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Der „Himmelspfad“ über Hörde

10.08.2012 | 07:00 Uhr
Der „Himmelspfad“ über Hörde

Hörde.   Hoch über den Dächern von Hörde verläuft der “Skywalk“ , der Himmelpfad über das Gelände Phoenix-West. Auf Einladung der Stadtteil-Zeitung konnten Leser im Rahmen unserer Aktion „Abenteuer Ferien“ auf den Spuren der Industrie-Vergangenheit wandeln und weit in die Zukunft schauen.

„Dahinten war unsere Waschkaue“, erzählt Martin Rauch und zeigt auf ein kleines, eher unscheinbares Restgebäude in der Ferne. Für ihn selbst wurden viele Erinnerungen wach. An damals, als auf Phoenix-West noch gut 6000 Leute rund um die Hochöfen gearbeitet haben.

Der rüstige und fitte 87-jährige Dortmunder gehörte zu den 20 Leserinnen und Leser, die an der Aktion Abenteuer Ferien der Stadtteil-Zeitung teilnahmen. Für sie alle gab es eine exklusive Führung mit Franz Große-Kreul und Stephan Bisewski vom Landesunternehmen NRW Urban auf dem Skywalk, dem „Himmelspfad“, über dem ehemaligen Stahlwerk.

Von November 1956 bis Juli 1963 hat Rauch auf Phoenix-West in der Kokerei gearbeitet, später, bis zur Rente, auf Phoenix-Ost. Dieser Rundgang war wirklich sehr interessant, freute sich Rauch über das Wiedersehen mit einem Teil seines ehemaligen Arbeitsplatzes: „Früher kam man ja überhaupt nicht in die Nähe der Hochöfen. Da war es viel zu heiß“.

99 gut begehbare Stufen

Zunächst war für das Besucherteam Klettern angesagt: 99 gut begehbare Stufen, um auf den Skywalk in 22 Meter Höhe zu gelangen. Die vornehmlich älteren Teilnehmer der Aktion Abenteuer Ferien der Stadtteil-Zeitung schafften den Aufstieg ganz schön fix. Bei schönstem Wetter genossen sie den einmaligen Rundblick über die Stadt: auf den eingerüsteten Hörder Kirchturm, den immer noch weitgehend leeren Büroturm an der B 1, das Signal-Iduna-Stadion und natürlich den Florian. Stephan Bisewski informierte über die Neubauten auf dem ehemaligen riesigen Hüttenareal. Erläuterte das Oberflächenwasser-Management, das offen über das Gelände geführt werde, hinter dem Westfalenpark erneut in Rückhaltebecken fließt und später sauber die renaturierte Emscher erreicht.

Vorbei ging’s an den Höhenrettern der Feuerwehr, die jeweils mittwochs hier Übungen durchführen. „Auch wenn ich nicht ganz schwindelfrei bin, wollte ich doch gerne mal über den Skywalk gehen“, meint Monika Knobloch, die „ganz beeindruckt“ von den früheren Ingenieurleistungen war.

„Das sieht alles ziemlich rostig aus“, stellte zuvor eine Teilnehmerin fest. „Stimmt“, bestätigt dies Stephan Bisewski, „doch der Stahl ist 15 bis 18 mm dick. Er rostet zwar äußerlich, verwittert aber nicht“.

Weitere Treppenstufen mussten überwunden werden. Dann gelangten die Besucher vorbei am Erzbunker in die eigentliche Hochofenanlage, die über eigene Gleisanschlüsse verfügte. Auf denen wurde Erz angefahren und der spätere glühende Stahl mit dem „feurigen Elias“, der Werksbahn, zur Weiterverarbeitung abgefahren. Vorbei am Mölleraufzug wurde sogar das Innere eines Hochofens begutachtet. Ein historischer Rundgang durch 150 Jahre Groß- und Schwerindustrie.

Ein Berliner in Dortmunds Höhen

„Das war wirklich sehr interessant, aber vielleicht etwas zu kurz“, meint Senior Aribert Plorin, ein waschechter Berliner, der Mitte der 1970er Jahre nach Dortmund kam und gerne mehr über die Geschichte seiner „neuen“ Heimat erfahren möchte.

Doch was geschieht mit dem eingeschriebenen Industriedenkmal? Stephan Bisewski erläutert, dass der stählerne Steg, der mit Landes- und Bundesmitteln finanziert werde, in etwa vier Wochen fertig sein soll. Die Hochofenanlage selbst dann voraussichtlich im Januar europaweit ausgeschrieben für Freizeit- und Kultureinrichtungen. Gesucht wird ein Bewerber mit den einfallsreichsten Ideen: „Viele Möglichkeiten bieten sich hier“, sinniert Bisewski, „warten wir es mal ab“. Ernsthafte Anfragen von Interessenten habe es bereits gegeben. Phoenix-West als möglicher neuer Touristenmagnet für Dortmund? „Wer weiß . . .“, grinst Bisewski.

„Der Rundgang hat uns ganz wunderbar gefallen“, freuten sich Jürgen (83) und Iris Brandes später auf dem Parkplatz über das Erlebte: „Das haben wir uns so nicht vorgestellt“, zeigten sich die Dortmunder noch sichtlich beeindruckt.

Von Joachim vom Brocke


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