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Die Stadt wird "Sterne" sehen

15.03.2010 | 08:00 Uhr

Arnsberg. Die Stadt wird Sterne sehen, wenn 2010 als „Kulturjahr Galileo” ausgerufen wird. Denn in der Klosterbibliothek Wedinghausen hat bereits vor dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges das Buch „Sidereus Nuncius” (Sternenbote) des berühmten Astronomen Galileo Galilei gestanden.

Die Stadt wird Sterne sehen, wenn 2010 als „Kulturjahr Galileo” ausgerufen Das Buch war - wie berichtet -unlängst in der Landes- und Universitätsbibliothek in Münster gefunden worden. Dorthin war es 1803 nach der Säkularisation und der Auflösung des Klosters gelangt. Am 12. März 1610, also am vergangenen Samstag vor 400 Jahren, hatte Galileo das Vorwort für dieses Buch unterzeichnet, das dann in einer Auflage von rund 550 Exemplaren gedruckt wurde. Er hatte mit einem Teleskop-Fernrohr den Mond beobachtet und festgestellt, dass der ebenso uneben ist wie die Erde, um die er sich dreht. Galilei bestätigte damit nicht die Erkenntnisse von Nikolaus Kopernikus, meinte aber, er könne wohl recht haben. Das stand freilich im Widerspruch zur Lehre der katholischen Kirche, die ihn dafür später unter Hausarrest stellte.

Nicht hinterm Mond

Im Innentitel des Buches findet sich der Name des Mönchs (Chorherrn) Sebastianus Menge aus Arnsberg, Professor an der Klosterschule und später Pfarrer in Hüsten. Das belegt, dass man sich im Kloster mit den neuen Erkenntnissen von der Welt auseinandergesetzt hat. Arnsberg lag also keinesfalls hinterm Mond.

Drei Dinge haben damals die Welt an der Schwelle zur Neuzeit verändert: Die Entdeckung Amerikas, die Reformation und mit ihr die Enteignung der Kirche und der Klöster und die Erfindung des Teleskops, mit dem letztlich die Frage „Wo befindet sich die Erde?” beantwortet werden konnte.

Ausstellung geplant

Mitte November, so der Zeitplan von Stadtarchivar Michael Gosmann und Kulturbüroleiter Peter Kleine, soll in Wedinghausen selbst eine Ausstellung um den „Siderus Nuncius” stattfinden, die den Weg des neuen Wissens in die Region, dessen geistiges und geistliches Zentrum Arnsberg und das Kloster seinerzeit waren, nachzeichnet. Wedinghausen als Ort, an dem Glaube, Kultur und Wissen zusammenkommen.

Partner der Ausstellung werden der aus Freienohl stammende Historiker Reinhard Feldmann, Leiter der historischen Buchbestände der Landes- und Universitätsbibliothek in Münster, die Fachhochschule Südwestfalen in Meschede/Kommunikationstechnik und Prof. Bredenkamp, Kunsthstoriker an der Universität in Berlin, sein. „Wir wollen das Buch” - übrigens bereits bei der amerikanischen Weltraumbehörde NASA in Houston/Texas und in Wien bestaunt - „zum Sprechen bringen”, sagt Peter Kleine. Bereits im Internationalen Kunstsommer soll das Thema „Galileis Sterne” künstlerisch aufgegriffen werden.

Die Galilei-Ausstellung wird nach dem „Gero-Codex” ein weiterer Höhepunkt sein, der im Kloster/Stadtarchiv gezeigt wird. Reinhard Feldmann: „Wer den Gero-Codex ausgestellt hat, kann auch alles andere ausstellen.”

Theo Hirnstein


Kommentare
16.03.2010
11:57
Die Stadt wird Sterne sehen
von vom arnsberger | #1

Mit aller macht wird hier versucht dem Kloster Leben einzuhauchen.
Eigentlich hat die Stadt ja kein Geld, aber für solche Sachen wird dann
auch noch eine höhere Neuverschuldung in Kauf genommen.
Mit solch einer Politik wir das in Arnsberg nie was.
Der Maßnahmenkatalog des Stadtkämmerers vom Feb. 2010 ist wohl
schon Schnee von gestern ? Durch solch extravagant Projekte werden
alteingessene Einrichtungen wie z.B.die Wochenmärkte aufs Spiel
gesetzt. Es bleibt auch noch zu hoffen, daß hier keine Studiengebühren
der FH Südwestfalen dem Zweck entfremdet werden.

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