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Demenz-Betreuung - erlaubt ist, was gefällt

05.03.2012 | 16:00 Uhr
Demenz-Betreuung - erlaubt ist, was gefällt
Im Bild: Inhaberin Nancy Probst und die Besucherinnen Hilde Schoenewald und Irgmard Scheitgen.Foto: Sebastian Konopka

Essen.   In der Tagesbetreuungseinrichtung Unvergesslich in Essen-Steele werden Senioren betreut, die an Demenz leiden.

„Solche Knöpfe hatten wir früher auch“, sagt Irmgard Scheitgen. Stoffbezogene Wäscheknöpfe sortiert die 84-Jährige. Dann flüstert sie mit der Sitznachbarin bis beide kindlich kichern. Für einige Augenblicke sind sie wieder junge Mädchen, die mit der Mutter Wäsche ausbessern.

Es mag dramatisch gewesen sein, als sie langsam mehr und mehr in der Vergangenheit versanken. Im klaren Bewusstsein, da verändert sich etwas im Kopf. Im Laufe der Jahre jedoch hat die Krankheit Alzheimer Oberhand gewonnen. Nun zählt mehr das Gefühl denn rationales Denken. Längst lebt sie bei Tochter Karin Meder und deren Mann. Doch auch die können nicht immer zur Stelle sein. So ging die Suche nach stundenweiser Betreuung los und stieß schnell an Grenzen.

Mutter fühlte sich nicht wohl

„Meine Mutter war in einigen Einrichtungen“, sagt Karin Meder, „doch meist hat sie sich dort nicht wohlgefühlt.“ Senioren-Treffs mit Singkreisen kämen für die alte Dame nicht in Frage, „da will sie nicht hin.“ Doch Karin Meder arbeitet vormittags, ihr berenteter Mann betreute die Schwiegermutter, die man nicht allein lassen kann, an sieben Vormittagen wöchentlich.

Bis Karin Meder auf die betreute Gruppe „Unvergesslich“ stieß. Geleitet wird sie von Nancy Probst und die sagt von sich selbst: „Ich bin eine Querulantin.“ In Altenheimen und bei Pflegediensten arbeitete sie. „Und obwohl ich viele tolle, engagierte Kollegen kennen gelernt habe, gab es keine Einrichtung, in der mir der Umgang mit den alten Menschen gefiel.“ Weil sie nicht mehr Teil eines Pflegesystems sein wollte, in dem wenig Zeit für persönliche Ansprache bleibt, machte sie sich in Steele selbstständig.

Zusätzliche Leistung
Bis zu 200 Euro/Monat

Einen Anspruch auf die Zahlung so genannter „zusätzlicher Betreuungsleistungen“ hat, wer in seiner Alltagskompetenz eingeschränkt ist; dabei ist unerheblich, ob Menschen bereits über eine Pflegestufe verfügen. Der Grundsatz beträgt 100 Euro monatlich, im Bedarfsfall kann dieser aufgestockt werden bis auf 200 Euro. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen prüft den Anspruch binnen einer Woche.

Möbliert hat sie die eigens angemietete Erdgeschosswohnung mit Sesseln aus den 60er Jahren, eine längst vergilbte Ausgabe der Frauenzeitschrift Constanze liegt herum, in der Wohnküche blühen Frühlingsblumen. Das Konzept, das die gelernte Altenpflegerin der Bezirksregierung vorlegte, um mit ihrem Betreuungsdienst die Anerkennung als niederschwelliges Angebot zu bekommen, lässt sich leicht zusammen fassen: Erlaubt ist, was gefällt. „Feste Bestandteile sind nur, dass ich meine Gäste morgens mit dem Auto abhole, dann trinken wir zusammen Kaffee, gehen raus an die frische Luft und essen mittags gemeinsam.“ Einbringen können die Senioren sich dabei, soweit es die Gesundheit zulässt. Kartoffeln schälen, die Suppe abschmecken, „so hat meine Mutter das Gefühl, dass sie gebraucht wird und eine Aufgabe hat. Das gefällt ihr“, sagt Karin Meder.

Kostenzuschuss von der Krankenkasse

Unterstützung hat Nancy Probst von ehrenamtlichen Helfern. In der Regel kämen zwei Senioren auf einen Gesellschafter, „als examinierte Kraft übernehme ich die Gabe von Medikamenten und helfe z.B. beim Toilettengang.“ Ohne Helfer-Stab sei die individuelle Betreuung nicht zu meistern. Manche Senioren kommen an einem Tag wöchentlich, andere an zwei Tagen, „doch ich lege Wert darauf, dass nie mehr als sechs Senioren gleichzeitig da sind.“

Bezuschusst wird die Betreuung mit bis zu 200 Euro monatlich von den gesetzlichen Krankenkassen. Geld aus dem Topf für „zusätzliche Betreuungsleistungen“, auf den auch Patienten ohne Pflegestufe Anspruch haben, um niederschwellige Angebote, die Angehörige entlasten sollen, zu finanzieren, wie Oliver Hartmann, Regionaldirektor der AOK in Essen, betont.

Claudia Pospieszny


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