Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen serviert Küchenteam ab
01.06.2012 | 12:43 Uhr 2012-06-01T12:43:00+0200
Essen. Mitten im laufenden Betrieb hat die Geschäftsführung des Rüttenscheider Alfried-Krupp-Krankenhauses am Mittwoch ihr 40-köpfiges Küchenteam vom Dienst freigestellt. Es war der Höhepunkt eines jahrelangen Streits zwischen Betriebsrat und Klinikleitung.
„Ich war wie vor den Kopf geschlagen, wütend und fassungslos“, sagt eine Küchen-Mitarbeiterin, die völlig überraschend erfuhr, dass sie nicht mehr gebraucht wird. Betriebsratsvorsitzender Manfred Altenschmidt erklärt: „Um 14 Uhr wurden der Betriebsrat, das Küchenpersonal und die Stationsleitungen vor vollendete Tatsachen gestellt. Noch während die Gespräche liefen, räumte eine Catering-Firma die Küche um und installierte neue Kassen. Danach durften unsere Leute nicht weiter verkaufen.“ Diese Anweisung begründete die Geschäftsführung so: Sie seien mit den neuen Kassen-Systemen nicht vertraut.
Klinik-Geschäftsführer Horst A. Jeschke rechtfertigt das rüde Vorgehen: „Die Kommunikation mit einigen Mitgliedern des Betriebsrates ist zeitweise sehr schwierig.“ Darum habe man die Arbeitnehmervertretung bewusst im Vorfeld nicht ins Boot geholt.
Aus Jeschkes Sicht stellt sich die Lage so dar: Das Krankenhaus suche seit drei Jahren nach einem Ersatz für die veraltete Küche. „Mit 30 Jahren ist die Lebensdauer der Geräte am Ende.“ Darum habe man drei Varianten geprüft: Die Sanierung im laufenden Betrieb, den Neubau einer Küche auf dem Krankenhaus-Gelände und die Vergabe an einen Catering-Betrieb. „Letztlich fiel die Wahl auf die Fremdvergabe an einen Catering-Betrieb“, sagt Jeschke. Und so musterte das Krankenhaus mit den alten Geräten auch gleich das bisherige Personal aus. Diese Entscheidung, werde auch vom Krankenhaus-Gesellschafter, der Krupp-Stiftung, mitgetragen.
Dass Krankenhäuser heute unter erheblichem Konkurrenzdruck stehen und scharf kalkulieren müssen, dürfte niemanden verborgen geblieben sein. Das taugt allerdings nicht im mindesten als Rechtfertigung, für das, was nun am Krupp-Krankenhaus in Rüttenscheid geschehen ist.
Noch während man die Mitarbeiter, die teils seit Jahrzehnten für die Klinik gearbeitet haben, über ihre bevorstehende Entlassung informiert, wird hinter ihrem Rücken bereits die Küche umgebaut. Die Botschaft: Mit Herd und Kühlschrank werden auch sie entsorgt.
Selbst wenn es zuvor ein Zerwürfnis zwischen Klinikleitung und Betriebsratsmitgliedern gegeben haben sollte, ist ein solches Verhalten menschenverachtend und beschädigt den guten Namen des Hauses. Der Verweis, man habe rechtlich korrekt gehandelt, kann darüber nicht hinwegtäuschen. Und das Angebot, den Geschassten bei der Jobsuche zu helfen, klingt nur noch zynisch.
Bereits mit dem heutigen Tage wird das Essen aus einer Duisburger Krankenhaus-Küche anrollen. Nicht mal für die Koordinierung der Anlieferung und die Essensverteilung wird das alte Küchenteam noch gebraucht – das übernehmen Mitarbeiter der Catering-Firma „Kostbar“, die das Krupp-Krankenhaus bereits mit Übernahme des Lutherkrankenhauses in Steele gegründet hatte. Kommissarisch soll das Kostbar-Team nun auch den Cafeteria-Betrieb in Rüttenscheid übernehmen, bis dafür ein Fremdbetreiber gefunden ist. Für Betriebsrat Altenschmidt ein weiterer Beleg, dass die Klinikleitung nur die billigste Lösung sucht: „Die Leute von Kostbar werden nach einem anderen Tarif bezahlt und verdienen weit weniger als das Küchen-Team in Rüttenscheid.“
Doch so sehr sich Betroffene und Betriebsrat über das Vorgehen der Geschäftsleitung ärgern – rütteln lässt sich an der Entscheidung nicht. Das ehemalige Küchen-Team kann ab heute zunächst bei vollen Bezügen zu Hause bleiben. Jeschke skizziert, wie es weitergeht: „Wir werden uns mit dem Betriebsrat zusammen setzen und einen Sozialplan ausarbeiten.“ Einige wenige langjährige Mitarbeiter können hoffen, ihr Gehalt bis zu Rente oder Vorruhestand zu bekommen. Den anderen 30 Kollegen hat die Klinik angeboten, sie bei der Suche nach einem neuen Job zu unterstützen.

10:36
Der eigentlich Verantwortliche ist Herr Beitz! Zitat: "Diese Entscheidung, werde auch vom Krankenhaus-Gesellschafter, der Krupp-Stiftung, mitgetragen."
Vielleicht sollten wir ihm ein weiteres Bundesverdienstkreuz umhängen.
Unser verdienter Lokalchef, Herr S., schreibt auchbestimmt wieder eine Chronik.
10:12
ist doch alles normal in dem krankenhaus
wo doch schon frischoperierte vor 4 jahren ihre betten selber machen mussten
profitgier hoch 10
20:51
Ach, hier wundern sich noch einige !
Hat Ihr schon Nokia vergessen ?
Es war exakt die gleiche "Methode".
...und ist bis Heute noch Gang und Gebe in dem "Unternehmen"
Am Weihnachten wurden Leute freigestellt und gekündigt !
Ja, genau am 23 Dezember 2011 hat die deutsche Personalabteilung die nette Aktion in Ratingen und Bochum gestartet, dabei wurden ca. 100 Leute gefeuert.
langjährige alte Mitarbeiter, schwer behinderte und BR Mitglieder.
Wo war die "freie" Presse ???
19:57
Ist das die neue Philosophie des Hauses? Mitarbeitern hinterrücks die Existenzgrundlage Arbeit zu nehmen? Hier fängt der Wahnsinn im Kampf ums Überleben einzelner Kliniken an, wo hört er auf? In anderen Krankenhäusern werden bereits Ärzte befristet auf Honorarbasis abgerufen, Anästhesie mal eben zwischen Kinder zur Schule fahren und Haushalt. Bisher hob sich das Alfried-Krupp-Krankenhaus in angenehmer Weise hiervon ab.Ich kann meinen Vorkommentatoren nur zustimmen, mit solchen drastischen Einschnitten tut sich das Alfried-Krupp-Krankenhaus keinen Gefallen. Letztendlich bleiben viele auf der Strecke...Mitarbeiter ebenso wie Patienten.
19:52
Sitzen in der Geschäftsführung und im Aufsichtsrat ein paar Pfarrer?
Aus deren, sich christlich nennenden Kliniken, ist der Mensch ja so ein Umgang gewöhnt.
19:45
Das muss man sich mal vorstellen- man geht zu einer Betriebsversammlung und im Anschluß darf man nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurück? Ich kann das garnicht fassen, wie hier mit Menschen umgegangen wird. Allein dafür gehören die Verantwortlichen bestraft. Aber leider geht es ja in unserer Gesellschaft nur um das Geld. Die Küche ist ein Non-Profit-Center und verursacht Kosten, das sollte keine Rechtfertigung für asoziales Verhalten sein. Das hätte man auch deutlich eleganter lösen können. Welche unkreativen, unmenschlichen Profitgeier haben sich das ausgedacht? Schämt Euch!!
18:21
Leute , da folgt noch mehr
die GKVs arbeiten auch an den Arbeitsstellen ! !
ihr glaubt es nur nicht ! liegt euch mal ins KH , da werden euch die Augen auf gehen !
aber schön still schweigen, weiterhin .... " " " " gut so " " " ts ts
18:07
Da hört man ständig vom AbbauTausender, ja Zehtausender Stellen und hört, offensichtlich durch Statistikbereinigung, vom deutschen Jobwunder; wahrscheinlich besteht das darin, daß man zukünftig statt einem Normalarbeitsverhöltnis bis zu vier Ausbeutungsjobs verrichten muß...
17:56
Ja, ich weiß, das klingt alles Sch.... was ich schreibe, aber es muß gesagt werden.
Mit dem Ausspruch „Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein“ meinen die Vorstände: Ja, das Gemeinwohl und nicht das Wohl der Arbeiter/innen. Auch sie haben ihren Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten und tragen. Fragt sich nun: Was ist Gemeinwohl? Da hat Krupp schon immer eine eigene Meinung zu gehabt, die sich fast nie mit der der Arbeiter deckte. So arbeiterfreundlich war Krupp nie. Dabei will ich nicht verhehlen, daß er selbst ein ganz schöner "Selbstschinder" war.
17:51
Die skrupellose Entsorgung des Küchenteams ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg des Alfried-Krupp-Krankenhaus von einer ehemals sozialen Einrichtung hin zu einem durch und durch auf Profit und Gewinnmaximierung getrimmten Unternehmen. Als ich mich vor zwei Jahren auf eine Stelle in der Verwaltung beworben habe und zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, waren meines Gesprächspartner aus der Personalabteilung weder an der Rezeption noch auf der Etage namentlich bekannt. Eine Mitarbeiterin auf dem Gang raunte mir damals zu: "Das Personal hier wechselt in letzter Zeit wie im Taubenschlag!"
Die neuesten Entwicklungen im Krupp-Krankenhaus sind schlecht fürs Image, aber wie sagt schon das Sprichwort: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert." Herzlich willkommen in der schönen neuen Welt, in der die einstige Mittelschicht schleichend und von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkt nach unten durchgereicht wird. Merkel und von der Leyen reden indes weiter vom Jobwunder.