Das aktuelle Wetter Essen 8°C
Festival

Das Folkwang Physical Theatre Festival startet im Maschinenhaus

03.07.2012 | 16:31 Uhr
Funktionen
Das Folkwang Physical Theatre Festival startet im Maschinenhaus
Koreanisches Maskentheater vom Folkwang-Absolventen Nam-Young Baek: The Story of Sora´s Star. Foto: Thomas Schmidtke

Vom 5. bis 8. Juli zeigen zwölf internationale Gruppen mit unterschiedlichsten Variationen von der klassischen Pantomime bis zum grotesken Maskenspiel, wie Bewegung in den festgefahrenen Theaterbetrieb gebracht werden kann.

Maskentänze, klassische Clownerie, absurde Performances: Die Bandbreite der Bühnensparte, die sich „Physical Theatre“ nennt, ist groß. Dies beweist die erste Ausgabe des Folkwang-Festivals im Maschinenhaus an diesem Wochenende, das dieser Gattung endlich eine adäquate Plattform geben will. Denn in Deutschland fristet das „körperliche Theater“ noch ein Nischendasein.

Für Thomas Stich erfüllt sich mit dem Festival, bei dem vom 5. bis 8. Juli zwölf internationale Gruppen auftreten, nicht nur ein „lang gehegter Traum“. „Es ist auch die logische Weiterentwicklung für die Berufsausbildung in unserer Sparte“, stellt der Leiter des Studiengangs „Physical Theatre“ fest. Denn zwar habe dieser Studiengang bei der Folkwang Universität eine große Tradition, „seit fast 50 Jahren gibt es diese Spielform, wenn auch mit wechselnden Namen“, so Stich. So haben sich Studenten noch bei „Pantomime“ eingeschrieben, bevor sich der Begriff „Physical Theatre“ auch hierzulande etabliert hat. Doch „etabliert“ trifft es nicht so ganz. Denn: „Auch wenn sich das Physical Theatre zum Beispiel in Großbritannien oder Frankreich großer Popularität erfreut, steckt die deutsche Theaterlandschaft da ein wenig fest“.

Damit meint er vor allem die subventionierten städtischen und staatlichen Bühnen, die, so pflichtet Fabian Sattler vom Vorstand des Maschinenhauses bei, zwar sichere Arbeitsabläufe ermöglichen. Jedoch beiße man sich dort schnell an Gewohnheiten und bewährten Strukturen fest. „Freie Häuser reagieren viel schneller auf neue Impulse.“Das Maschinenhaus sei da ein Musterbeispiel: „Wir sehen uns als Produktionshaus der Künste, in dem sich Kreative unmittelbar begegnen und vernetzen können“, betont Sattler.

Das Folkwang Physical Theatre Festival habe deshalb hier einen prädestinierten Spielort gefunden, findet Stich, denn auch diese Speilart stelle eine „Begegnung zwischen den Sparten dar“.

Der gebürtige Koreaner Nam-Young Baek etwa, der selbst 2009 an Folkwang absolvierte, zeigt mit seiner Inszenierung „The Story of Sora’s Star“, die am Freitag, 6. Juli, ab 18 Uhr zu sehen ist, Maskentheater mit traditionellen koreanischen Kostümen und Musik. Das Aachener „Do Theatre“ vermischt anschließend ab 21 Uhr in „Up Side Down“ Pantomime und Akrobatik zu einer grotesken Bilderwelt. Anleihen an den expressionistischen Stummfilm hat das französische Clout Theatre genommen: Ihr „How A Man Crumbled“ ist am Samstag, 7. Juli, ab 18 Uhr zu sehen.

Viele abwechslungsreiche Herangehensweisen stecken also in den Inszenierungen, denen nur noch eins fehlt: Publikum. Als solches bräuchte man nur eine gute Portion Offenheit, ist Sattler überzeugt: „Eine intellektuelle Vorbildung ist nicht notwendig.“

Karten:  83 784 24. Das Programm gibt es im Internet auf: www.physicaltheatre.eu

Gordon K. Strahl

Kommentare
Aus dem Ressort
Heimatgefühle in Bildern – Künstlerin zeigt „Grubengold“
Kunst
Im Oktober eröffnete Rahel Herden ihr Atelier im Südviertel. Für die Ausstellung „Grubengold“ arbeitete sie mit einer Essener Facebook-Fotogruppe...
Haus für Experimente mit „Hintertür für Kultureinsteiger“
Bühne
Das Maschinenhaus der Zeche Carl hat sich als Ort für künstlerische Experimente etabliert. Hier will man Neues wagen und trotzdem noch bürgernah...
In der Aalto-Maske bekommt auch der Amtmann falsche Wimpern
Theater
Ein Abend mit Puder und Pinseln in der Maske des Aalto-Theaters. Auch bei den Herren wird an Kajal und Wimperntusche nicht gespart.
Bühnen-Abenteuer mit Shrimps und Piraten
Theater
Robert Gerloff inszeniert am Schauspiel Essen die „Die lächerliche Finsternis“. Das Lotz-Stück schlägt einen kühnen Bogen von Vietnam bis nach...
Red Dot Design Museum versteigerte Ausstellungsstücke
Auktion
Das Red Dot Design Museum auf Zollverein versteigerte seine eigenen Ausstellungsstücke: 130 Produkte wechselten für einen guten Zweck den Besitzer.
Fotos und Videos
Lichtkunst im Essener Dom
Bildgalerie
"Der Dom leuchtet"
Orchester probt für Manowar-Show
Bildgalerie
Goethe-Schule
Sissi hält Hof im Hugenpoet
Bildgalerie
Musical Elisabeth