Das aktuelle Wetter Bochum 23°C
Goerdthof

Vom Wohnheim zum Wohnverbund

28.06.2012 | 17:48 Uhr
Vom Wohnheim zum Wohnverbund
Martina Hickert (im Bild mit Benjamin Schmidthaus) zog 1982 bei der Eröffnung des Goerdthofs mit ein. Foto: WH

Altenbochum.  Im Goerdthof in Altenbochum fühlen sich Menschen mit Behinderungen gut aufgehoben. Große Feier zum 30-jährigen Bestehen

„Begonnen hat das Johanneswerk hier schon im Oktober 1957.“ Daran erinnerte Pastor Ingo Habenicht, Vorsitzender des Vorstands des Evangelischen Johanneswerks, bei seiner Festrede zum 30-jährigen Bestehen des Goerdthofs, das im Jahr 1982 zu einem Behindertenwohnheim wurde. Habenicht schaute dabei nicht nur zurück. Er hatte auch die Zukunft in Laer im Blick.

„Der ‘Jugendhof Ruhrgebiet’, wie unser Haus Ende der 50er Jahre hieß, war für jugendliche Flüchtlinge aus der DDR gedacht, die im Westen ein neues Leben beginnen wollten“, so Habenicht weiter. Der Jugendhof verstand sich als Eingliederungshilfe für die jungen Menschen bei der Ausbildungs- und Arbeitsuche. Mit dem Bau der Mauer im Jahr 1963 versiegte jedoch der Zustrom.

Deshalb entstand hier ab dem Jahr 1967 in Zusammenarbeit mit der Stadt eine „Anlernwerkstatt für behinderte Menschen“. Auslöser war die Einführung der Schulpflicht für geistig behinderte Kinder in NRW. „Diese Werkstatt entwickelte sich so gut, dass sie rund 15 Jahre später umziehen musste, weil sie mehr Platz benötigte“, erklärte Habenicht. Heute gibt es sie noch als „Altenbochumer Werkstätten“.

Das Ziel: eine größtmögliche Gleichstellung

Der heutige Goerdthof entstand erst dann – durch Umbau und Modernisierung – als Wohnangebot für Menschen mit Behinderungen. Das Ziel: eine größtmögliche Gleichstellung von behinderten Menschen mit anderen Bürgern – möglichst auch bei den Wohn-, Arbeits- und Freizeitbedingungen. Die ersten Leiter der Einrichtung, das Ehepaar Werner und Anneliese Danielzik, ließen deshalb von Anfang an Männer und Frauen zusammen leben. Damals ein Novum.

Innovativ mit entsprechenden Veränderungen blieb der Goerdt-hof. 1989 wurde die erste Außenwohngruppe gegründet. 1999 entstand für die Betreuung von Senioren eine eigene Gruppe, die heute von 23 älteren Menschen besucht wird. 2005 folgte die ambulante Betreuung des Goerdthofs in Bochum und 2006 in Herne. Hier werden heute 61 Menschen mit größtmöglicher Selbstständigkeit in ihren eigenen Wohnungen betreut.

Neubau an der Suntumer Straße

Die Arbeit in der Einrichtung entwickelt sich unter dem Motto „Vom Wohnheim zum Wohnverbund“ auch künftig weiter. An der Suntumer Straße entstehen deshalb nach Abriss der evangelischen Kirche (die WAZ berichtete) ein Neubau für 24 Bewohner. Habenicht: „Das heißt Abschied nehmen von großen Einrichtungen mit vielen Plätzen, um Inklusion durch kleinere Einheiten zu ermöglichen.“

Grußworte sprachen Pfarrer Johannes Ditthardt von der evangelischen Gemeinde und Diakon Christoph Göbel von der katholischen Pfarrei Liebfrauen. Martina Hickert und Thomas Dißelmeyer vom Bewohnerbeirat befanden zudem, dass sie seit Jahren gerne im Hause gewohnt haben. Martina Hickert weiter: „1982 habe ich das Haus miteröffnet.“ Seit 2010 wohnt die Frau in einer betreuten Außenwohngruppe.

Wicho Herrmann


Kommentare
Aus dem Ressort
Das Rätsel um die „Hollywoodstraße“ ist gelöst
„Hollywoodstraße“
Nach unserem Bericht letzte Woche über die Vinckestraße meldet sich Anwohner Herbert Grunwaldzu Wort und sorgt für Aufklärung, weshalb vor seiner Haustür alles so schön in Schuss ist
Die „Lindener Meile“ kann kommen
Stadtteilfest
Organisatoren des Lindener Spektakels haben ihre Planungen abgeschlossen. Volksfest entlang der Hattinger Straße findet vom 5. bis 7. September statt. Zahlreiche Programmhöhepunkte an allen Tagen: Mittelaltermarkt, Feuershow, Esther Münch, verkaufsoffener Sonntag, und vieles mehr
Stiepeler Knappen haben Geld fürs Dach zusammen
Malakoffturm
Rund 60 000 Euro wurden in den letzten Jahren gesammelt, um den Malakoffturm am Bliestollen künftig vor Regen schützen zu können. Bis Mai 2015 soll das neue Pyramidendach fertig sein. Derweil informiert jetzt eine Tafel vor dem steinernen Bergbau-Giganten über dessen Historie
Eine echte Marke in Mark
Seniorenheim
Das Heinrich-König-Zentrum besteht seit 30 Jahren und ist aus Weitmar nicht wegzudenken. Die Senioren fühlen sich hier „ein bisschen wie im Urlaub“. Die Zimmer sind komfortabel, die Belegschaft beständig und das Ambiente sehr herzlich. 133 Senioren leben am Wabenweg 14-16 – mehr geht nicht
Hier ticken die Uhren jetzt anders
Uhrmacher
Uhrmachermeister Willi J. Köhler aus Linden geht neue Wege und hat seine Werkstatt in den Verkaufsraum verlagert. Ein Konzept, das bei den Kunden ankommt. Sie können an der Hattinger Straße 795 nun live miterleben, wie eine Uhr repariert wird.
Umfrage
Die Initiative „Industrie Mittleres Ruhrgebiet“ schlägt vor, zur Sanierung der Stadtfinanzen die Gewerbesteuer zu senken, um Firmen anzulocken . Bochums Kämmerer ist hingegen für eine Erhöhung dieser Steuer. Was meinen Sie?
 
Fotos und Videos
Altenbochumer Vereine feiern
Bildgalerie
Stadtteilfest
Prunksitzung im Pater-Romanus-Stift
Bildgalerie
Fotostrecke
Hausbesetzer in Essen
Bildgalerie
Künstler
Tomorrowland 2014 - die besten Bilder
Bildgalerie
Elektro-Festival