksleiterin strahlt. „Das haben unsere Studenten sich vor allem gewünscht: Einen Ort zum konzentrierten Lernen mit abgeschotteten Kabinen“ - und Multimedia-Arbeitsplätzen. Und vor allem mit Möglichkeiten zur digitalisierten Selbstausleihe abends und an Samstagen über die eigentlichen Öffnungszeiten hinaus.

Für den nächsten Schritt, den Umzug der Bibliothek in die neuen Räume, hat Viola Springers Team bereits ein „Regalbuch“ erstellt: Eine Anleitung zum Einräumen für die Umzugsfirma mit detaillierten Angaben dazu, wie viel Platz sie beim Regal für „Bach“ zusätzlich freihalten müssen. Denn große Teile der Bestände, die die Folkwang Uni aus Bochum und von der Uni Essen bekommen haben, sind noch ausgelagert.

Immerhin: Im Computer sind die Bestände schon zusammen geführt, so dass jeder Student zu jedem Medium finden wird. Wenn auch mit zum Teil nicht mehr nachvollziehbaren Signaturen. „Jede der drei Bibliotheken hat ein anderes System genutzt“, sagt Viola Springer. Diese Signaturen in ein neues System zu sortieren, sagt die Bibliotheksleiterin, „ist eine Aufgabe für die nächsten Jahre“.

Eine weitere große Aufgabe hat das Bibliotheks-Team „erst mal nach hinten geschoben“: die Digitalisierung der Zehntausenden von Tonträger. Viola Springer wünscht sich für ihre Studenten eine zentrale Audio-Datenbank. Technisch machbar. Doch damit wird Folkwang warten müssen, bis sich über den Streitfragen zum Urheberrecht der derzeit tobende Schlachtenlärm gelegt hat.

Kai Süselbeck



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