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Stadt Essen hat Brandschutz-Auflagen fünf Jahre ignoriert

31.12.2012 | 06:00 Uhr
Stadt Essen hat Brandschutz-Auflagen fünf Jahre ignoriert
Am Essener "Haus des Sports" bestehen viele Mängel in Sachen Brandschutz. Eine behelfsmäßige Außentreppe dient jetzt als Fluchtweg für die im Obergeschoss untergebrachte Kita. Ein Weg durchs Hauptbad reichte der Feuerwehr nicht.Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Vor fünf Jahren bescheinigte ein Gutachter dem Essener "Haus des Sports" manngifache Mängel in Sachen Brandschutz. Verbessert wurde offenbar bis heute nichts. Warum sich so lange niemand um die Auflagen scherte, ist derzeit ein Rätsel.

Ob wirklich was anbrennen kann in einem Schwimmbad voller Wasser – diese neckische Frage haben sie sich dann doch verkniffen. Denn selbst mit einer gehörigen Portion Galgenhumor lässt sich nur der Kopf schütteln über den sorglosen Umgang der Stadt mit dem Brandschutz im „Haus des Sports“.

Fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass ein Gutachten der betagten 50er-Jahre-Immobilie an der Steeler Straße mannigfache Mängel bescheinigte, fünf Jahre, in denen nach NRZ-Informationen nichts passierte, obwohl das Haus nicht nur das geräumige Hauptbad beherbergt, sondern auch Trainingsräume für andere Sportler, Büros des Essener Sportbundes und eine Kindertagesstätte.

Brandschau der Feuerwehr förderte Mängel erneut zu Tage

Und obwohl sich so manche Filzstift-Markierung des Gutachters an Türen über all die Jahre lesbar erhielt, fiel erst Mitte Dezember bei einer neuerlichen Brandschau der Feuerwehr auf, dass von den Auflagen keine einzige erfüllt worden war.

Das war dann alles andere als eine schöne vorweihnachtliche Bescherung für die Verantwortlichen, die sich in der Woche vor Heiligabend zur Krisensitzung trafen. Und offenbar binnen zwei Wochen so viel auf die Reihe bekamen, dass am kommenden Mittwoch das neue Jahr im „Haus des Sports“ nicht mit einer zwangsweisen Stilllegung beginnt.

Bad-Standort seit 1882

Seit 1882 gibt es an der Steeler Straße ein Bad, der aktuelle Bau entstand 1958 als stadtweit größte Schwimm-Adresse. Weil der Sanierungsbedarf auf über 16 Millionen Euro geschätzt wird, soll ein Neubau auf dem Thurmfeld Ersatz bieten. Der Landschaftsverband prüft: Denkmal oder nicht?

Immerhin, bis auf weiteres werden Brandwachen nötig sein und ein behelfsmäßiger Notausgang vor der Fassadenfront, bis ein zugemauerter Fluchtweg wieder aufgebrochen und andere Brandschutzauflagen, die etwa die Gefahr einer Verrauchung abwenden sollen, erfüllt sind.

Warum sich fünf Jahre lang niemand um die Auflagen des Brandschutz-Gutachtens scherte, ist derzeit ein Rätsel. Möglich, dass die Beteiligten sich nicht mehr für Um- oder Ausbauten ins Zeug legten, weil schon damals die Debatte um einen Neubau als Ersatz fürs Hauptbad geführt wurde. Und wer investiert schon gerne erkleckliche Summen in eine marode Immobilie, die er am liebsten lieber heute als morgen dem Erdboden gleichmachen will?

Debatte um Denkmalschutz für Essener Hauptbad

Ob es dazu überhaupt kommt, kommen darf, entscheidet sich nicht zuletzt in der Debatte um die Denkmalwürdigkeit des Hauptbades. Und weiteres Zuwarten wird wohl kaum geduldet – schließlich steht das als Hauptbad-Ersatz gedachte Hallenbad am Thurmfeld voraussichtlich erst 2015 zur Verfügung.

Unangenehmen Fragen müssen sich aber nicht nur die Sport- und Bäderbetriebe stellen, die ihre Immobilien selbst bewirtschaften. Im Raum steht auch die Frage, warum die Feuerwehr fünf Jahre lang keinen Grund sah, ihre eigenen Auflagen mal zu kontrollieren.

Wolfgang Kintscher

Kommentare
31.12.2012
20:54
Brandschutz-Auflagen zehn Jahre ignoriert
von nosferatu | #6

Auch im Klinikum Niederberg in Velbert wurde infolge einer Brandschau vor ca.10 Jahren ein Brandschutzkonzept erstellt, dessen Umsetzung 10,5 Mio....
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Stadt Essen hat Brandschutz-Auflagen fünf Jahre ignoriert
Stadt Essen hat Brandschutz-Auflagen fünf Jahre ignoriert
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http://www.derwesten.de/wp/staedte/essen/brandschutz-fuenf-jahre-ignoriert-id7435097.html
2012-12-31 06:00
Essen, Hauptbad, Haus des Sports, Brandschutz, Gutachten
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