Wie Duisburg nach den Bombenangriffen der Royal Air Force (RAF) aussah
11.05.2012 | 18:05 Uhr 2012-05-11T18:05:00+0200
Duisburg. Diese Fotos der Ruinenstadt Duisburg zeugen von der apokalyptischen Zerstörungskraft, die 1944 binnen zwei Tagen 3500 Menschen und weite Teile Duisburgs vernichtete. DerWesten zeigt Bilder der Zeitzeugenbörse, die ein Flakhelfer nach den Luftangriffen der „Operation Hurricane“ aufnahm.
Wenn die Feuerwerker des Kampfmittelbeseitigungsdienstes nach Duisburg kommen, um einen Blindgänger zu entschärfen, dann holt die Vergangenheit die Stadt ein. Der 21. März und der 18. April 2012 waren solche Tage, an denen Fliegerbomben, die vor fast sechs Jahrzehnten zerstören und töten sollten, plötzlich wieder eine Bedrohung waren. Für die brenzligen Einsätze am Hauptbahnhof wurde die halbe Innenstadt evakuiert. Wie lebendig die Erinnerungen an die Bombardierung sind, zeigte die Live-Berichterstattung auf DerWesten.de während dieser beiden Entschärfungen. Die darin veröffentlichten Fotos des kriegszerstörten Duisburg hatte der Luftkriegs-Historiker Harald Molder der WAZ-Mediengruppe zur Verfügung gestellt. Bei ihm meldeten sich allein am 17. April etwa 40 Zeitzeugen.
Nun dürfen wir erneut 143 Fotos aus Molders Archiv zeigen: erschreckende Zeugnisse der „Duisburger Apokalypse“, Bilder aus der Ruinenstadt an Rhein und Ruhr. Die meisten davon nahm der Duisburger Wilhelm Schnitzler am 14. und 15. Oktober 1944, nach der „Operation Hurricane“, auf. Er war damals als Flakhelfer in der Stadt unterwegs. Die anderen Fotos zeigen das kriegszerstörte Duisburg im Jahr 1945.
Am 14. und 15. Oktober warf die Royal Air Force (RAF) bei drei Angriffen 9000 Tonnen Bomben auf Duisburg ab. Die Geschosse brachten 3500 Menschen um ihr Leben, legten weite Teile der Stadt in Schutt und Asche. Duisburg, Hauptziel der britischen Luftstreitkräfte, wurde auch Opfer seiner westlichen Lage. „Die Stadt mit den Flüssen war aus der Luft sehr gut zu erkennen. Und vor allem unerfahrene Piloten warfen gleich all ihre Bomben hier ab, um nicht weiter landeinwärts fliegen zu müssen“, weiß Molder.
Soldaten der Air Force schickten vor 15 Jahren 3500 Briefe
Der 51-Jährige ist der Luftkriegsexperte der Zeitzeugenbörse Duisburg (ZZB). Den Verein gründete er 2007 gemeinsam mit Eric Zeppenfeld. Heute erforschen 20 Mitglieder die Duisburger Stadtgeschichte, sammeln Dokumente und interviewen Duisburger, vor allem der älteren Generationen.
Schon 1992, zwei Jahre vor dem 50. Jahrestag der Operation Hurricane, begann Molder mit der historischen Aufarbeitung der Luftangriffe auf Duisburg. Mittlerweile kennt er „jede Bombe mit Namen“, wie er sagt. Er studierte die Pläne der Angriffe im Stadtarchiv, wurde nach einem Aufruf im Newsletter der Bomber Command Association 1997 mit 3500 Briefen britischer Soldaten bombardiert. „Und sobald hier ein Blindgänger gefunden wird, versuche ich herauszufinden, bei welchem Angriff die gefallen ist.“ Wenn der Zünder gezogen und die Gefahr gebannt ist, zählt Molder seit 1997 zu den Ersten an der Fundstelle.
Die Zeitzeugenbörse Duisburg (ZZB) ist seit ihrer Gründung heimatlos. Ihr Archiv – drei riesige Aktenschränke voller Dokumente, CDs und Fotos – steht auf dem Dachboden des ZZB-Mitglieds Reinhold Stausberg. Einen Ort, wo die Heimatforscher Zeitzeugen interviewen, übersetzen, sich austauschen können, gibt es nicht. Seit Jahren ist der Verein vergeblich auf der Suche nach geeigneten leer stehenden Räumen, in der die Sammlung auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. „Wir wollen selbstverständlich auch Miete zahlen“, sagt Harald Molder. Kulturdezernent Karl Janssen hat nach einem Gespräch im April versprochen, sich zu kümmern. Molder würde sich aber auch freuen, wenn Leser Räume oder Ideen haben – und sich bei ihm melden (zzb-duisburg@hotmail.com, 0173 448 4805). (pw)
Auch die erneute Veröffentlichung historischer Fotos auf DerWesten.de dient ihm der Geschichtsforschung: Der Reiseverkehrskaufmann aus Ungelsheim erhofft sich als Reaktion neue Zeitzeugenberichte und neues Interesse an der Duisburger Stadtgeschichte. Wer etwas erfahren oder ihm erzählen möchte, kann mailen (zzb-duisburg@hotmail.com) oder anrufen (0173 448 4805).
Buch über Luftangriffe erscheint im Herbst
Was die Heimatforscher über die Luftangriffe seit 1992 herausgefunden haben, können Interessierte ab diesem Herbst erstmals in einem Buch nachlesen. Der Sutton-Verlag will die Forschungen veröffentlichen. Zuletzt hatten der Erfurter Verlag und die Zeitzeugenbörse in Zusammenarbeit die Bücher „Duisburg – alte Gaststätten und Cafés “ und „Duisburg-Großenbaum und -Rahm “ veröffentlicht.

19:06
Ihr habt ja probleme.Die möchte ich auch mal haben.Kann man dem auch was positives abgewinnen? Ja kann ich! Guckt euch mal die schönen Fotos aus Duisburg an.....112 Jahre Stadtgeschichte.Danke
23:06
So wurde also Duisburg "befreit" ?
Na GottSeiDank, vorher gabs nämlich nicht so komfortable Möglichkeiten seinen Senf zu allem dazuzugeben.....
12:55
"Wer Wind sät, wird Sturm ernten!"
12:19
Ein grausames und zugleich vollkommen sinnloses Kriegsverbrechen.
wird Sturm ernten !
Nun, genauso wie die zuvor begangenen Kriegsverbrechen in Polen, Tschechien, Österreich -obwohl, die sind ja freiwillig mitmarschiert- Frankreich, England und Russland.
Nur mal so der Vollständigkeit, damit das nicht vergessen wird....
11:10
Interessanter und begender Artikel - nur was ist ein Flaghelfer? Gemeint sind doch sicherlich Flakhelfer? Gebt den Lektoren eine Chance!
seufz...erst klugsch....und dann was von einem "begender " Artikel schreiben.