Das aktuelle Wetter Dortmund 4°C
Gericht

Dortmunder Verwaltungssitz kommt BIG teuer zu stehen

24.02.2013 | 18:54 Uhr
Dortmunder Verwaltungssitz kommt BIG teuer zu stehen
Zentral gelegen, viel Platz: die BIG-Verwaltung an der Rheinischen Straße.Foto: Klaus Pollklsener / WAZ FotoPool

Dortmund/Essen.   Direktversicherer BIG und Ex-Vorstand streiten vor Gericht. Ein überdimensionierter Verwaltungssitz in direkter Nachbarschaft zum Dortmunder U beschert Millionenkosten. Allein für die kaum genutzte 900 Quadratmeter große Terrasse sind 9000 Euro monatliche Miete fällig.

Als erste Direktkrankenkasse Deutschlands ging BIG im Jahr 1996 an den Start. Und „big“ (engl. für groß) hat auch der langjährige Kassenchef Frank Neumann gedacht. Eine Million Versicherte sollte die BIG im Jahr 2011 haben – und ein entsprechend großes Verwaltungsgebäude in bester Dortmunder Lage. Die Million Versicherte hat BIG bis heute nicht, das teure Verwaltungsgebäude hingegen schon. Die Kasse und ihr ehemaliger Chef streiten jetzt vor Gericht um die Umstände von dessen Ablösung.

Rheinische Straße 1: Seit Jahresbeginn 2011 residiert die Kasse in direkter Nachbarschaft zum Dortmunder U. 525 Mitarbeiter betreuen dort 390 000 Versicherte. Im neu errichteten Gebäude, das mittlerweile einem Immobilienfonds gehört, verfügt die BIG über knapp 19.000 qm Nutzfläche – 6000 mehr als sie eigentlich bräuchte. Miete wird natürlich auch für diese Flächen fällig. Den wirtschaftlichen Schaden durch die zu groß dimensionierte Immobilie bezifferte BIG-Vorstand Peter Kaetsch gegenüber dieser Zeitung auf bislang 2,1 Millionen Euro, wohlgemerkt: bislang. Ob die Summe noch steigt, hängt davon ab, „ob es uns gelingt, freie Flächen untervermieten“, so Kaetsch.

Mietvertrag läuft über 15 Jahre

Für den auf 15 Jahre geschlossenen Mietvertrag ist Kaetschs Vorgänger Neumann verantwortlich. Er hatte im Oktober gehen müssen, nachdem in den Monaten zuvor die Kritik von Bundesversicherungsamt und Bundesrechnungshof an der Immobilie bekannt geworden war. Das Haus ist demnach nicht nur zu groß, sondern auch zu teuer. Statt nach Mietspiegel üblichen 12,50 Euro pro Quadratmeter sind 15,80 Euro (plus 3 Euro Nebenkosten) fällig. Bizarre Details: Die BIG zahlt auch für die kaum genutzte, 900 qm große Terrasse (rund 9000 Euro/Monat) und für eine riesige Eventfläche im Haus, deren Bestuhlung bei Veranstaltungen offenbar teurer ist als das Anmieten eines externen Raumes. Für den wirtschaftlichen Schaden fordert die BIG Regress von Neumann.

Die BIG-Verwaltung nahe dem Dortmunder U. Foto: Klaus Pollkläsener

Vorm Landessozialgericht in Essen stritten der ehemalige Vorstand und die Kasse jetzt darum, ob es gerechtfertigt war, ihn im Herbst mit sofortiger Wirkung aus dem Amt zu entfernen. Unstrittig ist, dass Neumann den ursprünglich auf 13 000 qm abgeschlossenen Mietvertrag mehrfach eigenmächtig erweitert und den Verwaltungsrat über Details des Vertrages nicht informiert hat.

Die größere Fläche begründet er damit, dass er im Jahr 2008 der Kasse eine enorm ehrgeizige Wachstumsstrategie mit dem Ziel eine Million Versicherte verordnet hatte. Für deren Betreuung seien 950 Mitarbeiter erforderlich - die bräuchten eben Platz. Die Strategie sei dem Verwaltungsrat bekannt gewesen, und „die Räume konnte jeder sehen“; von einem Vertrauensbruch gegenüber dem Kontrolleuren will Neumann daher nichts wissen.

Lesen Sie auch:
Krankenkasse kämpft um guten Ruf

Zu groß und daher auch zu teuer sei der 18.000 qm große Bürokomplex, den die BIG Gesundheitskasse sich am Dortmunder U maßschneidern ließ. Das ist im Kern ein wesentlicher Punkt auf der Mängelliste, die bei der Überprüfung der Bundesinnungskrankenkasse Gesundheit (=BIG) auftauchen.

Die Wachstumsstrategie dürfte im Jahr 2008 schon - angesichts damals sinkender Mitgliederzahlen - wenig realistisch gewesen sein. Seinen Einspruch gegen die sofortige Amtsenthebung zog Neumann zurück, nachdem der Vorsitzende Richter deutlich gemacht hatte, dass der Verwaltungsrat wohl hätte über den Mietvertrag informiert werden müssen. In der Sache ist damit noch nichts entschieden. Der juristische Streit, ob die Enthebung gerechtfertigt war oder nicht, dürfte damit weitergehen.

Holger Dumke



Kommentare
25.02.2013
11:13
Dortmunder Verwaltungssitz kommt BIG teuer zu stehen
von Andreas45141 | #6

wenn ich das so lese frag ich mich ob ich bei der big austreten sollte wenn ich sehe wo mein geld hingeht

25.02.2013
02:50
Dortmunder Verwaltungssitz kommt BIG teuer zu stehen
von buerger90 | #5

Was soll eigentlich diese Hetzjagd auf Neumann ?
Die Expansionsperspektiven sind doch durch den Einheitsbeitragssatz, getrieben durch die alten Kassen mit einem überhöhten Verwaltungsanteil, von unserer Regierung zunichte gemacht worden.

Die Lobby hat zugeschlagen.

Jetzt ist wohl wiederum ein Unternehmen durch gute Lobbyarbeit scharf auf dieses Gebäude. Oder soll der Westfalentower auf diese Weise "entsorgt" werden ?

Dortmunder "Klüngel" auf Kosten von Personen.

1 Antwort
@buerger90
von vaikl2 | #5-1

Ich sehe bei der BIG aber auch nur einen "überhöhten Verwaltungsanteil" für Kaffeesatzleserei eines Vorstands, der Immobiliengeschäfte anscheinend ohne Controlling tätigt.

Und für den Preis, den die BIG jetzt noch zahlt, werden Sie keinen Blöden mehr als Mieter finden, dazu hat das U allein durch die Bausünden zuviel an Attraktivität eingebüßt. Der Dortmunder Klüngel hat also - auch mit Kölbl/Kruse als Sierau-ergebenem "Mittler" - seinen Schnapp mit der BIG-Erstvermietung schon gemacht.

24.02.2013
22:53
Dortmunder Verwaltungssitz kommt BIG teuer zu stehen
von DU-Kersten | #4

"Die Berechnung der überdimensionierten Bürofläche sei vom Projektentwickler Kölbl Kruse in Auftrag gegeben worden. Die Essener Firma war anschließend Bauherr des Neubaus an der Rheinischen Straße 1 und Vermieter der BIG."

http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/Weitere-Vorwuerfe-gegen-die-BIG-Krankenkasse;art930,1819909

24.02.2013
22:48
Dortmunder Verwaltungssitz kommt BIG teuer zu stehen
von DU-Kersten | #3

Ein wichtiger Name fehlt in diesem Spiel KÖBL/KRUSE !!!!!

24.02.2013
20:51
Dortmunder Verwaltungssitz kommt BIG teuer zu stehen
von Wickederin | #2

Im Westfalentower sind noch über 20000 qm frei. Miete ca. 13,00 € pro qm.


http://westfalentower.de/flash.html

24.02.2013
20:37
Dortmunder Verwaltungssitz kommt BIG teuer zu stehen
von Wickederin | #1

Da muss die BIG jetzt die Beiträge erhöhen.

Die BIG hätte sich doch gegenüber ihrem alten Verwaltungsgebäude. im Westfalentower ein mieten können. Dort wo fast alles leer steht hätte man sich ggf. erweitern können.

1 Antwort
Dortmunder Verwaltungssitz kommt BIG teuer zu stehen
von Noergelpitter | #1-1

"Da muss die BIG jetzt die Beiträge erhöhen."

Blödsinn, die BIG zahlt sogar Beiträge zurück. Trotzdem ist die ganze Sache peinlich.

Aus dem Ressort
Das sind Dortmunds lauteste Straßen
Lärmaktionsplan
Wenn Straßenlärm krank machen kann: 7900 Dortmunder leiden in ihren Wohnungen unter zu starker Lärmbelastung. Nach langer Vorbereitung liegt nun der städtische Lärmaktionplan auf dem Tisch. Er benennt Dortmunds lauteste Straßen. Wir zeigen sie auf einer interaktiven Karte - und erklären, was die...
Dieser Mann ergaunerte sich über 200 Tankfüllungen
Falsche Tankkarten
200 Mal volltanken, bitte! Ein Betrüger hat mit gefälschten Tankkarten an Tankstellen in Dortmund und Umgebung einen Schaden von über 10.000 Euro verursacht. Doch an einer Tankstelle in Hagen machte er einen folgenschweren Fehler: Er ließ sich filmen. Nun sucht die Polizei mit Fahndungsbildern nach...
Jugendmesse "You" kehrt zurück nach Dortmund
Messe
Sie gilt als Europas größte Jugendmesse und sie kehrt nach 14 Jahren an ihren Ursprungsort zurück: Die "You" startet an diesem Freitag erstmals wieder in Dortmund. Sie zeigt drei Tage lang Trends aus der Jugendszene und gibt jungen Menschen eine Menge Tipps.
Darum landete ein Hubschrauber mitten in der Nordstadt
Einsatz in der...
Viele Nordstädter werden am Mittwochnachmittag erstaunt gen Himmel geblickt haben: Ein Hubschrauber landete mitten im Quartier. Wir haben bei der Feuerwehr nachgefragt, was es mit dem Einsatz an der Alsenstraße auf sich hatte.
Sicherheitsdienst in der Mensa der Uni Dortmund
Diebstähle
Studierende an der TU Dortmund essen seit dieser Woche unter den wachsamen Augen von Sicherheitsleuten. Das Studentenwerk will in der Mensa und in Cafeterien für mehr Sicherheit sorgen. Die Zahl der Diebstähle war drastisch gestiegen. Weitere Sicherheitsvorkehrungen sind bereits in Planung.
Fotos und Videos
Raserunfall mit zwei Verletzten
Bildgalerie
Fotostrecke
Nachwuchs bei den Ameisenbären
Bildgalerie
Fotostrecke
Kunsthandwerksmarkt in Brackel
Bildgalerie
Fotostrecke