ZeusAward für Nina Werning, die den Knochenkrebs besiegte
01.07.2012 | 06:05 Uhr 2012-07-01T06:05:00+0200
Dortmund. „Es war ein stürmischer Mittwoch im Februar, als sich mein Leben von Grund auf änderte“: An diesem Tag bekam Nina Werning (14) die Diagnose Knochenkrebs. Für ihren Artikel über ihren Kampf gegen die Krankheit hat die Schülerin nun einen ZeusAward in der Kategorie „Bester Text“ bekommen.
Nina Werning bekämpfte den Krebs - und erhält nun den ZeusAward : Die 14-Jährige erhielt die Diagnose Knochenkrebs. Für ihren Artikel über ihren Kampf gegen die Krankheit hat die Schülerin nun einen ZeusAward in der Kategorie „Bester Text“ bekommen.
„Es ging alles ganz schnell“, erinnert sich Nina. An einem Sonntagabend übte sie mit ihrer kleinen Schwester im Wohnzimmer noch Spagat. „Montag und Dienstag hatte ich plötzlich starke Schmerzen im Oberschenkel“, sagt sie. Dienstagabend war das Bein dann so dick angeschwollen, dass ihre Eltern am nächsten Morgen mit ihr zum Arzt fuhren.
„Der Arzt hat die Stelle kurz abgetastet“, erinnert sich Ninas Mutter Melanie. „Da wusste er sofort, was los ist.“ Er ordnete eine Untersuchung mittels Kernspintomographen an. Es folgten etliche weitere Checks. Man wollte klären, ob der Krebs gestreut hatte. „Das Warten auf die Ergebnisse war schlimm“, sagt Nina. Nach drei Wochen war es klar: Es gab keine Metastasen. Danach wurde die Behandlung festgelegt: Chemotherapie. „Meine beste Freundin hat geweint, als ich ihr erzählt habe, was los ist.“
Die schwerste Zeit ihres Lebens
Für Nina folgte die schwerste Zeit ihres Lebens. Bis zum Sommer bekam sie sechs hoch dosierte Intensiv-Chemos. Danach wurde ihr der Tumor im Oberschenkel entfernt, samt eines Großteils des Knochens. Der wurde durch eine Titanprothese ersetzt. Es folgten noch einmal acht Blöcke Chemotherapie. Die Haare verlor sie direkt zu Beginn der Behandlung. „Ende des Jahres wog Nina nur noch 40 Kilo“, erzählt Melanie Werning. Ihre Eltern schoben sie im Rollstuhl, weil sie keine Kraft zum Laufen hatte. Nina musste sich oft übergeben, bekam Weinkrämpfe und Depressionen . „Zu Weihnachten war ihr Wunsch, dass wir mit der Chemo aufhören“, sagt Mutter Melanie. Mit den Ärzten einigten sich die Eltern darauf, die Dosis zu reduzieren.
Seit Februar ist die Therapie abgeschlossen. Ninas Haare kommen zurück – und ihr Lächeln. „Nicht mehr laufen können, das war echt hart“, sagt sie. „Und weg von meinen Freunden zu sein.“ Sie stellte schnell fest, auf wen sie zählen kann. „Eine Freundin, die ich seit dem Kindergarten kenne, war fast jeden Tag bei mir. Eine andere hat mich in der ganzen Zeit nur einmal im Krankenhaus besucht.“ Die größte Stütze aber war und ist für Nina ihre Familie. Weil ihr die Ärzte einen Katheter gelegt hatten, durfte sie nicht schwimmen. Ihre Eltern bauten kurzerhand im Garten ein Planschbecken auf. Und auch ihre Schwester Isabell (9) stand ihr in all der Zeit zur Seite. „Sie hat sich zu mir ins Bett gelegt und mich getröstet.“
Seit drei Wochen wieder ab und zu in der Schule
Die Abkürzung „Zeus“ steht für „Zeitung und Schule“.
An dem Projekt können Deutschlehrer mit ihren achten Klassen teilnehmen.
Die Schüler bekommen die Zeitung für mehrere Wochen täglich in die Schule geliefert.
Schüler können selbst Texte schreiben. Die Besten werden auf Zeus-Seiten in der Zeitung und im Internet veröffentlicht.
Eine Jury wählt aus allen nominierten Schülertexten einmal pro Jahr die besten aus. Diese Schüler bekommen einen ZeusAward verliehen.
Seit drei Wochen geht Nina ab und zu wieder zur Schule – wenn es die Tagesform erlaubt. Sie besucht an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule die achte Klasse. Um den Anschluss nicht komplett zu verpassen, unterrichteten ihre Deutsch-, Englisch- und Mathelehrer sie zwischendurch zu Hause. „Wir haben das immer spontan per Handy verabredet“, sagt Melanie Werning.
Ihre Deutschlehrerin war es, die Nina fragte, ob sie beim Zeus-Projekt mitmachen möchte. Worüber sie schreiben würde, war schnell klar. „In meinem Leben gab es ja kein anderes Thema“, sagt Nina. Angst davor, dass fremde Leute so etwas Persönliches von ihr lesen, hatte sie nicht. „Ich war stolz, dass mein Text veröffentlicht wurde.“ Nach den Ferien will Nina wieder regelmäßig zur Schule gehen. „Ein bisschen Verständnis, wenn ich nicht mehr kann, wäre schön“, sagt sie, „aber ich will kein Mitleid.“
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