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EM 2012

Ioannis Kokkinidis setzt im Zweifelsfalls auf Zeus

21.06.2012 | 20:30 Uhr
Drücken den Griechen die Daumen: Makis Salvanos, Ioannis Kokkinidis und Paschalis Ntalthanasaras. Foto: Klaus Micke

Essen.   Zwei Herzen schlagen in seiner Brust, doch beim EM-Viertelfinale fiebert Ioannis Kokkinidis mit der griechischen Mannschaft. Die heutige Partie „ist eine schwierige Sache“ für den 35-Jährigen, der von sich selbst sagt, die deutsche Mentalität und das griechische Temperament in sich zu tragen.

Unerschütterlich steht König Otto am Eingang. Fein ziseliert und in schönsten griechischen Marmor gemeißelt lächelt Otto Rehagel den Gästen im Hügoloss entgegen. Zunächst war es nur ein Spruch. Aber als er 2004 tatsächlich die Sensation schaffte und mit der Mannschaft den Europameister-Titel nach Griechenland holte, setzte Ioannis Kokkinidis’ Vater vor seinem Restaurant über dem Baldeneysee dem Essener Trainer kurzerhand ein Denkmal. Ob die Griechen es noch mal schaffen und auf dem Weg ins Finale heute gegen Deutschland gewinnen?

Zwei Herzen in der Brust

„Sensationen wiederholen sich nicht so einfach“, sagt Ioannis Kokkinidis und tätschelt Otto liebevoll den Kopf. Da ist er ganz realistisch. Die heutige Partie „ist eine schwierige Sache“ für den 35-Jährigen, der von sich selbst sagt, die deutsche Mentalität und das griechische Temperament in sich zu tragen. Wenn man mitten in der Bundesrepublik in einer griechischen Familie aufwächst, wird man beinahe zwangsläufig zu einer Art Hybrideuropäer. und dann können die beiden Herzen in der Brust zuweilen bis zum Hals schlagen, wie beim Urlaub in der Heimat. „Dann rege ich mich über die Politik meiner Landsleute auf“, sagt Ioannis Kokkinidis.

Das heutige Spiel aber als Politikum zu sehen, zu dem es viele Medien machen wollten, findet der Gastronom „total überzogen“. Deshalb hält er es ganz diplomatisch und verspricht bei jedem Tor eine Runde Ouzo, „egal, welche Mannschaft trifft“. Bei aller Diplomatie: Seine griechische Mentalität lässt es nicht zu, dass das deutsche Herz heute stärker schlägt: „70 zu 30 für Griechenland“, verteilt Ioannis Kokkinidis so seine Glückwünsche für das Spiel.

Und damit das Chancenverhältnis in Danzig dazu einigermaßen ausgeglichen ist, setzt er gar den Göttervater als Joker ein: „Hinten steht die Verteidigung und vorne hilft Zeus, das Tor zu schießen.“ Mit den Worten deutscher Fußball-Weisen klingt das so: Hinten wird Beton angerührt und vorne hilft der liebe Gott.

„War nur ein Späßchen“

Seine übersinnlichen Beschwörungen untermauert Ioannis Kokkinidis auch gleich mit einer knallharten Statistik: „Seit Santos Trainer ist, hat die Mannschaft nach der 60. Minute kein einziges Tor mehr kassiert“, sagt der Gladbach-Fan, der nach der regulären Spielzeit ein 1:1 voraussagt. Und dann? „Mach ich die Fernseher aus“, sagt Ioannis Kokkinidis und lässt ein spitzbübisches Lächeln folgen. „War nur ein Späßchen.“

Die Trikots der DFB-Elf seit 1954

Die vier Fernseher bleiben selbstverständlich an. Selbst wenn es Elfmeterschießen gibt und der Ouzo womöglich in Strömen fließt. Danach ist es dann höchstwahrscheinlich auch egal, wer gewonnen hat. Doch der Wirt drückt es lieber so aus: „Der Glücklichere soll weiterkommen.“ Ganz diplomatisch eben.

Und wer weiß: Vielleicht bekommt König Otto auf der Terrasse über dem Baldenysee bald Gesellschaft. Ob er sich wohl mit Jogi Löw vertragen wird? War nur ein Späßchen...

Von Philipp Ortmann



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