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Gentrifizierung

Verlierer treffen auf Gewinner

06.12.2012 | 17:10 Uhr
Verlierer treffen auf Gewinner
Alt und neu, arm und reich beieinander. Am See entstanden Villen. Die Gebäude dahinter wirken wie vor 30 Jahren.

Hörde.   Wie wirkt sich der Quartiersumbruch am Phoenix-See auf sozial Schwächere aus? Eine Podiumsdiskussion suchte Antworten.

„Die Diskussion kommt vier Jahre zu spät. Am Phoenix-See wollte nur der Kapitalismus Rendite machen“, meinte ein frustrierter Besucher der Veranstaltung „Schattenseiten einer Stadtteilaufwertung - Gentrifizierung am Phoenix-See“. Sie fand nicht im Löwenhof, dem Sitz der VHS in der City statt, sondern „in der Höhle des Löwen“, wie schmunzelnd VHS-Direktor Heinz Bünger als Gesprächsleiter im voll besetzten Hörder Stiftsforum meinte.

Prominent besetzte Runde

Die Runde war mit Prof. Dr. Dr. Martina Oldengott (Emschergenossenschaft), Prof. Dr. Christoph Zöpel (u.a. ehemaliger NRW-Minister für Stadtentwicklung), Prof. Dr. Susanne Frank (TU Dortmund), Johann Dieckmann (ehemaliger Stadtbaurat in Hagen), Rainer Stücker (Geschäftsführer Mieterverein), Prof. Wolfgang Richter (ehemaliges Dortmunder Ratsmitglied) und Ulrich Spangenberg (Leiter Bezirksverwaltung Hörde) prominent besetzt. Anlass waren die fotografischen Impulse, die der Fotograf und Stadtplaner Jürgen Evert dazu gegeben hat. Der Lüner hat die Entwicklung des Phoenix-Sees in Bildern festgehalten und sich bei seinen Rundgängen zwischen Schürufer-, Weingarten-, Hermann- und Fassstraße gefragt: Wo sind diejenigen geblieben, deren Namen einst auf den Klingelschildern standen?

INFO
Umstrukturierung von Wohnquartieren

Der Begriff Gentrifizierung beschreibt den Vorgang der Umstrukturierung innerstädtischer Wohnquartiere, was oft mit Mietpreiserhöhungen und Eigentümerwechseln verbunden ist.

Die Fotoausstellung „Schattenseiten einer Stadtteilaufwertung - Gentrifizierung am Phoenix-See?“

mit Fotos von Jürgen Evert ist noch bis zum 11. Januar im Forum der VHS an der Hansastraße zu sehen.

Von 2010 an begleitete der Lüner Stadtplaner und Fotograf die Entstehung des Sees: „Zunächst habe ich mich über die schöne, neue Weite gefreut.“

Harsche Kritik am Phoenix-See und seinem Umfeld gab es in der Diskussion indes nicht. Ein Besucher wollte wissen, wie viele Bewohner im Umfeld des Sees verdrängt worden sein sollen erkundigte sich, ob es Studien darüber gebe. Johann Dieckmann sieht künftig „neue Menschen mit anderen sozialen Schichten“ nach Hörde kommen und riet dazu, „diese Chance zu nutzen“. Für Christoph Zöpel bietet das Ruhrgebiet nach Wegfall der Montanindustrie „viel Platz zum schönen Wohnen“.

Bei der künftigen Stadtplanung, so empfahl Rainer Stücker, solle der soziale Schutz für Mieter berücksichtigt werden. In Hörde habe es schon eine „kalte Verdrängung der Mieter“ gegeben, aber in einem sehr langsamen Tempo. Jürgen Evert sieht den See positiv und Hörde als einen „ausgesprochen attraktiven Stadtteil“, rechnet aber nach und nach mit einer weiteren Verdrängung der Mieter. Für Susanne Frank sind durch das Projekt Gewinner und Verlierer des Strukturwandels aufeinander getroffen - mit einem „direkten Nebeneinander von Privilegierten und Armen“.

„Städte wurden zerstört“

„Der Wegfall der großflächige Montanindustrie hat die Städte im Ruhrgebiet zerstört“, davon ist Christoph Zöpel überzeugt. Ulrich Spangenberg findet, es müssten Mittel und Wege gesucht werden, damit sozial Schwache nicht abwandern. Denn eine „Durchmischung in Hörde“ könne auf Sicht zu einem „positiven Miteinander“ im Stadtteil führen.

Joachim vom Brocke



Kommentare
11.12.2012
16:48
Verlierer treffen auf Gewinner
von profrawido | #4

Leider fehlt in der Berichterstattung völlig die Thematik Sozialplanung, zu deren "Nachholung" alle Podiumsteilnehmer die Stadt bzw. die Entwicklungsgesellschaft nachdrücklich aufgefordert haben. Die gesetzlich geregelte Sozialplanung soll die negativen Auswirkungen auf die Betroffenen vermeiden oder mindern, z.B. durch den Bau von Sozialwohnungen am Standort oder in seiner Nähe.

10.12.2012
10:40
Verlierer treffen auf Gewinner
von CZoepel | #3

Ihr Bericht enthält mit Bezug auf meine Ausführungen ein schwer begreifliches Missverständnis. Die Zerstörung der Städte im Ruhrgebiet ist durch die großflächige Montanaindustrie seit dem 19. Jahrhundert entstanden. Das Ende der Montannindustrie gab der Agglomeration Ruhr mit 150 Jahren Verspätung die Chance, wieder städtische Strukturen zu entwickeln. Dies geschieht auch am Phönixsee.
Was ich gesagt habe, ist also das Gegenteil dessen, was Sie geschrieben haben.

06.12.2012
22:40
Verlierer treffen auf Gewinner
von xxyz | #2

Der Phoenix See ist für Dortmund eine große Chance. Die Schrott-Immobilien werden aufgewertet. Statt eines Slums gibt es eine schöne Umgebung und Menschen, die arbeiten und die Geld haben siedeln sich an.

Schade ist, dass sich die arme Bevölkerung immer mehr im Norden sammelt. Die ärmste Bevölkerung konzentriert sich in der Nordstadt. Wer kann, zieht in die Gegenden, wo er seine Schicht findet. Bildungsorientierte Eltern werden ihre Kinder sowieso in die Schulen stecken, wo sie eine bestmögliche Behandlung bekommen.

Wann wird endlich etwas für die Nordstadt getan. Die Region am Hafen und Fredenbaum ein gutes Potenzial.

06.12.2012
22:12
Verlierer treffen auf Gewinner
von roter-flitzer | #1

hörde war und bleibt eine arbeiterstadt. man die geschichte von hörde nicht umdrehen.
es wird sich eines tages alles rächen, die an dem see - ansiedeln gehen bestimmt nicht
in hörde , ihr geld ausgeben.
die hörder die noch nicht weggezogen sind , werden es erleben.

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