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Trotz Urteil ist noch kein Ende in Sicht

29.05.2008 | 19:36 Uhr
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Balve/menden. Auch wenn gestern in dem Bruderprozess ein Urteil gesprochen wurde, beendet ist die Geschichte noch lange nicht. Denn der Unfall vom 17. ...

... März 2007 wird eventuell das Oberlandesgericht in Hamm, gewiss aber das Landgericht in Arnsberg beschäftigen.

Alles sah danach aus, als würde die unendliche Geschichte, in der ein 20-jähriger Balver die Hauptrolle spielte, weil er im März 2007 betrunken einen Zaun umgefahren haben soll und dann von der Unfallstelle flüchtete, gestern definitiv ihren Abschluss finden.

Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft war kurz und knapp: schuldig im Sinne der Anklage! Besonders negativ war für die Staatsanwältin, dass der Angeklagte mehrfach vorbestraft ist und unter lau-fender Bewährung steht. Vor diesem Hintergrund forderte sie ein Jahr und sieben Monate auf Bewährung, 800 Euro Geldstrafe sowie weitere sechs Monate Führerscheinentzug.

Verteidiger Dr. Frank Nobis hingegen plädierte auf einen Freispruch und holte wesentlich weiter aus. Er bezog sich auf das detaillierte und widerspruchsfreie Geständnis des Bruders, der den Unfallwagen gefahren haben will. Darüber hinaus ging der Anwalt auf die Aussage des Taxifahrers ein, der den Angeklagten eindeutig erkannt haben will. Der Gutachter kam jedoch zu dem Schluss, dass die Lichtverhältnisse nicht ausreichten, um den Angeklagten deutlich zu identifizieren. Zudem berief er sich auf eine Zeugin, deren Täterbeschreibung mehr zum Bruder als zum Angeklagten passte. Nach dem Rechtsgrundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" forderte Dr. Nobis Freispruch. Der Angeklagte beteuerte nochmals seine Unschuld.

Eine Stunde beriet der Vorsitzende Richter Hennemann mit den beiden Schöffen, dann verkündete er das Urteil: schuldig. Der Angeklagte muss nun 600 Euro an die Johanniter-Unfallhilfe zahlen und bekommt für weitere vier Monate den Führerschein entzogen. Das Gericht sei eindeutig zu der Überzeugung gelangt, dass der Balver, der zum Tatzeitpunkt 2,7 Promille im Blut hatte, der Unfallfahrer war. Begründung: Nach der Hauptverhandlung ergebe sich ein stimmiges Bild der Geschehnisse, der Bruder habe sein Geständnis vor Gericht nicht wiederholt, sondern zu der Tat geschwiegen.

Ob die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel einlegt, ist noch nicht geklärt, für die Verteidigung ist es hingegen klar. "Das war eine Konzessionsentscheidung", sagte Dr. Frank Nobis nach der Verhandlung. Der Angeklagte werde das Urteil nicht hinnehmen. Ob er nun Berufung oder Revision einlegt, ist noch offen. Auch eine Sprungrevision, bei der die landgerichtliche Instanz übersprungen wird, steht im Raum. Dann würden sich die Richter des Oberlandesgerichts Hamm mit dem Fall beschäftigen.

Von Stefan Scherer

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