Das aktuelle Wetter Duisburg 25°C
Loveparade

Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks

25.07.2012 | 10:14 Uhr
Besonderes Augenmerk lag auf der Rede des neuen Oberbürgermeisters Sören Link (Foto), der die Opfer und Hinterbliebenen um Entschuldigung bat. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Duisburg.  Bei der zentralen Gedenkfeier zum zweiten Jahrestag der Loveparade-Tragödie hat Duisburgs neuer Oberbürgermeister die richtigen Worte gefunden, auf die viele Angehörige, Verletzte und Duisburger lange gewartet haben. Hier finden Sie die komplette Rede des Duisburger Oberbürgermeisters am Stadttheater.

„Sehr geehrte Angehörige der Opfer der Loveparade, sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin, sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren,

heute, am 24. Juli 2012, scheint die Sonne – die gleiche Sonne, die auch vor 2 Jahren auf Duisburg schien. Und doch ist die Sonne für viele verblichen. Die Welt ist nicht mehr die gleiche. Vor allem gilt das für die, die vor zwei Jahren hier in Duisburg einen geliebten Menschen verloren haben. Es erfüllt mich mit Demut, dass sie trotz allen Leids den Weg nach Duisburg finden. So wie heute. Ich begrüße sie in ganz besonderer Verbundenheit und mit dem Ausdruck meines tiefen Respekts.

Ein herzliches Willkommen im Namen der Stadt Duisburg gilt allen Angehörigen, allen Verletzten, allen Opfern der Loveparade und Ihnen allen, meine Damen und Herren, die Sie heute der Loveparade von 2010 und ihrer Opfer gedenken wollen.

Die Loveparade 2010 war eine einzigartige Tragödie. Aber eine zweite Tragödie begann am Tag danach: Eine quälend lange Zeit der Sprachlosigkeit.

Das, meine Damen und Herren, war nicht mein Duisburg. Dafür habe ich mich geschämt. Deshalb sage ich heute als neuer Oberbürgermeister der Stadt Duisburg folgendes:

Liebe Angehörige, liebe Betroffene,

Loveparade
OB Link bittet Loveparade-Opfer von Herzen um Entschuldigung

Am Jahrestag der Loveparade-Katastrophe gedachte Duisburg der 21 Todesopfer. Etwa 2500 Menschen besuchten am Abend die Gedenkfeier. Mehrmals unterbrachen Zuhörer die Rede des neuen OBs Sören Link – mit Beifall. Er entschuldigte sich bei Hinterbliebenen und Verletzten. Die Chronik des Gedenktages.

ich bitte um Entschuldigung für das unfassbare Leid, das in dieser Stadt geschehen ist und für immer mit ihr verbunden sein wird.

Ich bitte um Entschuldigung bei allen, die am 24. Juli 2010 ihr Liebstes verloren haben und denen dieser Tag so tiefes Leid und so große Schmerzen zugefügt hat.

Ich bitte um Entschuldigung für die lange Zeit, in der neues Leid dazu kam, weil die politische Verantwortung nicht übernommen wurde.

Und ich bitte um Entschuldigung dafür, dass es einzelne so lange nicht vermocht haben, auf Sie zuzugehen, und nicht die Kraft fanden, Ihnen gegenüber angemessene Worte der Entschuldigung zu finden.

Liebe Angehörige, liebe Betroffene, ich bitte um Entschuldigung.

(Der Satz wird in Englisch, Spanisch, Niederländisch, Chinesisch und Italienisch wiederholt.)

Meine Damen und Herren, „was bleibt“ fragt diese Gedenkfeier, und richtet den Blick in die Zukunft. Den 24. Juli 2010 werden wir in Duisburg niemals vergessen. Er gehört zu dieser Stadt als einer unserer schwärzesten Tage, wie eine Narbe als Teil unserer Geschichte. Wir Duisburger werden uns immer an diesen Tag erinnern.

Niemand kann ihn ungeschehen machen. Aber ich will mich zu diesem Tag bekennen und die Verantwortung annehmen, die aus ihm erwächst. Ich will aus diesem Tag lernen. Und ich will aus ihm Konsequenzen ziehen.

Dazu gehört, auf einen offenen Dialog zu setzen und Transparenz zu schaffen, wenn große Pläne gemacht werden. Dazu gehört, den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Und nicht falschen Ehrgeiz und zu große Ambitionen.

Und dazu gehört ganz konkret, alles zu tun, um die Aufarbeitung des 24. Juli 2010 zu unterstützen und voranzubringen. Rückhaltlos und transparent. Ich stehe heute hier, um das für meine Stadt zu versprechen.

Zwei Jahre nach der Tragödie

Meine Damen und Herren, ich habe mich dafür stark gemacht, dass hinsichtlich der Größe der Gedenkstätte eine würdige Lösung gefunden wurde. Und nun folgt für mich erst recht, dass auch die Planungen für die inhaltliche und künstlerische Ausgestaltung der Gedenkstätte gemeinsam erarbeitet werden. Die Wünsche und Bedürfnisse der Angehörigen und Betroffenen sind ganz klar die Richtschnur, an der sich alles zu orientieren hat.

Ich bewundere die Kraft, mit der viele von ihnen nach vorn blicken, und möchte ihnen heute ausdrücklich versichern, dass ich an ihrer Seite stehe. So wie unsere Ministerpräsidentin in den letzten beiden Jahren an ihrer Seite gestanden ist. Als Oberbürgermeister dieser Stadt möchte ich den Weg, der vor den Opfern und Hinterbliebenen liegt, mit ihnen gemeinsam gehen.

Ich will für meine Stadt Vertrauen zurückgewinnen. Ich will Gräben zuschütten und allen die Hand reichen, die heute und in Zukunft an den Folgen der Love Parade zu tragen haben.

Dabei will ich auch in besonderer Weise diejenigen würdigen und denjenigen danken, die anderen geholfen, Leben gerettet oder dies zumindest versucht haben. Beispielsweise als Rettungssanitäter oder Seelsorger, bei Polizei, Feuerwehr oder den Hilfsdiensten. Und natürlich all’ diejenigen, die als stille Helden in schwerer Stunde, bei der Katastrophe oder in der Zeit danach, einfach nur Mensch waren.

Ich will und werde dies alles nicht nur tun, weil es zu meinem neuen Amt gehört.

Ich will dies tun, weil es mir ein echtes Herzensanliegen ist und ich heute nur hier stehen kann, weil die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt Verantwortung erst gefordert, dann übernommen und schließlich durchgesetzt haben. Meine Stadt hat damit ein klares Zeichen gesetzt.

Ich möchte heute ein weiteres, ein kleines Zeichen setzen, ein Symbol für einen Neuanfang und für ein neues Miteinander: Gemeinsam mit den Angehörigen wird unsere Stadt Magnolien pflanzen, eine Magnolie für jeden jungen Menschen, der bei der Love Parade sein Leben gelassen hat.

Diese 21 Magnolien, meine Damen und Herren, sollen vor unserem Bahnhof und damit im Herzen unserer Stadt wachsen und blühen. Sie sollen uns einerseits zurückerinnern. Sie sollen uns andererseits auch nach vorne schauen lassen – ein wachsendes, ein blühendes Zeichen der Hoffnung. Um eine erste Magnolie symbolisch zu übergeben, darf ich gleich Frau Siebenlist und Herrn Hagemann vom Verein Loveparade Selbsthilfe nach vorn bitten.

Meine Damen und Herren, was war, können wir nicht ungeschehen machen. Aber wir können daraus lernen. Was ist, soll uns dieser Tag heute ins Bewusstsein rufen. Was wird und was bleibt, das können wir gestalten. Dafür wünsche ich uns Zuversicht, Vertrauen und Kraft. Glückauf!“


Kommentare
27.07.2012
01:18
Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks
von JanundPitt | #9

Äh, "nett". Hätte jeder Medienberater wohl ähnlich getextet...

Bis jetzt fehlen mir aber noch jegliche Anzeichen für den sog. "Neuanfang" in Duisburg. Verbale Absichtserklärungen ersetzen keine Taten. Höchste Zeit für aktive Aufräumarbeiten innerhalb der Stadt- und Verwaltungsspitze und innerhalb der Tochtergesellschaften.

26.07.2012
15:45
Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks
von Werthauser111 | #8

Dieser MöchtegernOB sollte allen danken daß es die LP gegeben hat, sonst hätte er nicht diesen Posten bekommen. Im Land wollte man ihn auch nicht mehr haben. Fuer mich war immer klar daß nach Sauerland wieder ein Genosse OB wurde. Alles scheinheiliges Getuhe.

26.07.2012
13:04
Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks
von Beteiligter | #7

Na...bals darf "der Sören" ja mal Taten folgen lassen!
Wäre toll zu sehen,wie das Bürschchen irgendwelchen Wirtschaftsbossen gegenüber sitzt.....
Naja,er kann ja immer noch das ernten,was Sauerland seinerzeit gepflanzt hat!

25.07.2012
18:22
Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks
von HeinzK1 | #6

... ist als Video im Netz verfügbar.

Siehe - http://www.duisburg.de/news/102010100000391403.php

25.07.2012
15:01
Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks
von rheinruhrbeobachter | #5

Nach 2 Jahren ist es sehr einfach, die Fehler zu nutzen, die OB Sauerland vor und insbesondere nach der Loveparade gemacht hat. Vor dem Ereignis hat niemand aus der Duisburger SPD, mit Ausnahme des damaligen Polizeipräsidenten und SPD Mitglieds Rolf Cebin, warnend seine Hand erhoben. Vielmehr haben zahlreiche führende Duisburger SPD Mitglieder am 24. 07. 2010 gerne auf der - sicheren - Ehrentribüne Platz genommen, was man im Fernsehen beobachten konnte. Auch dies darf heute nicht verschwiegen werden. Die Partei des neuen OB hätte durchaus die Möglichkeit gehabt, rechtzeitig auf die Sicherheit der Veranstaltung Einfluss zu nehmen.
Auch wenn der neue OB heute den richtigen Ton getroffen hat, es hätte gar nicht soweit kommen müssen. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, war die Veranstaltung überhaupt nicht genehmigungsfähig. Und als der Rat im Februar 2010 an einem Samstagmorgen von OB Sauerland zu einer Sondersitzung "zitiert" wurde, haben auch die SPD Ratsherren alles abgenickt.

25.07.2012
14:11
Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks
von saarner | #4

In Szene setzen und Schau machen kann er ja der Sören. Echt herzig wie er und seine Freundin medienwirksam Krokodilstränen vergiessen.

Und jetzt auch noch eine dritte Gedenkstätte aufziehen mit Magnolienbäumchen. Echt mehr als überflüssig!
Macht Duisburg doch komplett zu einer Gedenkstätte, nennt die Stadt um in Loveparade-City und macht nen Freizeitpark für Trauer-Tourismus daraus.

Ehrlich gesagt, sollte man mal endlich die wirklich dringenden Probleme in dieser Stadt anpacken! Und davon gibts ne ganze Menge! Und wirklich wichtigeres als immer wieder Loveparade!

Man

25.07.2012
13:37
Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks
von horstludolf | #3

"Glückauf" ?? Tolles Modewort, egal.

@SuperHarryHirsch:
Selbst wenn Herr S. sich auch so in Szene gesetzt hätte wie Herr L. , hätte man ihm
dieses nicht abgenommen.
Von daher konnte er sich das gleich schenken.

Herr Link sollte erstmal einen Artikulationskurs der VHS besuchen bevor er auf ein Mikrofon
losgelassen wird, schlimm !

25.07.2012
13:35
einfach
von unverstaendnis | #2

Herr Link ist Politiker und er und seine "Ghostwriter" wissen, was man als neuer OB auf dieser Veranstaltung sagen kann.
Als Jemand, der nicht in der Verantwortung steht, weil dessen Amtszeit nach der Katastrophe begann, (und der von einer anderen Partei ist) ist es wirklich sehr einfach so eine Rede zu halten...
Würde die Staatsanwaltschaft gegen mich ermitteln würde ich mich auch mit Äußerungen auf das Notwendigste beschränken (wie es OB Sauerland gemacht hat)...

2 Antworten
Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks
von horstludolf | #2-1

Ganz genau, endlich mal neutral Formuliert auf den Punkt gebracht !!!

Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks
von taosnm | #2-2

Wäre Herr Sauerland ein Mensch gewesen, hätte er ebenso emotional um Entschuldigung bitten können, ohne sich zu belasten. Denn der Tod von 21 jungen Menschen war ein Fakt, unabhängig von irgendwelcher Schuld. Sauerland und seine CDU sind zu schlicht, um diese Zusammenhänge zu überblicken und deshalb übrigens auch ungeeignet, Verantwortung für irgendetwas in der Stadt zu übernehmen.

Der neue OB ist natürlich nicht belastet, aber dennoch eingeengt durch seine Partei, die die LoPa nicht verhinderte und sich nach der Katastrophe alles andere als vorbildlich verhielt. Deshalb sind es zwar nette und tröstliche Worte, doch diesen müssen nun, und zwar unverzüglich, Taten folgen. Link hat nichts zu tun mit dem unsäglichen Gutachten, hat deshalb jede Möglichkeit, das vollumfänglich öffentlich zu machen. Ob er es tun wird, bleibt abzuwarten, ist allerdings unumgänglich, wenn er glaubwürdig werden will.

25.07.2012
10:46
Die Rede von Duisburgs OB Sören Link zum zweiten Jahrestag des Loveparade-Unglücks
von Harry.Hirsch | #1

Siehste Adolf, so einfach wäre es gewesen!

Aus dem Ressort
Taschendiebstahl: Bundesweit liegt Duisburg im Mittelfeld
Kriminalität
Im Gegensatz zum Bundestrend nahm die Zahl der Taschendiebstähle in Duisburg sogar ab. Aber auch im letzten Jahr zählte die Polizei 1121 Delikte. Die Aufklärungsquote ist nur gering, denn häufig sind reisende Banden die Täter.
Preis für Ralph Morgenstern beim Duisburger CSD
Chistopher Street Day
Auf der Bahnhofsplatte wurde ausgelassen gefeiert, es gab aber auch nachdenkliche Töne. Preisträger Ralph Morgenstern : „Seid laut und kämpft für eure Rechte.“
Autofahrerin prallt gegen Mehrfamilienhaus in Duisburg
Unfall
Eine 48-jährige Frau ist in Duisburg in der Nacht zu Sonntag tödlich verunglückt. Sie war mit stark überhöhter Geschwindigkeit im Stadtteil Homberg unterwegs, als sie gegen 2.45 Uhr ungebremst gegen die Kante eines Mehrfamilienhauses prallte. Die Ursache des Unfalls ist bislang ungeklärt.
Vier Festnahmen nach Razzia in Duisburger Gaststätten
Razzia
Nach einer Polizei-Razzia kam es zu vier Festnahmen sowie Strafanzeigen in Duisburg-Marxloh. Rund 53 Personen wurden überprüft. Auch ein Spürhund wurde bei der Razzia am Freitagabend eingesetzt: Neben Betäubungsmittel wurden eine Feinwaage, Verpackungsmaterial und Bargeld sichergestellt.
Nach Verhaftung in Moskau - Duisburger CSD fordert Handeln
Homophobie
Nach der Verhaftung eines 24-jährigen Russen in Moskau fordern die Ausrichter des Duisburger CSD die Stadtspitze im Rathaus zum Handeln auf. Die Stadt solle die aktuelle Situation von Homosexuellen in Russland verurteilen. Die Lage in Russland müsse wieder stärker wahrgenommen werden.
Duisburg und die A59-Sperrung
Fast drei Monate ist die A59 nun schon gesperrt, noch einmal drei Monate werden sehr wahrscheinlich folgen. Wie hat sich die Sperrung der Nord-Süd-Achse auf Sie persönlich ausgewirkt?

Fast drei Monate ist die A59 nun schon gesperrt, noch einmal drei Monate werden sehr wahrscheinlich folgen. Wie hat sich die Sperrung der Nord-Süd-Achse auf Sie persönlich ausgewirkt?

 
Fotos und Videos
Käfertreff am Töppersee
Bildgalerie
Käfertreffen
430 Läufer beim TV Homberg
Bildgalerie
Rheindeichlauf
300 demonstrieren für DJK
Bildgalerie
Vereinsleben
Lacrosse
Bildgalerie
Sportarten