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100 Arbeitsstunden für einen Schlag

09.08.2012 | 15:08 Uhr
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Dorsten.   Wenn man sich schon betrinkt, dann mit Anstand. So Oberstaatsanwalt Ulrich Polländer am Donnerstag vor dem Amtsgericht Dorsten. Und: „Das gilt auch für Polizei-Beamte.“ Das wenig ruhmreiche Verhalten eines Polizeianwärters, der Opfer einer Schlägerei war, sorgte mit dafür, dass das Verfahren gegen den 23-jährigen Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung nach Paragraf 153 a eingestellt wurde. Zuvor muss er jedoch 100 Arbeitsstunden im Altenheim St. Anna leisten.

Wenn man sich schon betrinkt, dann mit Anstand. So Oberstaatsanwalt Ulrich Polländer am Donnerstag vor dem Amtsgericht Dorsten. Und: „Das gilt auch für Polizei-Beamte.“ Das wenig ruhmreiche Verhalten eines Polizeianwärters, der Opfer einer Schlägerei war, sorgte mit dafür, dass das Verfahren gegen den 23-jährigen Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung nach Paragraf 153 a eingestellt wurde. Zuvor muss er jedoch 100 Arbeitsstunden im Altenheim St. Anna leisten.

Oktoberfest 2011 in der Feldmark. Auf dem Heimweg gegen 3 Uhr morgens macht der angehende Polizist seine Späßchen mit einem Freund. Er nimmt ihm die Kappe weg und rückt sie nicht wieder heraus. Dem wird die Sache irgendwann zu bunt und fordert den Polizeianwärter auf, die Mütze rauszurücken. Das bekommt der Angeklagte mit und schlägt den angehenden Polizisten ins Gesicht. „Mit der flachen Hand“, wie der 23-Jährige betont. Und mit einer halben Flasche Whiskey intus.

In der Anklageschrift ist von Tritten die Rede. Daran kann sich aber auch das Opfer nicht erinnern, der „einen Schlag mit der Faust“ abbekommen haben will. „Danach kann ich nicht mehr viel sagen“, fehlt ihm nach der klaffenden Wunde an der linken Augenbraue die Erinnerung.

Nach Kopftrefferkeine Erinnerung mehr

Somit ist schon mal die gefährliche Körperverletzung wegen der Tritte vom Tisch. Es bleibt eine einfache Körperverletzung. Zu wenig für Richterin Regine Heinz und Oberstaatsanwalt Polländer den Fall bis ins kleinste Details auszuleuchten. Dann hätten nämlich vermutlich noch weitere, dieses Mal unentschuldigt fehlende Zeugen erneut geladen werden müssen. Einen Entlastungszeugen will der Angeklagte nicht benannt haben, weil er keinen schlechten Eindruck bei dessen Eltern machen wolle, so der Verteidiger. „Sie sind nicht so brav und freundschaftlich, wie sie uns vorspielen wollen“, sagte Richterin Heinz und kramte eine alte Jugendstrafe wegen Körperverletzung aus den Akten. Alles zu viel Aufwand für einen Vorfall, zu dem möglicherweise beide Parteien im Vorfeld mit ihrem Verhalten im betrunkenen Kopf beigetragen hatten.

Im Festzelt soll sich der angehende Polizist aggressiv verhalten haben. Der Angeklagte behauptete gar, er sei von ihm in den Schwitzkasten genommen worden. Das bestritt der Polizeianwärter jedoch, räumte aber ein, einen getrunken zu haben. „Sie können davon ausgehen, dass von der Gruppe um die Uhrzeit alle betrunken waren“, sagte Richterin Heinz zum Oberstaatsanwalt.

Einen Tag nach dem Vorfall hatte sich der 23-Jährige via Facebook beim Polizeianwärter entschuldigt. „Sorry Bruder“ hieß es in dem Eintrag, „beim nächsten Mal trinken wir einen zusammen“. Vielleicht ja beim Feldmarker Oktoberfest 2012.

Von Rupert Joemann

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