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Gesichter der Nordstadt

Dortmunder Nordstadt als Spiegelbild der Gesellschaft

10.01.2012 | 15:00 Uhr
Dortmunder Nordstadt als Spiegelbild der Gesellschaft
Michael Eickhoff, Chefdramaturg am Schauspiel, ist ein Gesicht der Nordstad.Foto: Foto: Franz Luthe

Dortmund.   Wer Theater macht, muss sich mit der Gesellschaft auseinandersetzen. Chefdramaturg Michael Eickhoff hat deshalb die Nordstadt zu seinem Zuhause gemacht. Hier findet er alles was er braucht.

Das Theater hält der Gesellschaft einen Spiegel vor – es zeigt ehrliche, verzerrte oder überspitze Bilder, die – bestenfalls – berühren oder nachdenklich machen. Wer Theater macht, muss sich mit der Gesellschaft auseinandersetzen, um die Geschichten zu erzählen, die von Bedeutung sind. Michael Eickhoff macht genau das: Der Chefdramaturg am Schauspiel Dortmund hat die Nordstadt zu seinem Zuhause gemacht, weil er dort alles findet, was er zum Leben und Arbeiten braucht. „Die Nordstadt bildet unsere Gesellschaft ab, sie entspricht unserer sozialen Realität“, sagt er. Und sie zeichne ein Bild von der Zukunft in Deutschland, in der Migration immer selbstverständlicher dazu gehören wird, ist der 39-Jährige überzeugt.

Spielplätze für seine Kinder und für seine Arbeit – das bot ihm die Nordstadt , als er 2009 nach Dortmund zog, um die Stelle am Theater anzutreten. Eickhoff lebt jetzt mit seinen beiden Kindern an der Mallinckrodtstraße. Es war kein Zufall, dass er dort eine Wohnung fand, sondern eine klare Entscheidung. Zuvor lebte Eickhoff in Bonn, gebürtig ist er aus Göttingen.

Die Nordstadt ist anders. „Hier gehöre ich zur Minderheit“, sagt er. Nicht nur, weil er jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt – und somit schon optisch heraus sticht. Auch weil er neben Deutsch und Englisch auch „leidlich Französisch“ spricht. Doch das sind nicht die Sprachen, die in den Geschäften oder Cafés gesprochen werden. Das hinterlasse ein Gefühl der Unzulänglichkeit. Und werfe zugleich Fragen auf: „Der Norden lehrt, die eigene Lebensrealität stärker zu hinterfragen“, meint Eickhoff. Zum Beispiel: In welche Richtung entwickelt sich ein Stadtteil? Wer oder was gehört dazu? Und wer entscheidet darüber?

„Nirgendwo sonst gibt es eine solche Spielplatzdichte“

„Die Stadt hat in den letzten Jahren hier durchaus einiges getan“, findet der 39-Jährige. Sie hat gefördert, was es dort in großen Teilen gibt: familiäres Leben. „Nirgendwo sonst gibt es eine solche Spielplatzdichte“, sagt Eickhoff begeistert. Mit seinen beiden Kindern, einem vierjährigen Jungen und einem sechsjährigen Mädchen, geht Eickhoff am liebsten zum Spielplatz an der Leopoldstraße oder in den Fredenbaumpark. Dort wird aus einem friedlichen Nebeneinander ein Miteinander. „Denn die Kinder wählen nicht nach Nationalität aus, sondern danach, mit wem es Spaß macht zu spielen“, sagt Eickhoff.

Der Dramaturg nimmt sich diesen Spielplatz zum Vorbild für seinen eigenen: „Crashtest Nordstadt“ heißt das Stück, an dem Eickhoff zur Zeit arbeitet. Die Nordstadt ist nicht nur die Quelle der Inspiration, sondern selbst die Bühne. „Es geht um die Identität der Stadt, um soziale Gerechtigkeit“, stellt der Dramaturg die Idee vor. Menschen, die in der Nordstadt leben, spielen mit, erzählen ihre Geschichten – und sind dabei in ihrer Wohnung, in der Moschee, eben dort, wo das Leben spielt. Premiere soll im Sommer sein.

Das Stück soll aber nicht nur den Menschen aus anderen Ecken der Stadt zeigen, wie das Leben in der Nordstadt aussieht. Es will auch Menschen, die sonst keine Rolle auf der Bühne spielen, eine geben. Migranten, die nicht ins Theater gehen, sollen erleben, dass das Theater auch für sie da ist. „Solche Geschichten gibt es auf deutschen Bühnen nicht, sie gehören aber erzählt“ – davon ist Michael Eickhoff überzeugt.

Christina Römer



Kommentare
11.01.2012
07:18
Gespannt
von Stefan2 | #1

Ich bin gespannt auf das Stück und werde es mir ansehen.

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