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Leichtathletik-DM

Julian Reus’ großer Auftritt kam spät

17.06.2012 | 19:14 Uhr
Julian Reus’ großer Auftritt kam spät
Der enttäuschte Wattenscheider und DM-Vierte Christian Blum (M.), „eingerahmt“ vom Teamkollegen und Bronze-Gewinner Julian Reus sowie dem Sprint-Sieger Lucas Jakubczyk.

Der Ärger, nicht den Gold-Coup über 100 Meter nicht gelandet zu haben, war einen Tag später verraucht: Schließlich entschädigen Staffel-Gold und Gold über 200 m, das er am Sonntagabend überraschend holte, für die Enttäuschung: „Ich habe gefightet, hatte eigentlich mit nichts gerechnet. Da tat es mir gut, ohne Druck zu laufen.“

Wer beim 100 m-Sprint der Männer am Samstagabend ganz nah dran war an der Ziellinie, konnte sich nach dem packenden Foto-Finish von Aleixo Platini Menga und Lucas Jakubczyk ein Lächeln nicht verkneifen. Der Leverkusener mit Wurzeln in Angola schrie seinem Kontrahenten in amerikanischem Rap-Slang mehrere Sätze der Freude entgegen. „Yeah, you got it, baby!“ - Super, du hast es geschafft! Jakubczyk hatte in der wohl knappsten Entscheidung dieser DM sein Knie ein Stück weiter vorn - und somit Gold geholt. Beide knackten mit 10,16 Sekunden die Olympia-Norm, ernteten auch von den Zuschauern viel Applaus für die Jubelposen nach dem Sprint. „Es war gigantisch, ein geiles Rennen“, sagte Menga später in der Mixed Zone.

Die Wattenscheider Sprinter Julian Reus und Christian Blum waren zu diesem Zeitpunkt nicht ansatzweise so freudig gestimmt.

Wie gern hätte das Duo, das auch privat gut befreundet ist, am Samstag wohl einen solchen Auftritt hingelegt - vor allen Freunden, Teamkollegen, Verwandten in der Lohrheide? Reus holte Bronze, Blum wurde Vierter. Und vor allem Reus musste seinem Ärger Luft machen, nachdem er kurz zuvor noch einigen Journalisten sachlich Rede und Antwort gestanden hatte. Der 24-Jährige schimpfte wie ein Rohrspatz.

Über sich selbst.
„Ich riskiere zu viel, versuche alles mit der Brechstange. Im Vorlauf habe ich mir noch die Zeit genommen, meinen Schritt zu finden“, raunte Reus, der ein Zehntel hinter Jakubczyk einlief und drei Hundertstel vor Blum lag, einem Freund zu.

Der Ärger, nicht den Gold-Coup gelandet zu haben, dürfte aber schnell verraucht sein: Schließlich entschädigen Staffel-Gold und Gold über 200 m, das er am Sonntagabend überraschend holte, für den enttäuschenden 100 m-Lauf: „Ich habe gefightet, hatte eigentlich mit nichts gerechnet. Da tat es mir gut, ohne Druck zu laufen.“

Reus hatte Platini im 100 m-Vorlauf noch deutlich hinter sich gelassen, mit 10,25 Sekunden sogar eine persönliche Saisonbestleistung auf die Bahn getackert: „Damit war ich auch sehr zufrieden.“

Zudem steigerte sich der Leverkusener Kontrahent im Finale „mal eben“ um fast zwei Zehntel, während Reus in seiner Zeit stagnierte. 01-Routinier Alexander Kosenkow übrigens sagte seinen Start wegen einer Kehlkopfentzündung ab.

„Bei einer DM zählen nur die Platzierungen. Ich kann mich über Rang vier nicht freuen“, sagte Christian Blum frustriert. Er hat, im Gegensatz zu Reus, die EM-Norm noch nicht gestemmt: „Ich habe mich nur auf die DM konzentriert. Mal sehen, wie es jetzt weiter geht.“

Die Riege der Wattenscheider Enttäuschten ist damit allerdings noch nicht abgeklappert: Auch Yasmin Kwadwo (11,49 sek.) machte sich nach ihrem Sprintfinale über 100 Meter schnell aus dem Staub. Sie ist nach langwierigen Rückenproblemen immer noch nicht in der Spur, wurde Fünfte: „Das ist scheisse. Fast drei Zehntel hinter Verena Sailer einzulaufen, ist bitter“, wählte die 20-Jährige deftige Worte und verwies auf die Siegerin der MTG Mannheim (11,22 sek.), die gemeinsam mit Tatjana Pinto (LG Ratio Münster/11,26 sek.) dem gesamten Feld die Hacken zeigte.

„So ist das eben, wenn man nicht vernünftig trainieren kann“, suchte Kwadwo nach Gründen für die enttäuschende Platzierung. Ihr schwante schon nach dem Vorlauf (11,60 sek.) Böses: „Inzwischen bin ich schmerzfrei, aber jetzt laufe ich schlecht. Hinten raus werde ich schwach. Da fehlt mir die letzte Kraft.“ Olympia ist so in weite Ferne gerückt - „dabei war das doch mein Ziel“, zuckte die sympathische Sprinterin ratlos mit den Schultern. Auch zur EM nach Helsinki geht es wohl nur als Staffel-Ersatz.

Natürlich ärgerte sich auch Kwadwo über die Wind-Lotterie, die einige Wettkämpfe beeinflusste. Pünktlich zu den Sprint-Finals hatte es zudem noch angefangen, stark zu regnen: „Aber ausschlaggebend für die Zeit war das nicht.“

Der Stimmung auf den Rängen tat das keinen Abbruch. Während am Nachmittag wenige Entscheidungen anstanden, wurde es am frühen Abend laut - und spannend.

Felix Groß



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