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Viele Hände schaffen eine Krippe – jedes Jahr neu

24.12.2010 | 12:00 Uhr
Die Weihnachtsgeschichte in der Propsteikirche. Foto: Claudia Schütte / WAZ FotoPool

Bochum. Viele Hände sind nötig, um die Krippe in der Bochumer Propsteikirche alle Jahre wieder neu zum Leben zu erwecken – und das seit bald 200 Jahren. Die historische Krippe wird liebevoll gepflegt und stets sorgfältig aufgebaut.

Weiße Weihnachten sind eine feine Sache. Nur, wenn es darum geht, Nadelbäume für die Krippen- und Kirchendekoration rechtzeitig aus dem tief verschneiten Sauerland zu bekommen, wünschen die vielen ehrenamtlichen Helfer den Schnee zum Teufel, falls das Wort beim Thema Krippen-Aufbau erlaubt ist. Propst Michael Ludwig von St. Peter und Paul jedenfalls war nicht amüsiert über die Verzögerung. Doch dann fügte sich doch noch alles zusammen.

Lange Geschichte
Einst größte Pfarrei Preußens

Die ältesten Figuren der Krippe der Propsteikirche sollen aus dem Jahr 1834 stammen. Sie sind aus massivem Eichenholz geschnitzt und mit natürlichen Farben dezent bemalt. Der Name des Holzbildhauers ist heute in Vergessenheit geraten. Der Mohr aus der Königsgruppe ist vor etlichen Jahren mit neuer Farbe versehen worden, was jedoch nicht so recht zum Erscheinungsbild der anderen Figuren passt.

Während die Propsteikirche im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, überstanden die Figuren im Propsteigebäude nebenan die Bombenangriffe unbeschädigt. Die Krippe stammt aus einer Zeit, als die Propsteigemeinde Bochum mit rund 50 000 Katholiken die größte Pfarrei im preußischen Staate war. Zudem war die Kirche das einzige katholische Gotteshaus Alt-Bochums.

Ordentlich verpackt verbringen Jesuskind, friedlich vereint mit Ochs und Esel, Maria und Joseph, den Engeln, etlichen Schafen, einem ausgestopften Gürteltier und jede Menge Wurzelwerk, nicht zu vergessen, die treuen Hirten, die Heiligen drei Könige nebst Kamel und, und, und das Jahr über im Keller des Pfarrkindergartens. „Früher drängten sich dort noch gut 120 ausgestopfte Tiere, doch da haben wir ein wenig aussortiert“, sagt Maria-Olimpia Klose, vom fünfköpfigen Frauenteam, das sich in der neuen Großpfarrei liebevoll um Krippe und Dekoration derselben kümmert.

Krippe älter als einige Teile der ehrwürdigen Kirche

Propst Michael Ludwig erinnert sich noch gut, als vor zwei Jahren der ehemalige Küster der Pfarre, Günter Boer, verstarb und ein neues Team sich um die zum Teil um 1834 entstandenen Holzfiguren kümmerte, was das für einen Bruch mit der Tradition bedeutete. Damit ist die Krippe älter als einige Teile der ehrwürdigen Kirche, steuert Altpropst Hermann-Josef Bittern bei. Den 2. Weltkrieg überdauerten die Figuren gut geschützt im alten Pfarrhaus, dort wo sich heute noch der Gemeindesaal befindet.

Bis auf das besagte Gürteltier und einige ausgestopfte Lämmchen wurde die Armada der Dermoplastiken, so der Fachausdruck für ausgestopfte Tiere, aufgelöst. „Das führte bei älteren Gemeindemitgliedern durchaus nicht nur zur Zustimmung“, so Propst Ludwig. Doch mit den Frauen kam vor zwei Jahren neues Leben in die Krippe. Ein leuchtend rotes Tuch gibt den Hintergrund, viele versteckte Strahler illuminieren die stets auf neue mit Pinselchen gesäuberten Eichenfiguren.

In diesem Jahr kümmerte sich ein Restaurator sorgfältig um den Heiligen Joseph. Der Figur im grünen Wams, gut beschuht mit warmen Stiefeln, fehlte ein Stück einer Hand. „Der fehlende Finger ist ordentlich nachmodelliert worden“, sagt Pfarrsekretärin Ulrike Keller, die bei der Frauengruppe ebenfalls eifrig mitmischt.

Krippe in der Propsteikirche

Das ganze Jahr über trifft „frau“ sich, um die Performance der Krippe zu verbessern. Wie viel Moos wird benötigt, und woher? Wo kommen die Strahler hin? Wie werden die Figuren verteilt? Die Liste ist lang und wird abgearbeitet. Dann steht plötzlich Weihnachten vor der Tür und in einer Art Prozession tragen die Helfer die Figuren vom Kindergarten in die Kirche hinüber. Die schwereren Mitglieder der Heiligen Familie dürfen bequem im Holzkarren reisen, aber mit Bedacht.

Das Krippenteam ist gut organisiert, nutzt die Zeit nach einer Hochzeit, nach einer Vorabendmesse, um Schritt für Schritt die Liste abzuarbeiten. Denn der Termin steht: Heiligabend muss das Werk vollendet sein.

In diesem Jahr eine Neuerung

Nicht ganz. „Aus Italien gibt es den Brauch, dass der Pfarrer in der Heiligen Nacht das Jesuskind durch die Kirche zur Krippe trägt“, sagt Propst Ludwig. Doch so einfach ließ sich das in Bochum nicht umsetzen. Denn die zentrale Gruppe bestand aus einem Stück: Maria, Joseph, zwei Engel und das Jesuskind in der Krippe. eine viel zu viele Kilo schweres Holzstück. Doch Propst Ludwig ist niemand, der sich durch solche Petitessen aufhalten lässt. Kurzerhand gibt er das Kommando, die Szene muss zersägt werden. Jetzt klappt es.

In diesem Jahr entschloss sich die Gemeinde zu einer Neuerung. Gleich neben der Krippenlandschaft werden zehn großformatige Bilder von Straßenkindern hängen. Mit Zitaten versehen, machen sie auf die Situation von Kindern ohne ein festes Dach über den Kopf aufmerksam. Dafür müssen einige der alten Gemälde des Kreuzwegs von der Wand genommen werden. Und die sind mit allerhand Stahlwerk gegen Diebstahl gesichert. Kein Problem „Wer reicht mir mal den Seitenschneider?“, ruft jemand quer durch den Altarraum.

Währenddessen entwirren Ulrike Keller, Maria-Olimpia Klose und die anderen Helfer über 50 Lichterketten, prüfen die Birnen, schrauben als Steine getarnte Strahler zusammen. Mit Stroh und Moos wird kaschiert – „Den Strohballen hab’ ich aus einem Beichtstuhl der Christ-Königs-Kirche organisiert, der war da eingelagert“, beichtet Ulrike Keller.

Schließlich der Moment der Wahrheit . . . Doch nein, sehen Sie selbst: Die Kirche ist zum Besuch der Krippe vom 25. bis 30. Dezember jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Michael Weeke



Kommentare
27.12.2010
12:28
Viele Hände schaffen eine Krippe – jedes Jahr neu
von Namensvetter | #3

Da ich nicht weiss, wie es im PUFF aussieht, ...

Ich find die Krippe schön!

26.12.2010
16:53
Viele Hände schaffen eine Krippe – jedes Jahr neu
von Wie im Puff | #2

Das ist keien Krippe, das sieht aus wie die Lichtershow in einem Bordell, schön rot wie im Puff eine Schande für diese alten Figuren aber was will man von einer Kirche verlangen welche sich mit Beutekunst schmückt.welche aus Gemeinden kommt die der Herätiker und Bischof des Antichristen Genn zerstört und ihrer Kirchen beraubt hat. Das ist verarschung des Christentums durch Götzendiener.

24.12.2010
18:22
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

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