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Nach der Kirche ging man zum Brehm

14.05.2012 | 16:04 Uhr
Nach der Kirche ging man zum Brehm
Die Brehminsel zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Essen-Werden. Auf dem Brehm gab es eine riesige Rotbuche, und unter diesem Baum haben Generationen von Werdener Mädchen und Jungen in ihren Kinderwagen geschlafen. Vor dem Sonnenlicht geschützt und an der „guten Luft“. Auch Monika Reich-Püttmann verbrachte dort wohl so manche Stunde. Zumindest hat man es ihr so erzählt.

Viele ihrer Erinnerungen rankten um den kleinen Park. Die stellvertretende Vorsitzende des Bürger- und Heimatvereins Werden ist glühende Brehm-Verehrerin. Schon immer gewesen. Nach der Kirche ging man zum Brehm. Und außerdem an Ostern zum Eiersuchen und besonders im Mai, um Gänseblümchen zu pflücken. Monika Reich-Püttmann: „Dann hat uns meine Großmutter gesagt, wir sollten einen Maialtar bauen. Und dazu bedurfte es immer frischer Blumen. Natürlich haben wir nur die wilden Gänseblümchen genommen.“

Allerdings soll es auch Werdener Kinder gegeben haben, die zum Muttertag einige Osterglocken verschenkten. Und die fanden sie vorher zufällig auf dem Brehm. „Der Brehm war immer ein Park. Nichts war dort zugewachsen, sondern eswar immer gepflegt“, sagt sie. Und an Silvester wurde der Brehm stets abgeschlossen. „Genau eine Stunde lang. Von 23 Uhr bis Mitternacht.“

Viele Brehm-Geschichten kennt auch Werner Katz. Der Werdener ist Karnevalist aus Leidenschaft, fühlt sich der Werdener Mundart verpflichtet - und erinnert sich: „Es muss so um 1933 oder 1934 gewesen sein, als ich mit meinen Eltern und meinem Bruder auf den Brehm ging. Für uns war das ein kleiner Zoo. Denn dort gab es auf der großen Wiese einen Stall für die Heidschnucken. Schafe mit interessant geformten Hörnern. Auch gab es da Perlhühner und Fasanen und Pfauen mit bunten, langen Federn. Und wenn man Glück hatte, schlugen sie damit ein Rad. Damals fragte ich mich, warum die Schafe nicht wegliefen. Heute weiß ich, dass Paarhufer nicht über Gitter laufen. Und der Boden der Brücke zum Brehm war ein Gitter. Die anderen Tiere blieben bestimmt, weil sie gefüttert wurden. Und nur bei Hochwasser wurden sie umquartiert. Die Vögel saßen dann einfach in den Bäumen.“

Werner Katz und seine Frau Hedi wurden selbst Eltern. Und sie setzen die Tradition fort. „In den 1960er und 1970er Jahren gingen wir mit unseren Kindern zum Spiel auf den Brehm. Und noch später, als sie dann schwimmen konnten, gingen wir - verbotenerweise - an der Ruhrseite baden. Um mit fünf Personen mit Sack und Pack mit dem Bötchen zum Seebad zu fahren, war nach einem langen Arbeitstag oft zu anstrengend und auch zu teuer.

Werner Katz und sein Vater waren begeisterte Kaninchenzüchter. Und wieder spielt der Brehm eine entscheidende Rolle: „Ich habe dort mit der Handsichel riesige Mengen Gras geschnitten, in Säcke verpackt und auf dem Fahrrad und manchmal mit dem Handwagen zu unserer kleinen Wiese und zu der des Nachbarn an der Kellerstraße geschafft“, erzählt Werner Katz. Dort wurde das Brehm-Gras getrocknet, mehrmals gewendet und dann auf dem Dachboden der Katzschen Wohnung gelagert und im Winter an die Kaninchen verfüttert. „Das waren immer mehrere Zentner. Und mich nannte man ‘Kaninchen-Vadder’, weil ich einige der Tiere dressiert hatte. Wenn ich ihre Käfige reinigte, setzte ich sie auf die Wiese. Und sie sprangen anschließend von selbst wieder rein.“ Es gab zur Belohnung schließlich Brehm-Gras.

Sabine Moseler-Worm

Kommentare
15.05.2012
07:55
Nach der Kirche ging man zum Brehm
von Seitenblick | #2

Ein schöner Bericht, der die alten Werte und die Einfachheit von Erholung darstellt.
Doch auch hier hat der Wandel der Zeit Einzug genommen....
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Nach der Kirche ging man zum Brehm
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2012-05-14 16:04
Kettwig und Werden