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Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft

13.11.2012 | 20:37 Uhr
Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
Wird kritisch gesehen: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: Joern Pollex/Getty Images

Amsterdam/Essen.  Für Bundestrainer Joachim Löw ist das Duell mit dem Rivalen Niederlande ein bedeutsames Spiel. Doch die Rahmenbedingungen sind nach der Absageflut annähernd katastrophal. Die Frage, ob dies als Alibi zugelassen wird, sollte das Spiel in Amsterdam mit einer DFB-Pleite enden, bleibt offen.

Es sah nach Arbeit aus. Vielleicht war das auch gewollt. Zumindest nahm Bundestrainer Joachim Löw, vor nicht allzu langer Zeit noch zur Mode-Ikone und zum Dandy stilisiert – dessen körperbetonte Hemden und Schals zu Kultobjekten hochgejazzt wurden – plötzlich im arg mediokren blauen Trainingsanzug im Amsterdamer Marriott Hotel seinen Platz ein. Er war gekommen, um vor dem letzten Länderspiel des Jahres in den Niederlanden am heutigen Mittwoch (20.30 Uhr/live in der ARD und im DerWesten-Ticker) Bericht zu erstatten über die angespannte Lage der deutschen Fußball-Nation.

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Reus wird wohl Klose im DFB-Sturm ersetzen

Nach den vielen Absagen muss Bundestrainer Joachim Löw die Nationalelf im Spiel gegen die Niederlande umbauen. Als einzige Spitze wird wohl Marco Reus von Borussia Dortmund auflaufen. Lukas Podolski ist wohl eher ein Kandidat für die linke Seite im Mittelfeld.

Es ging weniger um rauschhaften Kombinationsfußball, um offensive Kreativität, das Wort der Stunde heißt „Balance“. „Wir müssen defensiv lernen“, sagte der Mann im Trainingsanzug. „Wir müssen künftig die Balance finden.“ In Anbetracht von 22 Gegentoren in 13 Spielen ist das keine sonderlich exklusive Einsicht. Aber seit auch aus dem inneren Mannschaftskreis  Forderungen nach einer defensiveren Grundausrichtung zu vernehmen sind, hat sich die Stimmungslage weiter verschärft.

Es ist ja eine merkwürdige Gemengelage eingetreten in den vergangenen fünf Monaten. Der 52-Jähige, jahrelang heroisiert, wird seit dem Aus im EM-Halbfinale überaus kritisch gesehen. Und das spektakuläre 4:4 gegen Schweden mit einer desaströsen halben Stunde nach zuvor 60 Minuten Traumfußball wird nunmehr unter dem Eindruck eines Debakels erinnert.

DFB-Elf zerlegte Niederländer im November 2011

Für Löw ist das Duell mit dem Rivalen Niederlande daher zuvorderst ein atmosphärisch bedeutsames Spiel, das die Debattenrichtung bis zum nächsten Test im Februar 2013 in Frankreich bestimmen wird. In etwa so, wie es das letzte Aufeinandertreffen tat: Im November 2011 zerlegte die DFB-Elf die ersatzgeschwächten Niederländer (damals noch unter Bert van Marwijk) in Hamburg künstlerisch besonders wertvoll mit 3:0 – und anschließend warf der Boulevard die Frage in den Raum, ob diese Elf auf dem Weg zum EM-Titel überhaupt noch aufzuhalten wäre.

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DFB-Klassiker gegen Niederlande droht zur Farce zu werden

Die Stimmung bei Joachim Löw dürfte wenig freudig sein. Insgesamt zehn Ausfälle hat der Bundestrainer im Länderspiel gegen die Niederlande am Mittwoch zu beklagen. Neben dem langzeitverletzten Mario Gomez und dem gesperrten Ron-Robert Zieler hagelte es weitere acht Absagen.

Ein Jahr später aber deuten die Vorzeichen in die entgegengesetzte Richtung. Die Rahmenbedingungen sind nach der Absageflut annähernd katastrophal. Doch die Frage, ob dies als Alibi zugelassen wird, sollte die Partie in Amsterdam mit einer sportlichen Pleite enden, bleibt offen. Denn das Duell mit dem fußballerisch so ungeliebten Nachbarn ist per se dann doch zu aufgeladen. Und dafür sind die Namen der deutschen Elf,  die in Amsterdam aufläuft, dann trotz allem auch noch zu klangvoll. Insbesondere die Dortmunder Fraktion wird nach den Absagen von allein vier Bayern-Profis den Takt angeben. So dürfte Marco Reus, nachdem mit Miroslav Klose der letzte nominelle Stürmer die Regeneration vorgezogen hat, als verkappte Sturmspitze in vorderste Front rücken. Zudem werden Mario Götze (anstelle von Mesut Özil) in der offensiven Zentrale sowie die defensiveren Kräfte Ilkay Gündogan und Mats Hummels in der Startformation erwartet. 

Robben sieht Deutschland „ein bisschen weiter“

Die These von den starken Deutschen wird ja kräftig befeuert durch die Aussagen der niederländischen Eliteprofis, die es sich wie Arjen Robben in der Außenseiterrolle kommod eingerichtet haben: „Deutschland ist ein bisschen weiter als wir“, sagte der Bayern-Profi. Zudem haben die Niederländer haben mit Robin van Persie  und Wesley Sneijder in der gerühmten Offensivabteilung zwei prominente Ausfälle zu beklagen.

Nationalelf
Löw kontert van Gaals Seitenhieb elegant

Bundestrainer Joachim Löw hat auf die Kritik des niederländischen Nationaltrainers Louis van Gaal mit Feinsinn reagiert. "Für einen Nationaltrainer ist es auch wichtig, dass er sich für ein Turnier qualifiziert. Das hat er beim ersten Mal, glaube ich, nicht getan", sagte Löw.

Vor allem aber sitzt nun Louis van Gaal auf ihrer Bank. Der Mann, dessen Selbstbewusstsein das Ausmaß des Ozonlochs  locker übersteigt, hatte in den letzten Tagen wieder einmal eine Kostprobe seiner unnachahmlichen Nonchalance abgeliefert. „Er hat noch nicht viel gewonnen“, sagte van Gaal, als er um eine Einschätzung zu Löw gebeten wurde.  „Ich denke, dass ein Trainer viel gewinnen muss, um ein legendärer Trainer zu sein.“ Der Subtext lautete: So wie ich. Dabei schleppt van Gaal aus seiner ersten Amtszeit als Bondscoach (2000-2002) eine weiche Stelle mit –  die verpasste WM-Qualifikation.  Löw hat sie getroffen. Van Gaal sei ein guter Trainer, entgegnete Löw und fügte lächelnd wie boshaft an:  „Für einen Nationaltrainer ist es auch wichtig, dass er sich für ein Turnier qualifiziert.“

Dirk Graalmann


Kommentare
14.11.2012
15:59
bribius | #2
von peerkeinstueck | #9

Nicht nur bei einer Niederlage muss Löw zurücktreten, sondern auch bei einem Sieg.

Schließlich ist ein großer Teil der WAZ-Leser schon lange mit seiner Frisur und dem Dialekt unzufrieden.

14.11.2012
14:02
Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von Rahn1907 | #8

Die Kommentarfunktion für die "Ich weiß alles besser und bin DER Trainer für die Nationalmannschaft" ist wieder eröffnet. Vom Sofa aus vorm riesigen LCD Farbfernsehen kann man schon einmal gerne den Trainer raushängen lassen. Dort steht man nicht in der Verantwortung sondern sitzt neben der Kanne Bier und kann gepflegt schimpfen.

Einen besseren Bundestrainer als Löw haben wir im Moment nicht.
Wobei hier einige scheinbar selber die besseren Trainer sind.

Man ist das hier immer ein Elend. Im Internet rumpöbeln ist so einfach, ne? Die Kommentarfunktion sollten unter den Artikeln ausgestellt werden. So bleibt der ganze Hirnlose Mist in den eigenen vier Wänden.

1 Antwort
Absolute Zustimmung!
von Forwhomthetollbells | #8-1

So ist es.

14.11.2012
10:55
#5 Plem Plem
von TomBVBorussia | #7

sprech deinen Nicknamen mal doppelt hinternander aus-das kommt deinem Kommentar sehr nahe

14.11.2012
10:21
Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von buntspecht2 | #6

0-2

14.11.2012
10:10
Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von Plem | #5

Wie ich gehört habe, hat Marcel Schmelzer wegen seiner noch offenen stehenden Klavierunterrichtsstunden absagen müssen...

1 Antwort
Plem Plem
von TomBVBorussia | #5-1

sprech deinen Nicknamen mal doppelt aus ..das kommt deinem Kommentar sehr nahe

14.11.2012
10:10
Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von silver_surfer | #4

Immer diese dummen Fussballfans. Schaut euch doch mal die Statistik an - klar ist kein Titel dabei, aber es gibt halt genug andere Mannschaften auf dem Planeten die man am Tag X ersteinmal ausschalten muss.

Wer soll den Job denn machen? Klopp???? Der wurde vor ein paar Wochen doch auch zerissen, weil Dortmund nach zwei Super Jahren ersteinmal in Gang kommen musste.

14.11.2012
09:56
Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von hupe10 | #3

#1 #2
Na klar und dann wird endlich Lodda Bundestrainer,
dann wird alles besser...
Auch dem Löw sollte man Fehler zugestehen.
Bei mir bleibt erstmal noch eine postive Bilanz des Bundestrainers.
So schlecht hat der seinen Job die letzten Jahre nicht gemacht.
Jedenfalls spielen die Deutschen oft einen sehr ansehnlichen Fussball.
Und darum gehts!

14.11.2012
08:06
Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von bribius | #2

Wenn Deutschland heute verliert, sollte Löw umgehend zurücktreten !

2 Antworten
Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von Aehrwin | #2-1

Da spricht der wahre Fußballfachmann...was ein hirnloser Kommentar...

Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von ichliebekoenigsblau | #2-2


das wird aber dann kosten ...... ;

14.11.2012
07:34
Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von pogobaer | #1

Wieso wird er eigentlich lt Presse erst seit dem 4:4 "ein wenig kritisch" gesehen?!?!

Sorry...aber der schwäbische Weichspüler hätte mindestens seit 2,5 Jahren aussortiert werden müssen!!!

2 Antworten
Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von pogobaer | #1-1

Menno...meinte seit dem EM-Aus!!!

Spätestens seit dem WM-Halbfinal-Aus hätte man ins Grübeln geraten müssen!!!

War genau das Gleiche wie beim EM-Aus!!!

Stimmungslage im DFB-Team hat sich verschärft
von ristoff | #1-2

Schau einfach mal die Fifaweltrangliste an,sie erklärt warum Löw noch immer Bundestrainer ist,und das zu recht.

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