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BVB-Grab

BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde

14.11.2012 | 11:00 Uhr

Dortmund.   Ein BVB-Logo ist nicht christlich. Deshalb hatte sich der Kirchenvorstand der Gemeinde Mariä Heimsuchung zunächst gegen den Grabstein mit Fußball und Vereinslogo entschieden, den sich die Eltern des verstorbenen Jens Pascal (9) gewünscht haben. Aber was sagt eigentlich die Friedhofsordnung dazu?

Ein BVB-Logo ist nicht christlich . Deshalb hatte sich der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung in Bodelschwingh zunächst gegen den Grabstein mit Fußball und Vereinslogo entschieden, den sich die Eltern des verstorbenen neunjährigen Jens Pascal gewünscht haben. Bevor am Dienstag ein Kompromiss gefunden werden konnte. Eine Frage der jeweiligen Friedhofsordnung.

„Die Ordnung schreibt vor, dass keine anderen als christliche Symbole auf den Gräbern verwendet werden dürfen“, erklärt Michael Bodin, Sprecher der Katholischen Stadtkirche. Auf einem städtischen Friedhof gibt es eine solche Regelung nicht, die Satzung schreibt lediglich die Größe vor – und dass kein Plastik verwendet werden darf. Auch auf evangelischen Friedhöfen sei es „nur schwer vorstellbar, dass ein solcher Grabstein nicht möglich wäre“, meint Uwe Bitzel, Sprecher der Evangelischen Kirche.

Gräber sollen einheitlich aussehen

Die Satzung des Friedhofes der Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung sieht auch andere Einschränkungen vor. Zum Beispiel wird die Beschaffenheit der Steine darin festgelegt. Tiefschwarze oder grellweißen Werkstoffe, die auf Hochglanz poliert sind, dürfen nicht verwendet werden. „Es geht darum, dass die Gräber einigermaßen einheitlich aussehen sollen“, erklärt Bodin. So soll ein möglicher Wettbewerb der Grabgestaltung verhindert werden. „Uns geht es darum, dass sich die katholischen Gläubigen unserer Gemeinde nicht beeinträchtigt fühlen.“

So sollte der Grabstein ursprünglich aussehen.Foto: Heinz Krischer

Diese bewerten den Wunsch der Eltern von Jens Pascal unterschiedlich. Während sich ein Friedhofsbesucher gestern dafür aussprach, dass eine solche Ordnung wichtig sei, steht für andere Gemeindemitglieder der Wunsch der Familie im Vordergrund. „Die Kirche soll dem Jungen diesen einfachen Wunsch erfüllen“, meint Vanessa Perz. „Es stört doch hier überhaupt niemanden“, ist sie überzeugt. Eine weitere Besucherin wünschte sich gestern einen Kompromiss. Der gestern schließlich auf Initiative unserer Zeitung auch gefunden wurde.

Kompromiss gefunden

Ursprünglich wünschte sich die Familie eine dunkle Stele, darauf sollte ein Fußball thronen. Nun soll der Fußball daneben gelegt werden. Eine Einigung mit Vertretern des Vorstands, die noch formal abgesegnet werden muss. „Solche Ausnahmen sind dann möglich, wenn der Kirchenvorstand zustimmt“, erklärt Michael Bodin.

Auch das BVB-Logo und der Schriftzug „Echte Liebe“ sind nun wohl möglich, mit einer christlichen Taube als Ergänzung. Der BVB hatte seine Zustimmung bereits im Vorfeld erteilt – ohne diese hätten Logo und Schriftzug nicht verwendet werden dürfen. „Wenn es der letzte Wunsch eines Kindes ist, würden wir uns niemals verweigern“, erklärt BVB-Sprecher Sascha Fligge. Eine solcher Wunsch, die Fanleidenschaft auf dem Grab zu zeigen, sei allerdings die absolute Ausnahme. Das bestätigten am Dienstag auch Michael Bodin und das städtische Friedhofsamt.

BVB in der Kinderklinik

Christina Römer



Kommentare
15.11.2012
14:36
@meigustu | #8
von vaikl2 | #9

Die Kirchen sind in den seltensten Fällen auch Eigentümer ihrer Friedhöfe. Sie bewerben sich als Pächter bei einer Kommune für eine Fläche und bekommen bei Einhaltung des gesetzlichen Rahmens den Status eines Friedhofträgers, genau so wie die Kommune für ihre eigenen Friedhöfe auch.

*Was* diese Friedhofsträger in ihren Satzungen selbst definieren dürfen, steht im Bestattungsgesetz NRW.

15.11.2012
07:31
#7 warum sie sich jetzt in eine Sache rein hängen
von meigustu | #8

mit der sie als Ungläubiger nun absolut nichts am Hut bleibt ihr Geheimnis.

Zur Sache bleibt aber nur zu sagen, die katholische Gemeinde darf sich als Eigentümer des Grundstückes durchaus selbst entscheiden was sie für angemessen hält oder nicht. Das darf jeder Türsteher vor einer Disko auch tun.

Von daher ist dieser gefundene Kompromiss Ausdruck eines tiefen christlichen Bewusstseins. Das ist eben der Unterschied zu extremistischen Politsekten die ein gesellschaftliches Gegeneinander predigen.

1 Antwort
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von Pamira1 | #8-1

Ich "hänge mich", wie Sie es auszudrücken zu pflegen, mich da rein, weil auch ich Angehörige auf Friedhöfen habe. Und weil auch ich als Atheist durchaus eine Meinung haben darf, die ich hier in adäquatem Rahmen äußern darf, wenn SIE gestatten. Zumal ja auch die Eltern des verstorbenen Kindes, wie hier mehrfach zu lesen war, keine Mitglieder einer christlichen Kirche waren. Finde ich ansich schon bemerkenswert, dass sie die Erlaubnis bekamen, ihr Kind auf einem christlichen Friedhof beerdigen zu dürfen, was nun wirklich nicht selbstverständlich ist. Und der Dank war dann, diese Posse hier loszutreten. *kopfschüttel*

14.11.2012
19:56
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von Pamira1 | #7

Ich les mir hier den Artikel durch und ebenso die Kommentare. Es wird immer vom Wunsch des Jungen gesprochen. Aber dieser ist, so unendlich traurig das ist, tot. Ihm wird es egal sein, wie geschmückt sein Grab ist, er kriegt es nicht mehr mit. Einzig die Eltern, die btw auch heute im Magazin "Brisant" zu Wort kamen, haben ihren Moment der öffentlichen Aufmerksamkeit, warum auch immer sie den haben wollen. Ich versteh nur nicht, wie sich völlig Unbeteiligte über Facebook und sonstige Medien, die den Jungen sicher nicht kannten, da noch reinhängen, empören und einen shitstorm entfachen. Wohlgemerkt, ich bin kein Katholik, kein Agnostiker, ich bin Atheist. Aber in diesem Fall hatte ich wirklich gehofft, dass die Kirche nicht einbricht und sich diesem Druck der Meute beugt. Btw, wer zahlt eigentlich den "Grabstein"? Die Eltern sehen nicht so aus, als ob sie die finanziellen Mittel hätten. Der BVB? Wär ja mal ne Werbung.

1 Antwort
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von dunkelschwarz | #7-1

@Pamira und @viaClara

Danke schön...die einzigen von sehr wenigen guten Kommentaren.



14.11.2012
18:26
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von viaclara | #6

Erschreckend ist für mich zu sehen welch abgrundtiefer, blinder Hass auf die katholische Kirche sich in vielen Äußerungen Bahn bricht. Ich bin froh, dass die Satzung den Charakter des katholischen Friedofs schüzt. Ein Fußball ist eben kein Symbol des christlichen Glaubens. Niemand wird gezwungen,diesen Glauben zu teilen! Aber warum soll es der Kirche nicht gestattet sein, ihre Überzeugung auszudrücken ? Gibt es in Dortmund nur einen einzigen Friedhof? Die Frage sei erlaubt: Will die WAZ, der die Abonnenten weglaufen, mit einem Aufreger-Thema auf Kosten des traurigen Schicksals der Familie mal wieder punkten? Wenn dann die katholische Kirche dabei ihr Fett abkriegt, dann ist es ganz im Sinne des Chefredakteurs.

14.11.2012
17:56
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von hey52 | #5

Natürlich-ein BvB Logo ist nicht christlich.Was ist denn christlich? Die Verbrechen,die in der katholischen Kirche stattgefunden haben?Unglaublich...

1 Antwort
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von m.birr | #5-1

Und wieso müssen Menschen die keiner Kirche angehören, unbedingt ihr Kind auf einem christlichen (katholischen) Friedhof begraben lassen.

Und wieso lassen sie ein Grabstein mit Fußball anfertigen ohne einmal in der katholischen Gemeinde nach zu fragen.

Der Friedhof gehört der katholischen Kirche, also kann sie eine Friedhofsordung festsetzen.

14.11.2012
17:42
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von berufskollege | #4

Vielleicht hatte ja der Pfarrer der Gemeinde ein Gespräch (wie Don Camillo seinerzeit) mit seinem Chef und dieser hat ihm gesagt, dass sein Fußvolk sich anstrengen muss, damit nicht noch mehr Katholiken ihren Verein verlassen. Das ganze Theater um den letzten Wunsch eines kleinen Jungen ist erbärmlich. Hat denn der Kirchenvorstand einmal auf seinem Friedhof nachgeschaut und festgestellt, wieviele verkommene Gräber es dort gibt und sich darüber aufgeregt?

1 Antwort
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von maped | #4-1

Ja hat Sie, denoch obliegt die Grabflege den Angehörigen.

14.11.2012
17:41
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von Coko | #3

richtig!!!es tut niemandem weh!!
schon schlimm genug was der kleine erleiden musste und nun gehört der ball auf sein grab!mann, diese sch... bürokratie, der liebe gott verliert doch spätestens jetzt den glauben an die menschheit!nochmal, ich bin christ und es stört mich in keinster weise wenn jemand der letzten ruhestätte etwas persönliches verleiht, denn dort liegt ein leben!

1 Antwort
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von m.birr | #3-1

Nein est tut niemandem weh. Aber man hätte vorher fragen können was erlaubt ist.

14.11.2012
16:42
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von Emagic | #2

In dem Fall kann man nun wirklich mal eine Ausnahme machen. Der Wunsch des Jungen tut ja keinem weh. Gut, das ein Kompromiss gefunden wurde.

1 Antwort
BVB-Logo auf Jens Pascals Grabstein teilt die Gemeinde
von vaikl2 | #2-1

In dem Fall wurde schon weit vor unser aller Medien-Wahrnehmung eine Ausnahme gemacht, als der konfessionslosen Familie für ihren ungetauften Sohn die Grabstätte problemlos genehmigt wurde. Und der Wunsch des Jungen war es mit neun Jahren gewiss *nicht*, bloß kein christliches Symbol auf seinem Grabmahl haben zu wollen.

Es war also seitens der Familie ein naives Übersehen der Friedhofssatzung, als sie den ersten Entwurf einreichte. Sie hat auch im gestrigen Gespräch ohne Murren einer Umgestaltung zugestimmt, ohne dass irgendwas von Jens Wünschen zurückgenommen werden musste.

14.11.2012
15:42
Geht diese Selbstbeweihräucherung immer weiter?
von vaikl2 | #1

Je öfter die WR nun behaupten, eine Einigung wäre ja nur auf ihre Initiative hin erfolgt, umso weniger kann man ihr das glauben. Bitte offenlegen, *wer* als erste gegenüber der Familie und auch öffentlich ein solches Gespräch angeboten hatte, ansonsten entwickelt sich das jetzt zur Farce.

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