Das aktuelle Wetter Dortmund 4°C
Forschungsprojekt

Wie Keime im Trinkwasser in Dortmund künftig leuchten sollen

14.06.2012 | 17:40 Uhr
Wie Keime im Trinkwasser in Dortmund künftig leuchten sollen
Die Wassergüte sofort feststellen will DEW in einem Forschungsprojekt, bei dem sich Dortmund beteiligt.

Dortmund.   Keime im Wasser sind keine Seltenheit. Gerade in Altenheimen oder öffentlichen Einrichtungen (Rathäuser, Bahnhöfe) werden in Tests häufig hohe Keimbelastungen bestätigt. Die Stadt Dortmund testet nun eine moderne und mobile Form der Wasseruntersuchung. Keime sollen zum Leuchten gebracht werden.

Zeit ist Geld. Deshalb forschen DEW21 und das Institut für Wasserforschung in Schwerte daran, wie schon nach einer Stunde klare Aussagen zur Wassergüte gemacht werden können. Heute landen Wasserproben noch im Labor in Schwerte-Geisecke, wo die Ergebnisse erst nach ein bis zwei Tagen vorliegen.

Molekularbiologie lautet das Zauberwort für die neue Methode. Oder geschmackvoller „Sekt“, nämlich die Spezifische Detektion von einzelnen Keimen in Rein- und Trinkwasser .

„Heute wird jede neue oder nach einem Rohrbruch wieder in Betrieb gehende DEW-Wasserleitung zunächst einer umfangreichen hygienischen Überprüfung unterzogen“, berichtet Technik-Geschäftsführer Dr. Ralf Karpowski zum Hintergrund. So könne garantiert werden, dass die hohe Trinkwasserqualität überall im Versorgungsnetz sicher und zuverlässig eingehalten wird. „Bisher sind dafür Probennahmen und anschließende Untersuchungen im Wasserlabor notwendig, die ein bis zwei Tage dauern“, erläutert Karpowski.

Neue Methoden für mobile Wasseruntersuchungen

Hier setzt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte SEKT-Projekt an, an dem insgesamt sieben Verbundpartner beteiligt sind. Ziel ist es, neue Methoden für mobile Wasseruntersuchungen zu entwickeln und zu prüfen. „Damit könnten wir zukünftig die Dortmunder Wasserqualität direkt am Einsatzort umfassend untersuchen und die Leitungen in kürzester Zeit in Betrieb nehmen – eine Serviceoptimierung für alle Kunden“, so Karpowski.

Hintergrund
Fakten in Kürze

„Aus unserer Sicht kann das 120-Millionen-Euro-Programm zur Ertüchtigung der Wasserwerke an der Ruhr anlaufen.“ Diese Zusage machte am Donnerstag DEW-Technik-Geschäftsführer Dr. Ralf Karpowski.

DEW habe sowohl die finanziellen Mittel als auch die Baupläne für modernste Filteranlagen, die für noch mehr Sicherheit beim Trinkwasser sorgen.

Das Programm war nach dem PFT-Skandal aufgelegt worden, kam dann aber ins Stocken.

Nach Auskunft von DEW muss nun jedes einzelne Wasserwerk einen Bauantrag stellen. Es gebe keine Gesamtlösung mehr. Das Wasserwerk in Echthausen (bei Arnsberg) habe den Antrag inzwischen gestellt. Die weiteren Werke würden folgen.

In dreijähriger Forschung soll ein automatisiertes Sensorsystem entwickelt werden, das transportabel ist, selbstständig Wasserproben nimmt, sie analysiert und detaillierte Messergebnisse liefert. „Damit bauen wir ein einzigartiges System auf“, betont IfW-Geschäftsführerin Ninette Zullei-Seibert. „Gen-Sonden könnten dafür die Lösung bieten“, deutet sie an.

System vielseitig einsetzbar

Auf molekularer Ebene soll jedes Bakterium in einer 100ml-Wasserprobe durch Fluorisierung zum Leuchten gebracht werden. Beim Darm-Bakterium Ecoli setzt Karpowski die Messlatte hoch an: „Die Null muss stehen!“

Das neue System wäre in Dortmund vielseitig einsetzbar. „Neben Rohrnetzuntersuchungen könnten wir damit zum Beispiel auch die 32 DEW21-Trinkwasserbrunnen in den Dortmunder Stadtteilen oder Soda-Tower in allen Bereichen überprüfen“, freut sich Karpowski. Auch über Dortmund hinaus sind weitere Anwendungsmöglichkeiten denkbar - vom Pharmabereich bis zur Luftfahrt.

Gerald Nill


Kommentare
15.06.2012
14:53
Wie Keime im Trinkwasser in Dortmund künftig leuchten sollen
von drengler | #1

Echt toll - die Keime im Wasser leuchten demnächst. Wie wäre es denn, wenn erst gar keine Keime im Wasser wären? Nur mal so am Rande gefragt?

Aus dem Ressort
Hier brennen Dortmunds 36 letzte Osterfeuer
Feiertags-Übersicht
Einst gab es sie in jedem Viertel, jetzt nur noch in manchen Vororten: Osterfeuer sind in Dortmund eine aussterbende Tradition. Dieses Jahr werden nur noch 36 Feuer den Abendhimmel erleuchten - letztes Jahr waren es noch mehr als doppelt so viele. Wir zeigen auf einer Karte, wann und wo sie entfacht...
Polizei sucht diesen mutmaßlichen Messerstecher
Angriff in der Innenstadt
Neue Wendung in den Ermittlungen: Am 9. April (Mittwoch) ist ein 44-jähriger Mann durch Messerstiche am Burgwall verletzt worden. Der damals festgenommene 19-Jährige ist frei gelassen worden - stattdessen sucht die Polizei jetzt mit einem Fahndungsbild den 32-jährigen Ali Indish.
Tödlich verunglückte Dortmunderin wurde durch Handy abgelenkt
Horror-Unfall auf B54
Eine Tote und zwei lebensgefährlich Verletzte - das war die traurige Bilanz des fürchterlichen Unfalls Mitte Februar auf der B54, bei dem eine 21-jährige Dortmunderin ums Leben kam. Ermittlungen der Polizei haben nun ergeben: Offenbar war eine WhatsApp-Nachricht für den Horror-Unfall verantwortlich.
Mann beantragt Asyl mit Drogen in der Tasche
Am Hauptbahnhof
Bei einer Polizeikontrolle am Hauptbahnhof wollte er einen Asylantrag stellen, und wenig später wurde gegen ihn schon ermittelt. Weil ein 30-jähriger Russe 500 Gramm in Opium getränkten Zucker bei sich hatte, sind die Beamten aufmerksam geworden - und nehmen ihn jetzt genau unter die Lupe.
B1-Brücke ist unüberwindbares Hindernis für Senioren
Fehlende Barrierefreiheit
Die B1 schneidet alte Menschen, Behinderte und Mütter mit Kinderwagen vom normalen Leben ab. Die alte Fußgängerbrücke an der Lübkestraße ist für sie nur schwer zu passieren, der Treppenabgang zum Stadtbahn-Halt nicht zu meistern. Die Stadt Dortmund kennt das Problem. Eine schnelle Lösung ist jedoch...
Fotos und Videos
Der Dortmunder Hafen
Bildgalerie
Industrie
Jungs bleiben draußen: Das war die Sporterlebnisnacht für Mädchen
Bildgalerie
Fotostrecke
AWO-Olympiade
Bildgalerie
Fotostrecke