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Wasser im Diesel? Autos nach Tanken in Dorsten lahmgelegt

13.11.2012 | 17:15 Uhr
Wasser im Diesel? Autos nach Tanken in Dorsten lahmgelegt
Mitarbeiter der Firma Tokheim-Service nahmen an der Q1-Tankstelle an der Händelstraße Probenaus dem Dieseltank.Foto: Andre Elschenbroich

Dorsten.   Aufruhr um Sprit in Dorsten: Nach Betätigung der Diesel-Zapfsäule an einer Tankstelle gaben gleich mehrere Autos den Geist auf. Der ADAC stellte ein Diesel-Wasser-Gemisch im Tank eines Geschädigten fest: 60 Prozent Wasser, 40 Prozent Diesel. Die Ursache ist unklar.

Jan Neuhaus ist Inhaber der Dorstener Elektrofirma Ambrozy. Am Dienstagmorgen, gleich nach Dienstbeginn, fuhr er zur Q1-Tankstelle an der Händelstraße. „Ich wollte doch nur volltanken“, sagt er und schüttelt den Kopf.

500 Meter waren auf dem Rückweg geschafft, als er einen Leistungsverlust bei seinem Auto bemerkte. „Ich habe das Gaspedal durchgetreten, es kam aber nichts mehr“, berichtet Neuhaus. Vor seinem Betrieb an der Gelsenkirchener Straße schaltete der Motor dann ab.

Neuhaus rief den ADAC , der gleich eine Ahnung hatte. Der ADAC-Mitarbeiter kam zur Firma, und pumpte eine kleine Menge Treibstoff ab. „60 Prozent Wasser, 40 Prozent Diesel “, sagt Neuhaus und zeigt auf die Plastikflasche, die seitdem auf seinem Schreibtisch steht. Es ist deutlich zu sehen: oben schwimmt der trübe Diesel, unten steht das Wasser.

„Fall Dorsten“ war schon bekannt

Jan Neuhaus ließ seinen Firmenwagen abschleppen, bemühte sich um einen Leihwagen. Dann meldete er sich beim Q1 Tankstellenvertrieb in Osnabrück. Mitarbeiter Evren Özbek war der „Fall Dorsten“ bereits bekannt, es hatten sich schon mehrere Kunden gemeldet, deren Autos nach wenigen Metern nicht mehr fahrbereit waren. Özbek erklärte im Gespräch mit der WAZ, dass die Dieselsäulen gleich nach Bekanntwerden des Vorfalls verriegelt wurden und ein Service-Unternehmen beauftragt wurde.

Für Betroffene
Mehrere tausend Euro Schaden

Was passiert im Motor, wenn verunreinigter Diesel getankt wird?
Die Kraftstoffpumpe hat keine Schmierung mehr und läuft trocken, erklärt Kfz-Mechaniker Meister Klaus Kock (Autoservice Krauel+Kock). Durch den extrem hohen Druck kommt es zu Abrieb, Metallspäne beschädigen dann auch die Einspritzdüsen. Die kaputten Bauteile müssen ausgetauscht, alle weiteren Teile des Kraftstoff führende Systems gereinigt werden. Der Schaden beträgt in der Regel mehrere tausend Euro. Komplette Motorschäden sind auch möglich, aber sehr selten, so Kock.

Kommt so etwas oft vor?

Nein, sagt Dr. Peter Meintz, Sprecher des ADAC Westfalen in Dortmund. Dass an einer Tankstelle verunreinigter Kraftstoff abgegeben werde, passiere höchst selten. Häufiger kommt es vor, dass die Fahrer selbst die Benzinsorten verwechseln.

Was sollten betroffene Autofahrer jetzt tun?
Durch einen Sachverständigen sollten Beweise gesichert, also eine Probe des Kraftstoffs genommen werden, rät ADAC-Sprecher Meintz. Er empfiehlt zudem angesichts der möglichen Schadenssummen, auf jeden Fall einen Anwalt einzuschalten.

Am frühen Nachmittag war vor Ort an der Händelstraße auf Hinweisschildern an den Säulen zu lesen: „Diesel – zur Zeit außer Betrieb“ Im vorderen Bereich der Tankstelle waren zwei Mitarbeiter der Firma Tokheim Service-Gruppe beschäftigt, ein Unternehmensverbund für Tanktechnik-Service. Einer zeigte auf ein Behältnis mit abgepumpten Treibstoff und meinte: „Wenn so Diesel aussehen soll, dann weiß ich nicht mehr.“

Markus Ulrich ist Mitglied der Geschäftsführung des Q1-Tankstellenvertriebs, ihm lagen am Mittwochnachmittag schon acht Hinweise vor, dass Fahrzeuge nach dem Tankvorgängen mit Dieselkraftstoff nicht mehr fahrtüchtig waren.

Ursache noch unklar

Zur Ursache konnte er sich noch nicht äußern, rechnet erst am Mittwochmittag mit ersten Ergebnissen. Die Proben müssten nach Trier gebracht werden, würden von einem versierten, renommierten Labor untersucht.

Ulrich ist seit zwei Jahren im Unternehmen Q1 tätig, das ein Netz von 180 Tankstellen betreibt. Bislang ist ihm nur ein Fall dieser Art bekannt. Ulrich berichtet, dass ein Fehler der Raffinerie dazu geführt hatte. Um diesen Fehler könne es sich auch jetzt handeln. Markus Ulrich: „Vielleicht war noch Wasser im Rohrleitungssystem.“

Ulrich betont, dass das Unternehmen Q1 keineswegs fahrlässig handelt, der Treibstoff hochwertig sei und ausschließlich aus deutschen Raffinieren bezogen würde. Selbstverständlich würde Q1 für die entstandenen Schäden haften.

Christoph Winkel



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