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Der Orgeltausch von Weitmar

29.07.2012 | 16:29 Uhr
Der Orgeltausch von Weitmar
In der St. Franziskus-Gemeinde wird die alte Orgel abgebaut und nach Kattowitz in Polen geschafft. Foto:Frömgen

Weitmar.  St. Franziskus übernimmt das Kircheninstrument der Redemptoristen und gibt die eigene alte Orgel nach Polen ab. Eine Erbschaft macht’s möglich.

Viel Wirbel hatte es in den letzten Monaten um den kostspieligen Kauf der Redemptoristenorgel der Gemeinde St. Franziskus in Weitmar gegeben. Die alte Orgel aus den 1950er Jahrengalt als verschlissen. Nach einem Gutachten hätte die Restaurierung nicht viel weniger gekostet als eine Neuanschaffung. Etwa 400 000 Euro würde ein gutes Instrument schon kosten, das runde 100 Jahre erklingen soll.

Aber woher nimmt man heute in einer Kirchengemeinde das Geld, um eine gute Orgel zu erwerben? „Die Franziskusgemeinde hatte doppeltes Glück“: So versichert Pfarrer Norbert Humberg, nachdem die Kritik gegen den Austausch der verschlissenen Orgel laut geworden war.

Woher also stammt das Geld? „Es gibt das Testament einer verstorbenen Gönnerin in unserer Gemeinde, in dem für eine Anschaffung dieser Art 200 000 Euro hinterlassen wurden. Der Kirchenvorstand hat sich davon überzeugt, dass dieses Testament alle Sicherheiten erfüllt und die Stiftung angenommen.“ Die Redemptoristen, deren Kirche gerade abgerissen wird (die WAZ berichtete), hätten nicht gewollt, dass ihre Klaist-Orgel aus dem Jahr 1968 einfach so verramscht würde. „Sie sollte in der Nähe bleiben und die Erinnerung wach halten. Und weil auch der Preis stimmte, haben wir schnell ‘ja’ gesagt.“

„Davon werden die nächsten Generationen noch etwas haben“

Auf diese Weise fiel es der St. Franziskus-Gemeinde leichter, sich von der alten Orgel zu trennen. Sie ging als Schenkung in eine kleine katholische Gemeinde in der Nähe von Kattowitz in Polen.

Helmut Leo, der Kirchenmusiker in St. Franziskus, weiß aus Gesprächen mit den Freunden aus Polen, dass es dort exzellente Orgelhandwerker gibt, die die alte Orgel wieder auf Vordermann bringen: „Man wird dem Instrument dort drüben seine alte Klangfülle weitestgehend zurück geben. Von unserer neuen Klaist-Orgel, deren Restaurierung jetzt fast abgeschlossen ist, werden die nächsten Generationen noch etwas haben. Die Gemeinde darf sich wirklich freuen. Im Oktober werden wir sie mit einem festlichen Konzert einweihen. Und die Redemptoristen werden sich mit uns freuen.“

Der Vorsitzende des Stadtkatholikenrates Bochum/Wattenscheid, Lothar Gräfingholt, sieht den „Orgeltausch“ aufgrund der veränderten finanziellen Sachlage jetzt ein wenig anders als noch vor einigen Wochen. „Eine Orgel gehört einfach in jede Kirche, wenn sie sich so wie jetzt in St. Franziskus durch zielgerichtete Spenden finanzieren lässt. Sie wird auch in Zukunft mit dazu beitragen, dass das Gemeindeleben trotz der nicht zu übersehenden Probleme weiter lebendig bleibt. Kirchenmusik und Orgelklang gehören einfach mit dazu.“ Norbert Humberg, Pfarrer in St. Franziskus, weist darauf hin, dass er einem Orgelausbau in St. Michael Dahlhausen niemals zugestimmt hätte. „Diese Kirche bleibt erhalten. Unser Ziel ist, sie in Zukunft mit ihrer hervorragenden Akustik und der noch in gutem Zustand befindlichen Orgel stärker in das musikalische Leben des Südwestens mit einzubauen.“

Gisbert Frömgen



Kommentare
30.07.2012
11:05
Der Orgeltausch von Weitmar
von cgiesen | #1

Ich habe mich über diesen Artikel sehr gefreut. Weil er doch auch endlich diesen unsäglich schlechten und polemischen anderen Artikel zu diesem Thema klar stellt.

Jetzt hoffe ich nur noch, dass die Leserbrief Schreiber, die den Kirchenvorstand und den Pfarrer auf Übelste in dieser Sache beleidigt haben, sich auch entschuldigen!

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