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Jens Vieler läuft wieder

Eine "TorTour" quer durch das Ruhrgebiet

08.05.2008 | 12:00 Uhr
Eine "TorTour" quer durch das Ruhrgebiet

Hohenlimburg. Gelaufen ist er schon um den halben Erdball. 99 Marathons und „Ultras” hat er hinter sich - in der Wüste Marokkos, am Mont Blanc oder quer durch die Bundesrepublik.

Am Pfingstwochenende ist Jens Vieler nicht nur Läufer, sondern auch Organisator. Aber die 230 Kilometer zwischen Duisburg und Winterberg werden eine Tortour. Eine „TorTour de Ruhr”.

Info
Laufen, weil es im Rücken "zwackte"

Weil es "im Rücken zwackte", begann der Angestellte der Fernuniversität Hagen im Jahr 1998 mit dem Laufen.

Seine ersten Wettkampferfahrungen sammelte er vor der Haustür beim traditionellen "Herbstwaldlauf" des Elseyer Turnvereins und beim Herdecker Nikolauslauf im Jahr 1999. Nur ein Jahr später stand der erste Halbmarathon auf dem Programm, ein Jahr später absolvierte der IT-Fachmann im Hunsrück den ersten Marathon. Inzwischen ist die Liste der Ultraläufe ebenso lang wie außergewöhnlich: 2003 Swiss-Alpine (78 Kilometer), 2004 Marathon des Sables (240 Kilometer in 6 Etappen) durch die Sahara, 2005 und 2006 Deutschlandlauf, 2007 Ultra Trail du Mount Blanc sind nur einige Höhepunke der vergangenen Jahre.

Erst vor wenigen Tagen sah man den 41-Jährigen mit Rucksack entlang der Hauptstraße zwischen Hagen und Hohenlimburg laufen. Training für den großen Pfingstlauf entlang der Ruhr? „Nein, ich hab einfach nur kein Auto gehabt und bin von der Arbeit nach Hause gelaufen.” Die sieben Kilometer zwischen der Fernuniversität und dem Ortsteil Elsey reichen dem IT-Fachmann noch nicht einmal zum Warmwerden.

Ins Schwitzen kommt der Familienvater in diesen Tagen dennoch. Denn am Pfingstsamstag um 8 Uhr fällt der Startschuss „seines” Laufs. Am Duisburger „Rheinorange”, dort wo die Ruhr in den Rhein mündet, schickt er 20 Ultramarathonläufer auf die 230 Kilometer lange Strecke quer durch das Ruhrgebiet - über Mülheim, Bochum, Witten, Hagen, Schwerte, Menden, Arnsberg und Olsberg bis nach Winterberg, wo die Ruhr nahe Elkeringhausen entspringt.

Maximal 40 Stunden wird die „TorTour de Ruhr” dauern, die im Wesentlichen auf dem Ruhrtalradweg verläuft. Was seine Laufkollegen erwartet, weiß Vieler nur zu gut, denn im vorigen Jahr hat er sich selbst auf die Strecke gewagt. In umgekehrter Richtung, also von Winterberg nach Duisburg lief er die 230 Kilometer nonstop in 33 Stunden, zehn Minuten und 13 Sekunden. Als er in der Nachmittagssonne das Rheinorange küsste, musste sich sogar der erfahrene Ultramarathonäufer ein Tränchen verdrücken.

Jens Vieler, Ultramarathonläufer aus Hohenlimburg.

Nicht nur in Läuferkreisen sorgte er damals mit dieser Aktion für Aufsehen. Spontan trudelten Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet ein, ob es die „TorTour de Ruhr” nicht als offizielle Laufveranstaltung und Wettkampf geben könne. Ein Nonstop-Lauf über die fünfeinhalbfache Marathondistanz hat es bislang in Deutschland noch nicht gegeben. Sofort machte sich der Hohenlimburger an die Planung. „Was danach kam, hat mich schlichtweg überwältigt.” Innerhalb kürzester Zeit war das Teilnehmerfeld ausgebucht. Und wer am Samstag an den Start geht, zählt zum Besten, was die Ultralaufszene in Deutschland zu bieten hat: Trans-Europa-Läufer, Sechs-Tage-Läufer, sogar Mitglieder der 24-Stundenlauf-Nationalmannschaft gehen am Samstag in Duisburg an den Start.

Die Regeln sind klar definiert: „Irgendein komisches Regelwerk praxisfremder Bürokraten gibt es nicht. Verpflegen kannst du dich überall dort, wo du etwas brauchst. Verboten ist, Müll in die Gegend zu werfen und die Wegstrecke abzukürzen.” Bei aller sportlichen Höchstleistung kommt der Spaß nicht zu kurz. Jens Vieler hat der Ausschreibung eine Liste aller Tankstellen entlang der Wegstrecke beigelegt, „damit niemand verdurstet.” Wichtig auch: „Für die Eisdiele wird Kleingeld benötigt.”

Verpflegungspunkte werden unter anderem am Hengsteysee, auf der Ruhrbrücke bei Geisecke, in Fröndenberg, Neheim und Bestwig eingerichtet. Wann die Läufer dort auftauchen, lässt sich kaum sagen. Sogar eine kleine „After-Show-Party” ist im Zielbereich organisiert. Und wer zu müde ist zum Feiern, wird auch den Komfort der Feldbetten in der Winterberger Bundeswehrkaserne zu schätzen wissen, die Vieler eigens für den „TorTour de Ruhr”-Tross angemietet hat.

Weitere Infos im Internet unter http://www.tortourderuhr.de/.

Christian Janusch

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