Das aktuelle Wetter Dortmund 5°C
PCB-Skandal

Envio und Neupert waren früh im Gift-Handel aktiv

29.09.2010 | 09:00 Uhr
Funktionen
Envio und Neupert waren früh im Gift-Handel aktiv
Envio-Geschäftsführer Dr. Dirk Neupert. Foto: Ralf Rottmann

Dortmund. Die PCB-Giftfirma und ihr Boss – beide unzuverlässig, und deshalb unerwünscht. Mit dem Gewerbeverbot für die Envio Germany Geschäftsführungs GmbH und Dr. Dirk Neupert stellt die Stadt einen Mann und seine Unternehmensführung an den Pranger.

Die Giftfirma Envio darf ab sofort kein Gewerbe mehr auf Dortmunder Grund und Boden ausüben. Das steht in zwei Ordnungsverfügungen, die dem vor vier Monaten von der Bezirksregierung stillgelegten Unternehmen eine Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit untersagen. Sie gingen gestern raus.

Das Verbot gilt für „Behandlung, Lagerung, Transport sowie Recycling PCB-haltiger Transformatoren bzw. Geräte, PCB-Dekontamination und PCB-Entsorgung“ – just jene Geschäftsfelder, in denen Envio eine katastrophale Bilanz hinterlässt. Wie berichtet, verantwortet die Firma unter anderem massive Bodenverseuchungen sowie dramatische Vergiftungen von Beschäftigten und deren Familienangehörigen. Das Verbot gilt für die Envio Germany Geschäftsführungs GmbH und deren Geschäftsführer Dr. Dirk Neupert.

Anklageschrift auf acht Seiten

Die achtseitige Begründung der Verfügung, die Envio vom Stadtplan tilgen soll – es ist eine Anklageschrift, die nicht nur schwere Verfehlungen aufzählt. Sie belegt auch, dass Neupert bereits vor seiner Zeit als Envio-Vorstandschef in das Giftgeschäft verstrickt war. „Spätestens seit 1999“ sei er in leitender Funktion für den ABB-Konzern am heutigen Envio-Standort tätig gewesen.

Tatsächlich beantragte Neupert schon damals die „Errichtung eines temporären Zwischenlagers“ auf dem damals noch von ABB genutzten Gelände – dort, wo heute die höchsten Konzentrationen von krebserregendem PCB festgestellt wurden. Der von Neupert persönlich unterschriebene Antrag für die Zulassung des befristeten Zwischenlagers liegt der WR vor. „Entleerte und abgedichtete“ Transformatoren mit einem „äußerst niedrigen Gehalt an Restschadstoffen“ sollten dort „in flüssigkeitsdichten Wannen“ stehen, schrieb er. Die giftige Wirklichkeit 2010: Die maximal belastete Probe aus dem Lagerzelt sprengt die gesetzlich bestimmte PCB-Belastung um das Tausendfache. Für Stadtrat Steitz ein klarer Hinweis darauf, „dass in der Anlage in erheblichem Umfang ein nicht genehmigter Umgang mit PCB-haltigen Materialien“ lief.

Neupert wusste schon 2003 von PCB-Vergiftung eines Mitarbeiters

Schon 2003 habe Neupert von der PCB-Vergiftung eines Mitarbeiters „mit gleichartiger Tätigkeit wie später bei Envio“ gewusst. Somit seien ihm „das vorliegende Gefährdungspotenzial und die unzulänglichen Sicherheitsvorkehrungen“ bekannt gewesen.

Auch ein Schlüsseldokument kannte der Envio-Boss: ein Gutachten der Terra Umwelt Consulting GmbH in Neuss aus 2007. Dem zufolge mussten schon damals „gravierende Mängel in der Lagerung und Bearbeitung PCB-haltiger Transformatoren beseitigt werden“. Aufwändige Sanierungen fanden statt, „sämtlich ohne Einbeziehung der Unteren Bodenschutzbehörde“. Die Gründe für die abermalige Bodenverseuchung dürften Neupert „nicht entgangen sein“, mutmaßt die Stadt: Sie fielen in seine Zeit als Geschäftsführer. Firma wie Firmenchef können gegen das Gewerbeverbot klagen.

Klaus Brandt

Kommentare
29.09.2010
12:52
Envio und Neupert waren früh im Gift-Handel aktiv
von Biohazard | #4

Lass unsereins mal nur einen Beutel Hausmüll entsorgen..

Der sollte jetzt mal nur in Unterbuchse seinen Mist wegmachen.

29.09.2010
12:46
Envio und Neupert waren früh im Gift-Handel aktiv
von Hans Huckebein | #3

Denkt an meine Worte........
Dem wird genau so wenig passieren wir einem Hr. Sauerland in DU.

29.09.2010
11:35
Envio und Neupert waren früh im Gift-Handel aktiv
von vaikl | #2

@ #1

Die Gewerbe-Untersagung für Neupert gilt schon für ganz Deutschland. Selbst wenn er ins europäische Ausland ginge und dort Geschäftsführer einer Firma würde, darf er damit nicht in Deutschland tätig werden.

29.09.2010
10:09
Envio und Neupert waren früh im Gift-Handel aktiv
von trickflyer | #1

der vollpfosten hat in dortmund auch nichts verloren.das verbot sollte man auf ganz germany ausweiten.wieso läuft der noch frei rum?

Aus dem Ressort
Erste Sanierungs-Phase auf Envio-Gelände ist beendet
500 Tonnen Metall...
Der erste Schritt bei der Sanierung des PCB-verseuchten Envio-Areals im Hafen ist geschafft: Am Montag ging von dort aus der letzte Transport mit noch...
Landgericht stellt Verfahren gegen Envio-Betriebsleiter ein
PCB-Skandal
Für einen Angeklagten ist der Prozess vorbei: Das Verfahren gegen den früheren Envio-Betriebsleiter ist nach Zahlung von 3000 Euro am Dienstag...
Ex-Envio-Chef Neupert muss Sanierung nicht zahlen
Gerichtsurteil
Im Streit um die Sanierung des PCB-belasteten Envio-Geländes kann Ex-Geschäftsführer Dirk Neupert erst einmal aufatmen. Für die Kosten von...
Entsorgung von Envio-Material soll endlich starten
PCB-Skandal
Die Entsorgung von PCB-belastetem Material auf dem Envio-Gelände im Dortmunder Hafen kann wohl in Kürze beginnen. Insolvenzverwalter Achim Thomas...
Entsorgung von Envio-Material soll endlich starten
PCB-Skandal
Die Entsorgung von PCB-belastetem Material auf dem Envio-Gelände im Dortmunder Hafen kann wohl in Kürze beginnen. Insolvenzverwalter Achim Thomas...
Fotos und Videos
Envio-Skandal vor Gericht
Bildgalerie
PCB-Prozess
Rundgang bei Envio
Bildgalerie
Fotostrecke
Ärger wegen Envio
Bildgalerie
Fotostrecke
Pannekopp 2011 gesucht
Video
Geierabend