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Debatte um Alkohol in Asseln schlägt voll an

27.07.2012 | 06:00 Uhr
Debatte um Alkohol in Asseln schlägt voll an
Schwammige Lösungsansätze: Der nächtliche Ärger um alkoholisierte Heranwachsende am Asselner Hellweg führte nun viele Anwohner zu einer Diskussionsrunde in die Bücherei.Foto: ddp

Asseln.   Die Alkoholexzesse junger Menschen an manchen Wochenenden beschäftigen die Anwohner am Asselner Hellweg auch mitten in der Woche. Etwa 50 Bürger und einige Politiker kamen zu einer Diskussionsveranstaltung. Sie fordern ein härteres Durchgreifen, die Politik hat kein Rezept.

Die Alkoholexzesse junger Menschen an manchen Wochenenden beschäftigen die Anwohner am Asselner Hellweg auch mitten in der Woche. Etwa 50 Bürger und einige Politiker kamen auf Einladung von Pfarrer Ulf Schlüter am Mittwochabend in der ev.-lutherischen Bücherei zusammen, um die jüngsten Entwicklungen zu diskutieren. Teils aufgebracht, doch meist sachlich sei der Gedankenaustausch nach der Eskalation am 6./7. Juli verlaufen, so Schlüter.

Bei der Aufzählung der Ärgernisse stellten die Anwohner vom Hellweg, Grünings- und Elisabeth-Wilmsweg viele Gemeinsamkeiten fest: Ruhestörung , Vermüllung, zerbrochene Flaschen, Exkremente an Häuserwänden und ähnliches. Eine Anwohnerin schilderte, dass sie ihre Kinder Umwege in Kauf nehmen lasse, damit diese den pöbelnden Betrunkenen aus dem Weg gehen. „Gefühlt wird das von Jahr zu Jahr schlimmer. Und die randalierenden Jugendlichen , die nicht nur aus Asseln hier hin kommen werden immer jünger.“ Es seien zwar Ordnungshüter vor Ort, doch „tun die noch zu wenig. Und abends sieht man sie auch eher selten.“

Schlüter wiederum, der die Debatte protokolliert hat und online auf der Kirchenseite veröffentlichen will, sieht drei Aspekte, um die sich die Anwohnerschaft kümmern soll: Die systematische Dokumentation der Ereignisse etwa diene besserer Argumentation gegenüber offiziellen Stellen. Auch die Polizei hatte im Vorfeld gesagt: „Bei Belästigungen muss man die 110 wählen.“

Strengere Strafen

Zweitens sieht der Pfarrer zwar die eingeschränkten Möglichkeiten von Ordnungsamt und Polizei („die Rechtslage setzt denen Grenzen“) ein, doch müssten klare Ordnungswidrigkeiten strenger geahndet werden. Heißt: Auf Schulhöfen und Kinderspielplätzen sind Alkohol und andere Drogen verboten, was Schilder ebenso signalisieren wie das Immissionsschutzgesetz Lärmbelästigungen regelt. „Bei Verstößen dagegen reichen Platzverweise nicht aus, die Betrunkenen kommen dann eine Stunde später wieder. Also muss es auch mal eine Ordnungsstrafe setzen oder angezeigt werden“, so Schlüter.

Drittens verweist er auf das Verwaltungsgericht Köln, das ein Alkohol-Verkaufsverbot zu nächtlicher Stunde durchgesetzt habe. „Insofern müsste man mal darüber nachdenken, ob die Trinkhalle am Hellweg gegenüber der Kirche wirklich bis 2 Uhr nachts Hochprozentiges ausgeben darf.“ Der Pfarrer will generell etwas in Gang setzen, „damit man uns Anwohnern keine Tatenlosigkeit vorwerfen kann.“ Zwar seien die Mittel begrenzt, doch müssten „alle die Anstrengungen erhöhen“, meint Schlüter.

Großes Sortiment an Hochprozentigem

Zwei Politiker räumten tags darauf mit großem Verständnis für die Anwohnersorgen ein, keine Patentlösungen parat zu haben. Friedhelm Sohn, in „normalen“ politischen Zeiten Vorsitzender im Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie, hält wie SPD-Kollegin Brigitte Thiel („Das Sicherheitsempfinden müssen wir ernst nehmen.“) Maßnahmen in Bezug auf die Trinkhalle für überlegenswert. „Das könnte man mal exemplarisch versuchen. Wobei Kontrollen in anderen Stadtteilen zeigten, dass Kioskbesitzer Alkohol meist wirklich nur an Berechtigte verkaufen“, sagt Sohn mit dem Hinweis, dass in diesem Fall Jugendschutzrechte gegenüber erlaubtem Gewerbetreiben zu prüfen wäre. Thiel hingegen war erstaunt, „was für ein Sortiment an Hochprozentigem die Trinkhalle am Asselner Hellweg hat und was dort über die Ladentheke geht“.

Für Sohn stellt sich die Frage nach Alternativen und zusätzlichen Angeboten an anderen Treffpunkten. „Wenn wir andernorts die Öffnungszeiten in Jugendfreizeitstätten verlängern, hilft das auch nicht. Über die neuen Medien verständigen sich die jungen Leute doch so, dass viele zügig zu einer spontanen Party kommen können.“ Auch geschultes Personal erreiche die Jugendlichen - je nach Alkoholpegel - dann nicht mehr.

Sohn will generell den Dialog mit den Heranwachsenden („nicht alle über einen Kamm scheren“) suchen, wohl wissend, dass dies nur bedingt erfolgsversprechend ist. „Man kann ihnen noch so viele Angebote machen, eine bestimmte Gruppe interessiert das nicht“, pflichtet ihm Thiel bei.

„Es muss jetzt was passieren!“

Für Sohn sind die Anstrengungen von Polizei und Ordnungsamt, in den Außenbezirken verstärkt Präsenz zu zeigen, nicht gescheitert: „Wir müssen das aber weiter verfolgen, sonst wächst das Unbehagen weiter an.“ Was eine Anwohnerin nur unterstreichen kann: „Es ist wichtig, dass jetzt was passiert!“

Steffen Gerber



Kommentare
29.07.2012
18:50
Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht....
von Kowalsky | #4

Dies steht in einem Buch, an dem sich Herr Schlüter mal wieder erinnern sollte. Es gab mal Pfarrer, die auf die Menschen, egal welchen Alters zugingen, ihnen zuhörten, um zu verstehen und wirklich zu helfen. Heute ist es einfach, nach Verboten zu rufen, nach härteren Strafen zu verlangen, weil man den eigenen Auftrag, den Dienst am Menschen vergessen hat.

3 Antworten
Debatte um Alkohol in Asseln schlägt voll an
von Hagrid | #4-1

Na, dann kommen Sie mal vorbei und schauen sich die "Kindlein" an ...

Und mit Ihren Ermahnungen sind Sie bei diesem Pfarrer aber mal sowas von an der falschen Adresse ...

Debatte um Alkohol in Asseln schlägt voll an
von Kowalsky | #4-2

@Hagrid, nun ich kenne das Problem und mit Verboten und härteren Strafen kommt man da nicht weiter. Zudem ich nicht ermahne, sondern nur an den diakonischen Auftrag erinnern möchte.

Debatte um Alkohol in Asseln schlägt voll an
von Hagrid | #4-3

Auch mit dem diakonischen Auftrag rennen Sie bei diesem Pfarrer nur offene Türen ein.

27.07.2012
11:56
Sommerlochthema?
von WhitestarDTM | #3

Am Phoenixsee sitzen auch sehr viele junge Menschen und genießen in der Dämmerung alkoholische Getränke und rauchen das ein oder andere, was ich als Jogger immer eindeutig rieche, wenn ich durch die Grüppchen laufe. Dort ist es naturgemäß etwas lauter, aber am anderen Seeufer (Nordseite) hört man gar nichts davon.

Vielleicht ist hier mal Toleranz gefragt. Haben wir nicht damals alle mal (außer Sichtweite der Eltern) das erste Bier gekostet, den ersten Kuss gehabt oder heimlich geraucht? – Und es sind ja in diesem Sommer sicher noch nicht viele Tage an denen man sich draußen aufhalten konnte.

Am See habe ich noch nie viel Müll rum liegen sehen, aber ein paar Glasscherben währen dort sicher gar nicht so schlecht, damit die Hundebesitzer Ihre Köter nicht überall hinkacken lassen ….

1 Antwort
Debatte um Alkohol in Asseln schlägt voll an
von vaikl2 | #3-1

"Haben wir nicht damals alle mal...?" - Aba sicha dat. Nur: Jetzte sind *wir* diejenigen, die die Regeln bestimmen und deren Einhaltung vorantreiben. Muss ja auch mal gestattet sein im Leben;-)

27.07.2012
09:41
Debatte um Alkohol in Asseln schlägt voll an
von Ratsmitglied | #2

Der Alkohol ist doch nur ein Symptom für das zusammenbrechende Sozialgefüge in Dortmund. Jugendliche saufen sich die Hucke voll, animiert durch die Beispiele Erwachsener die das gleiche tun. Die Erwachsenen haben nur mehr finanzielle Mittel, um das in Kneipen oder Vereinsheimen aber auch an Trinkhallen tun zu können. Die Kiddies nehmen das aber trotzdem wahr und machen es nach.

Letztlich brauchen die jungen Leute eine Perspektive. Eine ordentliche Schulausbildung, Ausbildungsplätze und eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt. Solange Dortmund Schlusslicht beim Armutsrisiko ist und beim pro Kopf Einkommen immer weiter abfällt, werden auch die sozialen Probleme immer größer.

27.07.2012
08:16
Debatte um Alkohol in Asseln schlägt voll an
von xxyz | #1

Wir fordern für unsere kleinen Kinder eine Ausbildung der Erzieher von 3 Jahren und trauen bspw. Frauen, die oft auch Kinder erzogen haben, den Job nicht zu. In der Erziehung muss Qualität vorhanden sein.

Jetzt trinken mehrere Jugendliche regelmäßig auf Schulgeländen und benehmen sich nicht nach den Regeln und schon strecken Politik, Ordnungsbehörden und Stadt alle Viere von sich? Wofür leisten wir uns die Ausbildung, wenn selbst solche Standardprobleme, die es seit Jahren gibt, nicht gelöst werden?

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