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Urteil

Targo-Bank muss Witwe aus Dortmund wegen Risiko-Anlage entschädigen

15.06.2012 | 06:00 Uhr
Targo-Bank muss Witwe aus Dortmund wegen Risiko-Anlage entschädigen
Eine Witwe aus Dortmund muss von der Targo-Bank entschädigt werden - weil die Bank sie offenbar falsch beraten hatte. Viele Kunden (wie auf dem Foto etwa in Duisburg) beschwerten sich in der Vergangenheit über dubiose Risiko-Anlagen, die die ehemalige Citybank empfohlen hatte.

Dortmund.   Schlappe für die Targo-Bank vor Gericht: Nach einer fehlerhaften Beratung muss die Bank einer Rentnerin aus Dortmund 10.200 Euro Schadensersatz zahlen und zudem bereits vermittelte Zertifikate zurücknehmen. So entschied das Oberlandesgericht Hamm (OLG). Das Urteil könnte laut Anwalt richtungsweisend sein.

Große Erleichterung bei einer Dortmunder Witwe, die in zweiter Instanz doch noch den Kampf David gegen Goliath gewonnen hat. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat entschieden, dass ihr die Targo-Bank 10.200 Euro Schadensersatz zahlen und zudem ein ihr früher vermitteltes „Bonus-Zertifikat“ zurücknehmen muss. Grund dieses gerichtlichen Urteils: Die alte Dame wurde eindeutig falsch beraten.

Im Jahr 2007 suchte die Seniorin nach dem Tod ihres Mannes die damalige City-Bank, heute Targo-Bank, auf. Dort hatte ihr Mann einst das Geld hinterlegt. Bei der Beratung, wie dieses Geld am besten anzulegen sei, wurde ihr dann ein Zertifikat der inzwischen insolventen Investmentbank Lehman Brothers angeboten. „Und zwar ein Bonus Express Zertifikat der Risikoklasse vier“, sagt Rechtsanwältin Andrea Bartholme.

Fernöstliche und amerikanische Aktienfonds

Dazu gehörten unter anderem fernöstliche und amerikanische Aktienfonds. Da es innerhalb dieser Klassifizierung der Bank nur fünf Stufen gab, waren die empfohlenen Papiere demnach als hoch riskant einzuschätzen. Nach dem Motto: Je höher die Rendite, desto schneller weg könnte auch das Geld sein.

Doch gerade jenes Wagnis wollte die alte Dame nicht eingehen, wie eine Rekonstruktion des Beratungsgespräch bei der Targo-Bank ergab. So kreuzte die Kundin damals auf die Frage, ob sie in Geldanlagen nur ungern Risiken eingehe, eindeutig die vorgedruckte Formulierung „stimme voll zu“ an. Der Frage, ob sie gern höhere Renditen erzielen wolle und dazu auch bereit sei, Risiken einzugehen, hat die Frau eher nicht zugestimmt, so ergab die genaue Durchsicht der Papiere, die ihr damals vorgelegt wurden. „Insbesondere unter Berücksichtigung von Risikobereitschaft und Anlageziel der Klägerin hätte ihr die Zeichnung der Bonus Express Zertifikate auf Rohöl nicht anempfohlen werden dürfen“, heißt es dazu im Urteil.

Witwe wollte kein Risiko eingehen

Niemand verliert gern sein Geld. Doch für die alte Dame war es in diesem Fall besonders wichtig, sich nach dem Tod ihres Mannes eine wirklich sichere, grundsolide Anlage zuzulegen. Sie ist keine steinreiche Witwe, sondern bezieht monatlich 1000 Euro Rente. Ihre monatlichen Ausgaben, so ergaben Berechnungen, beliefen sich jedoch auf rund 1500 Euro im Monat. „Sie war also auf die Anlage des Vermögens angewiesen und konnte nicht das Risiko eingehen, etwas zu verlieren“, erklärt Rechtsanwältin Andrea Bartholme. Und ihr Kollege Bernd Andernach ergänzt: „Die monatliche Sicherung wäre dann nicht mehr gegeben gewesen.“

Rechtsanwalt Bernd Andernach freut sich vor allem über diesen juristischen Sieg, weil er richtungsweisend sei. Und anderen Betroffenen Mut mache. „Die Rechtsprechung ist verbraucherfreundlicher geworden. Sie schützt insbesondere Personen, die auf Anlagen angewiesen sind.“

Kathrin Melliwa



Kommentare
17.06.2012
17:54
Targo-Bank muss Witwe aus Dortmund wegen Risiko-Anlage entschädigen
von An_Wohner | #5

Die Bank heisst TARGOBANK, nicht Targo-Bank. Sie hiess nie City Bank, sondern CITIBANK. Das vorweg, schon ein Indikator für die Qualität dieses "Artikels".

@3: Man muss ein bisschen über den vorgesetzten Presseteller hinausschauen. Lehman Brothers hatte am Tag vor der Pleite noch ein einwandfreies quasi risikoloses Rating von den großen Agenturen. Als US-Unternehmen hat die damalige CITIBANK entsprechend viel mit diesen Zertifikaten gehandelt, daher gibt es dort besonders viele betroffene Kunden. Jetzt sieht eben jeder die Chance wieder an sein Geld zu kommen, auch wenn es eigene Schuld/Gier war. Dabei tauchen in der Presse lediglich die Einzelfälle auf, bei denen den Personen rechtgegeben wird, weil sie tatsächlich falsch beraten wurden (beispielsweise, weil die entsprechenden Personen bei ihren Verkaufszahlen herausragen wollte). Das kommt vor, wie in jeder Branche. Die Hunderte von gegenteiligen Urteilen finden dagegen nirgends Erwähnung.

15.06.2012
16:22
Targo-Bank muss Witwe aus Dortmund wegen Risiko-Anlage entschädigen
von akaz | #4

Da hat sich die Targo-Bank aber selbst ins Bein geschossen. Die eigenen Unterlagen nicht kennen, aber den Prozess durchstehen wollen.
Andere Banken bieten vorher schnell einen Vergleich an, um ja nicht verurteilt zu werden.
Resümee: Die Bank berät nicht nur die Kunden falsch, sie berät sich selbst sogar noch falsch. Besser kann doch die Einstellung nicht offengelegt werden.

15.06.2012
15:17
Targo-Bank muss Witwe aus Dortmund wegen Risiko-Anlage entschädigen
von Pit01 | #3

Diese Bank schafft es offensichtlich immer wieder negativ in die Schlagzeilen zu kommen.
Was hilft es denn, den Namen zu wechseln, wenn die Mannschaft immer die Gleiche bleibt?

15.06.2012
12:54
Targo-Bank muss Witwe aus Dortmund wegen Risiko-Anlage entschädigen
von Oemes | #2

Die damalige City Bank (KKB) ist und wenn ich das jetzt hier schreiben würde,würde ich wohl auf Lebzeiten gelöscht.Ich freu mich für die Frau...

15.06.2012
12:30
Targo-Bank muss Witwe aus Dortmund wegen Risiko-Anlage entschädigen
von meinemeinungdazu | #1

Endlich ein mutiges aber wohl gerechtes Urteil, das richtungweisend sein dürfte. Hunderttausende Bürger wurden von den Banken betrogen, um nur den eigenen Vorteil zu sichern. Ehrlichkeit, Kundennähe, Servicefreundlichkeit werden wohl die neuen Überlebenschancen für die Banken sein. Zunächst einmal misstraut der Bürger wohl jeder Bank.

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