Das aktuelle Wetter Dortmund 9°C
Dortmund

DGB: Mit einem Mindestlohn den freien Fall der Gehälter stoppen

13.06.2008 | 19:47 Uhr
Funktionen

Ein Plädoyer für die flächendeckende Einführung des Mindestlohns hielten am Mittwoch der DGB und die Kooperationsstelle Wissenschaft - Arbeitswelt. "Darf's ein bisschen mehr sein?", lautete die Frage. Die Antwort: "Auf jeden Fall!"

Einsatz für Mindestlöhne: E. Weber, Moderatorin M. Stackelbeck, T. Schulte und T. Kalina (v.l.). (Bild: Marcus Simaitis)

Diskutiert wird darüber schon lange. Befürworter wollen der "Lohnabwärtsschraube" entgegenwirken, Gegner befürchten, dass Stellen verloren gehen, weil Unternehmen die hohen Lohnkosten nicht tragen können.

Tatsache, so der DGB-Vorsitzende Eberhard Weber, sei, dass von 27 europäischen Staaten 20 einen Mindestlohn eingeführt hätten - einen, der über den 7,50 Euro liege, die der DGB hier fordere. Dass in Deutschland einiges im Argen liege, merke man daran, dass - auf Dortmund bezogen - zwar 170 000 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Berufen arbeiteten, 10 800 von ihnen aber nicht davon leben könnten und zusätzlich auf Hartz 4 angewiesen seien.

Thorsten Kalina vom Institut Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen beantwortete die Frage nach Einführung des Mindestlohnes mit ja. Er verwies z.B. auf Jobs in Hotels, deren Mitarbeiter zwei Euro für ein gereinigtes Zimmer erhielten. Und darauf, dass oftmals Vollzeitstellen in Minijobs zerstückelt würden, weil man die Minijobber leichter zu längerem Arbeiten anhalten könne - alles Ungerechtigkeiten.

Dass es sich dabei, wie vielfach angenommen, um schlecht ausgebildete Leute handele, sei eine Mär. Kalina: "80 Prozent haben eine Ausbildung." Mit einer Mindestlohnregelung stoppe man den freien Fall der Löhne, man würde sich wieder mehr danach richten, den besten und nicht den billigsten Mitarbeiter einzustellen.

Dr. Thorsten Schulten von der Hans-Böckler-Stiftung warf einen Blick über die Landesgrenzen hinaus - und nahm Großbritannien als Beispiel. "Dort gilt die Regelung bereits zehn Jahre - und es gibt keinen einzigen Wissenschaftler, der sagt, es hätte negative Ergebnisse auf Kosten der Beschäftigung damit gegeben", sagt er. Zwar würden die Profite der Firmen sinken, dafür aber käme es zu fairen Wettbewerbsbedingungen, zu einem Anstieg der Preise und zu einer Steigerung privater Nachfrage. Der Mindestlohn habe sich in Großbritannien von einem umstrittenen Instrument zu einem akzeptierten Bestandteil des Arbeitslebens entwickelt.

Von Dirk Berger

Kommentare
Aus dem Ressort
Dortmunder Hauptbahnhof wird für 107 Millionen ausgebaut
Rhein-Ruhr-Express
Bahn, NRW und Bund helfen dem Schnellzug-Projekt RRX aufs Gleis. Wichtig fürs Revier: Dortmund bekommt Geld für den Umbau des Schmuddel-Bahnhofs.
So feierte der BVB seinen 100. Geburtstag
Rückblick
Glückwunsch, Borussia Dortmund! Der Ballspielverein Borussia 09 feiert heute seinen 105. Geburtstag. Am Abend findet dazu ein Gottesdienst in der...
Frau in Dortmund von Stadtbahn angefahren
Unfall
Unfall an der Evinger Straße in Dortmund: Nach ersten Informationen wurde am Freitagvormittag eine Frau von einer Stadtbahn angefahren.
Rattenbefall an zwei Dortmunder Kitas
Hygiene
Eltern beschweren sich über Ratten auf dem Außengelände zweier städtischer Kindertagesstätten. Die Stadt widerspricht Vorwürfen, sie reagiere nicht.
Massenunfall auf der Autobahn 1 mit neun Autos
Polizei
Nach einem Unfall mit neun Fahrzeugen war die Autobahn 1 bei Schwerte am Donnerstagabend für Stunden gesperrt. Ein Autofahrer wurde schwer verletzt.
Fotos und Videos