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Soziales

Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist

07.01.2010 | 11:00 Uhr

Arnsberg. Die neue Auszahlungspraxis für Ein-Euro-Jobber kann nachteilige Auswirkungen für Hartz-IV-Bezieher haben. Eine Arnsbergerin arbeitet deswegen für 80 Cent pro Stunde. Sie empfindet das als "moderne Sklaverei".

Mehr Geld — wer denkt bei diesen Worten nicht an bessere Zeiten? Für Kira Hellmann bedeutet die Anhebung des Entgelts für ihren Ein-Euro-Job um 35 Cent jedoch weniger Geld im Portmonee. Denn sie muss die Busfahrkarte zum Arbeitsplatz nun selbst bezahlen.

Moderne Sklaverei

Kira Hellmann aus Arnsberg hat seit dem Urteil des Bundessozialgerichts weniger Geld zur Verfügung. Foto: Ted Jones

Seit zwei Jahren arbeitet die 39-jährige Arnsbergerin als Ein-Euro-Jobberin beim Katzenschutzbund. Eigentlich ist sie arbeitslos und bezieht monatlich das Arbeitslosengeld II. Für Kira Hellmann kein Grund sich auszuruhen. Sie selbst gehöre nicht zu den Menschen, die gerne ihre Hände in den Schoß legen, sagt sie mit Nachdruck. Allerdings bescheinigen ihr Ärzte, aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nur für bestimmte Tätigkeiten einsetzbar zu sein. Da bot sich für die tierliebe Frau die Möglichkeit, als Ein-Euro-Jobberin beim Katzenschutzbund anzufangen geradezu an. Auch wenn sie die vom Hochsauerlandkreis finanzierten Tätigkeit als „moderne Sklaverei” empfindet. Die Beschäftigung ist es ihr wert. Die Pflege der Tiere, das Säubern der Katzenklos und das Auffüllen der Futterstellen gibt ihr das Gefühl, gebraucht zu werden.

Mit Beginn des neuen Jahres kam die erhöhte Mehraufwandsentschädigung für die Hartz-IV-Empfängerin, die für Kira Hellmann gleichbedeutend mit weniger Geld ist. Sie bekommt zwar 28 Euro mehr überwiesen, hat unterm Strich aber 20 Euro weniger. „Dass ich von dem Geld die Busfahrkarte selbst bezahlen soll, finde ich frech”, sagt sie empört. Auf die Monatskarte für den Bus kann sie nicht verzichten; anders gelangt sie nicht zur Arbeitsstelle.

Fatales Gerichtsurteil

Ursache für die Neuerung der Gelderzuteilung ist ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 15. November vergangenen Jahres. „Über die Neuregelung sind wir alles andere als glücklich”, sagt Martin Reuter, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Denn die Behörden könnten seitdem unflexibler reagieren. Vor dem Urteil konnten die Gelder seperat voneinander gerechnet werden. Neben dem einen Euro pro Stunde gab es für die Ein-Euro-Jobber obendrauf die Monatskarte für den Bus zur Arbeit. Seit dem Urteil aber muss nun ein Gesamtbetrag ausgezahlt werden, der sich nach einem festen Schlüsselsatz errechnet. Dabei wird davon ausgegangen, dass die betroffenen Hartz-IV-Empfänger 30 Stunden pro Woche arbeiten. In den meisten Fällen deckt dies die anfallenden Kosten.

Doch Kira Hellmann arbeitet beim Katzenschutzbund werktags jeweils vier Stunden und kommt pro Woche auf 20 Stunden Arbeitszeit. Nicht genug, um auf auf den vollen Satz zu kommen. Sie hat es sich ausgerechnet. Zieht man die Kosten für das Umweltticket - 46,10 Euro - ab, dann ergibt sich für sie eine Mehraufwandsentschädigung von 80 Cent pro Stunde. Insgesamt erhält die Arnsbergerin trotz gleicher Tätigkeit weniger Geld. Das hat Konsequenzen für Kira Hellmann. Sie spart jetzt an Lebensmitteln. Insgeheim hofft sie auf eine Lösung für ihren Fall. Das könnte schwierig werden. Martin Reuter: „Zwar gibt es Ausnahmeregelungen, aber eigentlich sind den Städten durch das Urteil die Hände gebunden.”

Stefan Rebein

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Kommentare
14.04.2010
19:45
Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist
von Bose | #226

mal an alle nicht harz 4 empänger....ihr schreibt immer dies könnte dann sauber sein etc.... warum machen wir nicht gleich einen kommunistischen staat auf??? dann wäre es für alle gleich.... schon mal darüber nachgedacht, das wenn 4 mio arbeitslose alles sauber machen würden und pflegen würden, bräuchten wir dann noch die stadtreinigung, straßenwartung etc....??? fragt doch mal diese leute die dort eine feste stelle haben, ob dann ihr job noch sicher wäre? oder die putzfrau in der schule.... laßt es doch harz 4 empfänger machen.....

ich würde sagen erst mal hirn einschalten bevor ihr so ein scheiß vom stapel lasst......
das problem liegt doch ganz wonders

04.03.2010
09:48
Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist
von oooliii | #225

#182. Dem ist nichts hinzuzufügen.

26.02.2010
14:53
Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist
von Peter2349875 | #224

Diese ganzen diskusionen über zuviel Hartz 4 gäbe es nicht wenn für ehrliche Arbeit vernünftige Löhne bezahlt würden, dann bekämen nämlich viele gar kein Hartz4 die aufstocken müßen, leider unterstützt unsere Politik ja die Arbeitgeber, da ist das Problem zu suchen dann hat nämlich auch jeder der Arbeitet mehr wie ein Hartz4 bezieher, leider glaubt das Volk das was Politiker vorlügen, die nur von den wahren Problemen ablenken wollen !

23.02.2010
19:41
Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist
von Alternativ | #223

Ich habe folgendes gehört: die Mehraufwandsentschädigung beträgt tatsächlich 1,25 Euro. PLUS Ticket 1000 Klasse A2! Das heisst: bei 20 Std./W (minimum) gleich 100 Euro Zugewinn/Monat, bei 30 Std./W (maximum) 150 Euro. Die Summe kann sich doch sehen lassen.

Und nicht zu vergessen solche Menschen, die diesen Job freiwillig annehmen, weil sie keinerlei Alternative haben! Also - ich würde es auch machen! Darum verstehe ich nicht, wieso die Dame, um die es hier geht, so wenig erhält? Vielleicht sollte sie langsam mal aufbegehren, schließlich erduldet sie es ja schon zwei Jahre - irgendwie doch ein wenig komisch. Denn, wie gesagt, 100 bzw 150 Euro mehr haben plus Ticket, evtl. mal ein anderes Aufgabengebiet als vorher (gibt ja nicht nur Parkplätze fegen) finde ich persönlich auch nicht uninteressant.

01.02.2010
22:56
Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist
von Onkel-Juerchen | #222

Hallo....
ich habe mir die Zeit genommen und hier mal alles durchgelesen.
Als erstes muss ich sagen, das ich froh bin einen ARbeitsplatz zu haben. AUch möchte ich erwähnen das ich nicht in HArtz4 kommen möchte....

Allerdings kann ich die Aufregung nicht so ganz verstehen von der Frau...
ich denke ich brauche nicht schon wieder eine Berechnung über Ihren tatsächlichen Stundenlohn aufstellen, denke da gibt es hier schon etliche...

Ich bin der Meinung, das man ALLE Hartz4-Empfänger an die Arbeit kriegen sollte.

Jede Innenstadt könnte sauber sein....
Jeder Spielplatz könnte Scherbenfrei sein...
Jede Grünanlage könnte gepflegt sein...
Jeder Gehweg könnte von Schnee befreit sein....

Wieso zeiht man denn die Hartz 4 Empfänger nicht für solche Arbeiten ran ????

Allerdings muss ich an dieser Stelle ganz klar sagen für einen vernünftigen Stundenlohn:
Komplette Bezüge aufrechnen und dann soviele Stunden arbeiten das ein Std.-Lohn von etwa 6-7 Euro rauskommt...mehr verdienen viele Hauptberufliche auch nicht...

Aber wenn man schon Geld bekommt, dann bitte auch Leistung dafür erbringen !!!!!

Servus
Onkel Juerchen

18.01.2010
04:29
Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist
von Gerhard derfrustrierte | #221

Ich habe vor 4 Jahren eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker begonnen und 2008 erfolgreich beendet. Dafür habe ich einen Kredit von 10000 € (Meisterbafög) aufgenommen um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren.
Als ich meinen Abschluss machte waren wir am Beginn der Wirtschaftskrise und es war keine Stelle in Aussicht. Ich habe mich daher auf alles mögliche hin beworben aber nichts bekommen.
Teil mit der Begründung dass es dem Hallenmeister nicht zuzumuten ist wenn ein Hilfschlosser einen besseren Abschluss hat als er.

In diesen 1,5 Jahren seit meinem Abschluss habe ich 2 mal einen 1Euro Job angenommen. Einmal durfte ich bei den Stadtwerken zusammen mit Straffälligen Jugendlichen Parkplätze fegen, wobei ich mich oft von diesen anpöbeln lassen musste.
Der zweite Job war als Hausmeistergehilfe in einem Krankenhaus. Hier wurde ich von den drei fest anstellten Hausmeistern wie der letzte Dreck behandelt und teils auch gemobbt, da schon einer ihrer Kollegen (es waren mal 4) seit Einführung der 1Euro Jobs entlassen wurde.

Aufgrund dieser Erfahrung halte ich von 1Eurojobs gar nichts mehr, denn sie unterlaufen die Tariflöhne und zerstören reguläre Arbeit.
Außerdem schüren sie sozialen Unfrieden.

Alle reden nur vom Geld. Als ob dass das einzig Wichtige im Leben eines Menschen wäre.
Was ist mit dem Recht auf Entwicklung, mit Karriere und sozialem Ansehen. Wie kann man von jemanden Motivation erwarten wenn man ihn im gleichen Athemzug als Sozialschmarotzer betitelt. Als nutzlose Zecke am ***** der Gesellschaft. Wenn man trotz motiviertem Einsatz für einen Euro die Stunde wie ein Streikbrecher und Asozialer Alki behandelt wird.
Ja wirklich: bei den Stadtwerken wurden alle Hartzer und Strafblagen jeden morgen mit einem Alkomaten auf Alkoholkonsum getestet.

Habe ich es nötig mich wie ein Strafgefangener behandeln zu lassen? Nur weil ich Arbeitsloss bin?
Was kommt als nächstes? Werden alle Arbeitslosen in Arbeitslagern kaserniert und in Marschkolonnen zum Müllsammeln auf Parkplätze gefahren? Vielleicht noch ne schicke Armbinde?

Ich bin frustriert und könnte kotzen wenn ich einige der hier geschriebenen Stammtischparolen lese. Wieso schimpft niemand auf Geldgierige Manager, die durch ihre Berufliche Unfähigkeit die Welt in die größte Finanzkrise aller Zeiten gestürzt haben. die sind schuld an der Vernichtung von zig. Milliarden Euro und Millionen Arbeitsplätzen.

PS: mein Einkommen sieht momentan wie folgt aus:
351 € Regelsatz + 254 € Miete +120 € MAE
=725 € Netto
das sind rund 6 € netto.

kein bezahlter Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine Rentenansprüche.
Keine Rechte gegenüber dem Massnahmeträger.
Keine Aussicht auf Karriere.
Keine Möglichkeit eine Familie zu gründen.

Die meiste Zeit sitze ich tatsächlich zu Hause und starre die Tapete an, oder schreibe sinnlose Bewerbungen.
Wenn ich dann aber den Fernseher einschalte und die Erdbebenopfer in Tahiti sehe, denke ich dass es mir im Vergleich noch relativ gut geht, denn ich bin am Leben und gesund. Mehr darf man heutzutage nicht erwarten.

12.01.2010
22:48
Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist
von CCE | #220

EIne kleine Anekdote: 10 firmen beschäftigten einmal je 10 möbelpacker und boten damit insgesamt 100 Arbeitsplätze an. Da erfand Peter sein Hartz, erst I, dann II, dann III, dann IV und daraufhin bemühte sich der Staat Langzeitarbeitslose stärker zu integrieren. Anders gesagt er verschenkte sogenannte Faulenzer an gemeinnützige Unternehmen. Das heißt Kosten tun sie schon, nämlich den Steuerzahler also dem Arbeitnehmer und Konsumenten, also allen die Beschäftigung stehen und selbst die armen Trottel selber bezahlen mit Mehrwertsteuer den Topf der letztendlich auch sie speist. Doch für die gemeinnützigen Unternehmen sind sie bis auf Kosten für Arbeitsmaterial und Fahrtkosten komplett kostenlos. Nichtmal 2,50€ Lohnnebenkosten müssen sie bezahlen, und das gefiel dem Volk, doch warum tat es dies? Weil gemeinnützige Unternehmen oder Einrichtung, ich sag mal salopp der Kinderschutzbund als Beispiel, in Krisenzeiten nicht gerade üppig bespendet sind, also durchaus eine vernünftige Sache, aus der Sicht eines Ehrenamtes geradezu ein Segen in diesen Zeiten. Doch Coup gelang den gemeinnützigen Einrichtungen das allein die Beschäftigung eines Langzeitarbeitssuchenden um seientwillen als schon gemeinnützig galt, denn diese Tatsache gab ihnen die Möglichkeit Kooperationen mit freien Wirtschaftsunternehmen einzugehen. Was sie zu bieten haben ist einmalig auf der ganzen Welt, billiger als China, kostenlose Arbeitskraft, die Arbeitskraft lebt weiterhin auf Kosten des Staates, du musst dich um nix kümmern außer den Stundenzettel zu unterschreiben und wenn du einfach kein Bock hast... dann hat er ein Problem ;) Wer bezahlts eigentlich überhaupt? Der Staat? Die Steuerzahler? Die ungeborenen Kinder? So viele Fragen zu jedem FInanzkollaps wieder, das hat die Allgemeinheit irgendwie noch nie Begriffen. Schuld ist immer der an dem man seine Wut am leichtesten ablassen kann, die Schwachen, die Behinderten, die Alten, die Arbeitslosen... scheiss Nazibrut... #1 ich hasse dich!

12.01.2010
22:10
Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist
von CCE | #219

Und die logische KOnsequenz die die Presse daraus bastelt ist: Sozialauswahl bei Kündigung blockiert die freie Wirtschaft, denn gäbs das nicht würden sie Väter mit Kindern eher einstellen. Tut weh aber ist so!

12.01.2010
22:07
Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist
von CCE | #218

Als HartzIVler wirst gerade auch von den meißten Personen in den Ämtern oder auch halt allgemein hin wie ein Stück Scheisse angesehen, es gibt nur eine Möglichkeit wie die Behörden deine Würde noch mehr verletzten könnnen, wenn du auch noch unterhaltspflichtiger HartzIVler bist..... Muha wieso geht der Staat eigentlich nicht mal hin und fordert eine soziale Auswahl bei der Arbeitseisntellung bei Unternehmen. Meine Erfahrung ist das die meißt fragen ob man Kinder hat und dass sie falls ja eher abgeneigt sind dich einzustellen, weil du in Deutschland schwerer kündbar bist. Mit Förderung ist auch nix, lieber solslt du dich an Leeiharbeit verfüttern als dass sie dir ne Microsoft oder Linux Schulung spendieren, wobei es dann natürlich die Leute hinterhergeschmissen bekommen vom Amt, die schon Berufserfahrung haben. Wenn ich shcon den Term das liegt im persönlichen Ermessen des Fallmanagers höre krieg ich eh das kotzen. Hab auch keine Lust mehr mich mit den Vorstellungen von ArbeitNEHMERN rumzuschlagen die sich HartzIV schönreden und unbewusst die Hose so vollgeschissen haben dass sie ihre Mutter töten würden um nicht arbeitslos zuw erden.

12.01.2010
20:39
Wenn der Ein-Euro-Job nur noch 80 Cent wert ist
von CCE | #217

Macht euch mal den Kopp das der soziale Dienst einer 1€-Stelle Empfänger einer kostenlosen Leistung des Staates ist, nämlich die Leistung einer Arbeitskraft. Die 1€ des Maler und Lackierers bezahlt nicht die abgewrackte Hauptschule die an der Fassade nen neuen Anstrich braucht, und wenn es nicht so liefe würde es nie jemand tun auch wenn es eigentlich jemand tun müsste, doch bekanntlich ist nirgendwo Geld da. Also der Staat bezahlt diese Stelle und der soziale Dienst profitiert und das völlig zurecht, find ich gut, nichtsdesto trotz sind in Deutschland Fahrtkosten zur Arbeitsstelle imemrnoch Aufwendungen des ArbeitGEBERS und nicht des Arbeitnehmers. Die Aufwandsentschädigung bekommst du ja auch für die Zeit die DU aufwendest also PLUS Anreise/Abreise ggf. Vorbereitung und nciht nur die Stunden die die Maßnahme dauert. Meißtens dauert dieMaßnahme täglich real eh weniger als auf dem Stundenzettel so dass man sich da unkompliziert einigt.

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