Zurück in die Zukunft
20.10.2010 | 16:47 Uhr 2010-10-20T16:47:00+0200
Recklinghausen. Essen ist heute und morgen die Fußball-Hauptstadt Deutschlands.
Der Bundestag, das höchste Gremium des Deutschen Fußball Bundes, tagt in der Philharmonie der Ruhrmetropole. 260 Delegierte, darunter 13 aus Westfalen, geben die Richtung des Verbandes für die nächsten drei Jahre vor. Punkt 9 der Tagesordnung sieht eine der brisantesten Themen des 40. Bundestages auf. Es geht um „Anträge zur Spielklassenstrukturreform“.
Eine Debatte, die auch die drei höchstklassigen Vereine der Region, VfB Hüls, Spvgg. Erkenschwick und SV Schermbeck, betreffen können. Es geht um nicht weniger als die mögliche Abschaffung der Regionalliga, was in letzter Konsequenz eine Aufwertung der NRW-Liga bedeuten würde. Sie wäre nicht mehr die 5., sondern wieder die 4. Liga. So wie früher die Oberliga Westfalen. Ein Upgrading sozusagen zurück in die Zukunft. „Viele lechzen nach der alten Oberliga Westfalen und der Oberliga Nordrhein“, sagt Horst Darmstädter. Auch der Fußball-Chef des VfB Hüls könnten sich eine Rückkehr zu den alten Strukturen vorstellen. „Auch wenn dann ein Hauen und Stechen um die Qualifikationsplätze entstehen würde. Und derzeit wären wir wohl nicht in der Lage, einen Platz zu erreichen.“
So weit aber ist es noch nicht. Erst einmal wird diskutiert. Angeschoben hat die Debatte der Bayrische Fußball Verband. Er beantragt, die dreigeteilte Regionalliga zu streichen und acht Oberligen unter Leitung der Regional- und Landesverbände unterhalb der drei Profiligen einzurichten. Daneben gibt es zwei weitere Vorschläge: Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletik-Verband plädiert für eine Beibehaltung der Struktur; allerdings sollte nach seiner Vorstellung eine der drei Regionalligen ausschließlich aus Zweitmannschaften der Profivereine bestehen. Damit würde also quasi eine eigene Spielklasse für die U 23-Teams etabliert. Antrag Nummer drei hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) eingebracht. Dessen Kern: Beibehaltung der drei Regionalligen in ihrer bisherigen Anordnung.
Darmstädter plädiert
für Strukturreform
Es ist kein Wunder, dass streitbarer Verfechter der Amateurinteressen, wie es Horst Darmstädter ist, vom DFL-Vorschlag gar nichts hält. Den beiden anderen Varianten stimmt er zu: „Ich habe sie gelesen und kann beiden etwas abgewinnen. Auf jeden Fall muss sich etwas ändern, weil es einfach nicht sein kann, dass die Zweitmannschaften der Profivereine die Ligen aufmischen und keinen Cent dazu beitragen, dass es den anderen Vereinen gut geht. Die bringen doch auch gar keine Zuschauer mit. Noch weniger als der VfB Hüls. Null.“ Es müsse eine eigene Liga für die Amateure her, „die natürlich attraktiv gestaltet werden muss“.
Stefan Blank stößt ins gleiche Horn. „Es wäre schon wünschenswert, wenn die Zweitmannschaften in einer eigenen Liga spielen würden, weil sie bei Auswärtsspielen einfach keine Zuschauer mitbringen. Und das ist für die Amateurklubs, die zum Teil ihren Etat aus diesen Einnahmen bestreiten und darauf angewiesen sind, höchst unglücklich.“
Blank glaubt nicht
an Veränderungen
Allerdings glaubt der Sportliche Leiter der Spvgg. Erkenschwick an keinen wesentliche Wandel auf dem Bundestag. „Dass sich etwas ändern wird, glaube ich nicht.“ Er hofft aber darauf, dass mittelfristig immerhin verlässlichere Regularien für die NRW-Ligisten herausspringen könnten: „Es wäre schon gut, wenn wir in der NRW-Liga eine verbindliche Zahl der Absteiger haben würden und nicht darauf angewiesen wären, wieviele West-Vereine aus der Regionalliga herunterkommen. Und nachdenken könnten man auch darüber, die Liga auf 20 Mannschaften aufzustocken, damit die Zahl der Spiele und der Einnahmen wächst.“
Der DFB hat derweil eine eigene Vorstellung davon, wie die Dinge geregelt werden können. Er schlägt vor, entweder die Zuständigkeit für die Regionalliga von der Saison 2012/13 an wieder an die Regional- und Landesverbände zurückzugeben. Die Auflagen der Bundesspielkasse für die Vereine entfielen damit. Außerdem soll die Zahl der Regionalliga-Staffeln von drei auf fünf steigen. Alternativ kommt aus Frankfurt der Vorschlag, mit einer Resolution den „konkreten Arbeitsauftrag für eine grundsätzliche Strukturänderung“ auf den Weg zu bringen. Ein Außerordentlicher Bundestag könnte sich Frühjahr 2011 mit dem Thema befassen. Die drei Anträge aus Bayern, Westfalen und von der DFL blieben bestehen.
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