Für Psychologin war Fortuna-Platzsturm „eine lehrbuchhafte Situation“
30.05.2012 | 18:17 Uhr 2012-05-30T18:17:00+0200
Düsseldorf. Eine überhaupt nicht entschuldbare Dummheit von mehreren Hundert Undisziplinierten und Chaoten? Bettina Pause bewertet den Platzsturm der Fortuna-Fans vor Abpfiff des Relegationsspiels gegen Hertha BSC ganz anders. Das sei aus sozialpsychologischer Sicht gar kein Fehlverhalten gewesen, „sondern eine normale menschliche Handlungsweise. Die Situation ist geradezu lehrbuchhaft abgelaufen“, sagt die Professorin der Heinrich-Heine-Uni und spricht von einem „informationalen sozialen Einfluss.“
Ein typischer Effekt
Die 50-Jährige hat mit einem Dutzend Fans, die in der Arena dabei waren, gesprochen, von der schwangeren Frau bis zum Ultra. „Die Anhänger befanden sich in einer Ausnahmesituation, die zudem nicht eindeutig war. Die Nachspielzeit von sieben Minuten war nicht angezeigt. Keiner wusste, ist die Partie zu Ende oder nicht“, erläutert die Expertin für biologische und Sozialpsychologie.
Da habe ein für solche Momente typischer Effekt gegriffen. Wenn man verunsichert ist, orientiert man sich an „Experten“. „Wenn die ersten Fans losstürmen, weil sie einen Pfiff falsch interpretieren, hält man diese unterbewusst für solche Experten und sagt sich, die müssen es wissen, das Spiel ist vorbei“, so Bettina Pause. Deshalb sei es ganz und gar nicht verwunderlich, dass binnen Sekunden Hunderte Anhänger auf den Arena-Rasen stürmten.
Den Nachahmer-Effekt gebe es häufig in zweideutigen und neuen Situationen. „Beim ersten Besuch eines Drei-Sterne-Restaurants oder eines Hörsaals beobachtet man die anderen und verhält sich wie sie, um keinen Fehler zu machen“, sagt die Sozialpsychologin. Oder wenn man in einem fremden Haus ist und ein Feuer bricht aus: „Dann läuft man dem ersten, der wegrennt, hinterher, weil man intuitiv glaubt, er kennt den richtigen Fluchtweg.“
Dass es grundsätzlich verboten ist aufs Spielfeld zu laufen, „darüber müssen Juristen befinden. Für die Fans gilt das als Tradition und Ausdruck der Freude, sie denken dabei nicht an negative Konsequenzen“, betont Pause, die sich selbst als gelegentlicher Hobby-Fußball-Fan ohne Expertenwissen bezeichnet. Um künftig solche Situationen zu vermeiden, könnten „klare, laute Ansagen der Stadionsprecher und eindeutige Informationen auf der Anzeigetafel helfen, halt Signale, die Orientierung bieten“.
Bewusste Straftat
Das Abbrennen und Werfen von Bengalos hält sie für ein Zeitgeistphänomen, Licht und Feuer würden eine gewisse Faszination ausüben. „Wer sich aber daran beteiligt, der begeht ganz bewusst eine geplante Straftat. Schließlich muss die Pyrotechnik im Vorfeld gekauft und ins Stadion geschmuggelt werden. Dahinter steckt wohl, dass man seine Zugehörigkeit zu einer gewissen Gruppe demonstrieren will“, glaubt die Sozialpsychologin.
13:59
immer diese "bilddiedeinemeinung"zeitungskommentare.....
da gab es keine "chaoten" nur freudetrunkene fans die dachten es wäre schluss....
herrgott nochmal das muss doch so langsam beim letzten angekommen sein das diese ganzen "hooliganchaoten überfallen friedliche fussballspieler" schlagzeilen nur der auflage dienten.......
falsch herum, das nein, das waren keine Chaoten dient nur zur Verniedlichung, möglicherweise sogar des eigenen Verhaltens
13:35
Normal ja, aber eben nur für Chaoten, die nicht gelernt haben sich an Regeln zu halten.
13:00
das hab ich schon vor wochen geschrieben "wenn einer rennt rennen alle"... :-)
und dazu muss man studieren? :-)
12:01
Was hat diese "Expertin" eigentlich an neuen Erkenntnissen beizutragen, die man nicht schon durch Empirie und logische Schlussfolgerung erhält?
11:40
Es ist aber auch ganz normal, dass man weiss, dass in einem Stadion das Spielfeld nicht betreten werden darf. Das riecht doch nach der "lehrbuchhaften" Lösung vom Sitzplatzgebot für Stadien und erneutem Aufbau von Sicherheitszäunen. Diese Begründung der Pschologie ist ein Schuss, der nach hinten losgeht.