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"Päpstin" Johanna Wokalek bei Uraufführung in Essener Philharmonie

13.06.2012 | 13:30 Uhr
"Päpstin" Johanna Wokalek bei Uraufführung in Essener Philharmonie
Regisseur Sönke Wortmann und Schauspielerin Johanna Wokalek bei der Premiere von „Die Päpstin“ in der Lichtburg. Jetzt kommt Wokalek nach Essen zur Uraufführung eines Jelinek-Stücks.Foto: WAZ FotoPool

Essen.  Bei der Uraufführung von Elfriede Jelineks Stück „Schatten“ im „Sommernachtstraum“ der Essener Philharmonie spielt „Päpstin“-Darstellerin Johanna Wokalek die Hauptrolle. Dass Literaturnobelpreisträgerin Jelinek für die Philharmonie geschrieben hat, macht Intendant Johannes Bultmann "wahnsinnig glücklich".

Zum zweiten Mal inszeniert die Philharmonie am und im Stadtgarten am Samstag, 23. Juni, ihr neues Veranstaltungsformat „Sommernachtstraum“. Diesmal mit einem Hochkaräter, um den sie die Bühnen in ganz Deutschland beneiden: die Uraufführung von Elfriede Jelineks „Schatten“ mit Johanna Wokalek als Eurydike. Intendant Johannes Bultmann: „Wir sind wahnsinnig glücklich.“

Ist das Werk eine Auftragsproduktion für die Philharmonie? Um Gottes willen, wehrt Bultmann ab: „Einer Literaturnobelpreisträgerin erteilt man doch keinen Auftrag! Man versucht sie für ein Projekt zu erwärmen.“ Genau das ist ihm in einem langen Gespräch in München gelungen. Die Projektidee bestand darin, von der Macht der Musik durch die Sage von Orpheus zu erzählen, dem legendären Sänger, dessen Spiel selbst Götter erweichte, so dass sie ihm erlaubten, seine verunglückte Frau Eurydike aus dem Totenreich zurück zu holen. Der Titel des Themenabends „Blicke nicht zurück“ bezieht sich auf die Auflage der Götter, er dürfe sich bei diesem Gang nicht umsehen.

Das Stück im Zentrum des Sommernachtstraums

Dieser Mythos inspirierte Claudio Monteverdi 1607 zu „L’Orfeo“, das Musikwissenschaftler als erste Oper überhaupt bezeichnen und das in der Philharmonie von Thomas Hengelbrock interpretiert wird, dem Experten für historische Aufführungspraxis. Dazu sollte als zweiter Teil des Abends „ein ganz starker Gegenpol“ her, sagt Bultmann: „Was sagt eigentlich Eurydike zu der Rückholaktion?“

Mit diesem Ansatz reiste Bultmann zur Nobelpreisträgerin und stieß auf offene Ohren: „Sie war von der Idee total begeistert.“ So entstand Elfriede Jelineks Stück „Schatten“, das jetzt im Zentrum des „Sommernachtstraums“ steht. Mit Genugtuung registriert Bultmann die Reaktionen in der Theaterszene, als der Essener Coup im vergangenen Jahr bekannt wurde: „Die großen Theater standen Schlange beim Verlag Rowohlt, um an die Aufführungsrechte zu kommen. Aber so wie wir wird es nie wieder ein Theater machen können.“

Wenn das Wetter mitspielt, gibt es eine zweite Premiere

Für die Rolle der Eurydike in Jelineks Monolog über die Frage, ob die zu Rettende überhaupt wieder heraus will aus dem Reich der Schatten, hat die Philharmonie die Schauspielerin Johanna Wokalek verpflichtet. Ihre Interpretation starker Frauen, etwa der Gudrun Ensslin im „Baader-Meinhof-Komplex“ oder zuletzt als „Die Päpstin“ hat den Intendanten auf sie aufmerksam gemacht. Dass die Schauspielerin mit dem Opernmacher Hengelbrock zusammen ist, versichert Bultmann, „ist wirklich reiner Zufall. Aber ein hübscher: Erst kann sie ihm in unserem Haus bei der Arbeit zusehen und dann er ihr.“

Wenn das Wetter mitspielt, wird es am Schluss des „Sommernachtstraums“ eine weitere Premiere geben. Den Auftritt des Aalto-Balletts hatte Ballettchef Ben van Cauwenbergh beim ersten Abend 2011 in letzter Minute abgesagt, weil die Bühne im Stadtgarten so feucht und glitschig war, dass ein Auftritt die Tänzer in Gefahr gebracht hätte. Diesmal soll der Auftritt unter freiem Himmel aber wirklich stattfinden. Von Liebe und Vergänglichkeit erzählt Patrick Delcroix’ „Cherché, trouvé, perdu“, eine aktuelle Produktion des Balletts und dritter Teil des Themenabends zur Musik des estnischen Komponisten Arvo Pärt.

Wenige Restkarten zu haben

Die zweite Auflage beginnt am Samstag, 23. Juni, ab 18 Uhr in der Philharmonie und endet bei trockenem Wetter auf der Bühne zwischen Aalto und Philharmonie im Stadtgarten. Es gibt noch wenige Restkarten zum Einheitspreis von 19 Euro plus Systemgebühren unter Tel.: 0201/ 81 22-200 und im Internet: www.philharmonie-essen.de.

Kai Süselbeck


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