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St.-Marien-Hospital

St.-Marien-Hospital Balve ist dem Tode geweiht

18.01.2012 | 12:38 Uhr
St.-Marien-Hospital Balve ist dem Tode geweiht
Foto: Stefan Scherer

Balve. Auch wenn der Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung im Märkischen Kreis, Thomas Wülle, gestern Nachmittag keinen Zeitpunkt nennen wollte, die Schließung des St.-Marien-Hospitals in den nächsten Wochen ist so gut wie sicher.

Geschäftsführer Wülle machte in der Pressekonferenz in Iserlohn klar: „Das St.-Marien-Hospital Balve muss geschlossen werden, damit die Katholische Hospitalvereinigung nicht in Insolvenz geht.“ Diese Erklärung gab er ab, nachdem die Firma Admed ihr Gutachten vorgelegt hatte. Aus der Expertise sei zu erkennen: Eine wirtschaftliche Fortführung des Balver Krankenhauses sei trotz der verschiedenen untersuchten Szenarien nicht möglich, und die erforderliche Steigerung auf 3 800 Patienten pro Jahr sei unrealistisch.

Nach Meinung der Gutachter können die finanziellen Verluste, die sich im vergangenen Jahr auch durch die Abfindung für Dr. Bernhard Genzel auf 1,4 Mio. Euro beliefen, lediglich reduziert werden. Das Krankenhaus sei nicht zu retten, auch mit neuen Fachrichtungen und Strukturen, wie beispielsweise Altersmedizin oder ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ).

Als die Mitarbeiter gestern Morgen durch Wülle von der bevorstehenden Schließung des Krankenhauses erfuhren, brachen einige der 100 Angestellten in Tränen aus. Denn sie fürchten um ihren Arbeitsplatz, auch wenn Wülle erklärte: „Wir werden natürlich versuchen, den größten Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter zu beschäftigen.“

Diese Aussage ist für den Vorsitzenden der Mitarbeitervertretung Heinz Bertsch nur ein schwacher Trost. „Obwohl wir damit gerechnet haben, dass das Gutachten die Schließung des St.-Marien-Hospitals zum Inhalt hat, so waren wir doch geschockt, als Herr Wülle uns am Dienstagmorgen offiziell informiert hat. Wir werden uns bereits am morgigen Mittwoch mit den anderen Mitarbeiter-Vertretern treffen, um zu beraten, wie es weiter gehen kann“, erklärte Bertsch auf Anfrage dieser Zeitung.

Wie es weiter gehen muss, damit beschäftigt sich auch der Bürgermeister der Stadt Balve, Hubertus Mühling, der über das Gutachten und die beabsichtigte Schließung des Krankenhauses am Montag informiert wurde und nach eigenem Bekunden eine schlaflose Nacht hinter sich hat.

Der jetzigen Situation ins Auge blickend, erklärte der erste Bürger der Hönnestadt gestern Abend: „Für mich ist der Tag des Herrn gekommen. Wir müssen uns jetzt selbst helfen, denn wegen der finanziellen Situation ist nicht davon auszugehen, dass uns die Vertreter der beiden Kirchengemeinden Iserlohn und Menden zur Seite springen und in der Gesellschafterversammlung für den Erhalt des St.-Marien-Hospitals stimmen. Damit uns die Zeit nicht davon läuft, müssen wir sofort an Plan B und C arbeiten, um die medizinische Versorgung in Balve weiterhin zu sichern.“

Darum ist auch der Kirchenvorstand der Katholischen Kirchengemeinde St. Blasius Balve bemüht. Er ließ ein zweites Gutachten erstellen. Lean-Management, ein Spezialist, wenn es um die Krankenhäuser geht, nahm in den vergangenen Tagen das St.-Marien-Hospital unter die Lupe. „Auf das Ergebnis warten wir noch“, sagt der 2. Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Andreas Fritz, der sich ebenso wie die anderen Mitglieder dieses Gremiums sehr schwer tut mit der Empfehlung der Gutachter, das Krankenhaus zu schließen.

Richard Elmerhaus


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