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EM 2012

DFB-Tross am Ort der Erinnerung

20.06.2012 | 20:12 Uhr
DFB-Tross am Ort der Erinnerung
DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock.Foto: rtr

Danzig.   Fußball spielen ist das eine bei der Euro 2012 - Repräsentieren das andere: Eine Delegation mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat einen Kranz vor dem Westerplatte-Denkmal bei Danzig niedergelegt. Ein polnisches Munitionsdepot war dort am 1. September 1939 durch Deutsche beschossen worden.

Stahlhelm: 50 Zloty. Gasmaske: 25 Zloty. Eine Kaffeetasse in Handgranatenoptik: 60 Zloty. Es sind schon merkwürdige Dinge, die an den bunten Ständen zwischen Teddybären, Seifenblasen und Schlüsselanhängern verkauft werden. An diesem Ort, der eigentlich der Andacht dient: der Westerplatte in Danzig.

Die Halbinsel gilt als der Ort, an dem der Zweite Weltkrieg begann. Die Deutschen waren am 1. September 1939 auch über die Ostsee gekommen, um Polen zu überfallen. Es ist ein schwerer Ort, den die Delegation des Deutschen Fußball-Bundes mit seinem Präsidenten Wolfgang Niersbach an der Spitze besucht.

Mehr Chancen als Risiken

Geschichtsbewältigung ist in Danzig ein Thema, seit die deutsche Mannschaft dort vor fast drei Wochen ihr EM-Quartier bezog. Freundlich, das sagen alle aus dem deutschen Tross, sei der Empfang gewesen. Trotzdem muss sich Bundestrainer Joachim Löw in einer Pressekonferenz fragen lassen, ob er mal daran gedacht habe, dass man es auch als Provokation empfinden könne, dass sich Deutschland ausgerechnet Danzig als vorübergehende Heimat ausgesucht habe. „No! Not a minute“, antwortete Löw barsch, „we are happy here.“ Wir sind glücklich hier.

Es war die richtige Antwort – in Form und Inhalt. Denn es stecken weniger Risiken als Chancen in dieser Konstellation bei diesem Turnier, das die Deutschen und die Polen in Danzig zusammengeführt hat. Die Mannschaft von Joachim Löw erfreut sich spätestens seit der WM 2010 auch international größter Beliebtheit, mit Lukas Podolski und Miroslav Klose hat sie die letzten beiden im Turnier verbliebenen Polen im Team. Die Unterstützung der polnischen Bevölkerung dürfte den Botschaftern in kurzen Hosen sicher sein. Schon jetzt werden sie überall herzlich empfangen. „Wenn wir mit dem Fahrrad fahren oder joggen, winken die Menschen. Wir fühlen uns wahnsinnig wohl hier. Die Polen sind offene, gastfreundliche Menschen“, sagt Löw.

Schon vor der EM besuchte der Bundestrainer mit Teammanager Oliver Bierhoff, Niersbach, sowie den Spielern Philipp Lahm, Podolski und Klose die KZ-Gedenkstätte Auschwitz, um der Opfer zu gedenken. Ein Akt gegen das Vergessen. So wie der Besuch der Westerplatte durch die DFB-Spitze.

DFB-Delegation besucht Auschwitz

Eine Woche vor dem Start der Fußball-EM in Polen und der Ukraine hat eine Delegation des DFB im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau den Opfern des Holocausts gedacht.

An den Gräbern der ersten gefallenen polnischen Soldaten legt die Delegation weiße Calla-Lilien mit schwarz-rot-goldenen Schleifen nieder. Bedächtig schreitet sie über die Wege zum 25 Meter hohen Denkmal für den Widerstand gegen die deutschen Truppen. Schulklassen laufen durcheinander. Manche der polnischen Kinder rufen: „Guten Tag.“ Niersbach faltet die grün-weißen Kranzschleifen zurecht. „In ehrendem Gedenken“ steht in goldener Schrift darauf. Fotografen und Kamerateams drängeln sich um das beste Bild.

Fraglich, wie gut sich in solchen Momenten begreifen und innehalten lässt. Aber es sind Bilder, die bleiben werden. „Unfassbares Leid“, sagt Niersbach, hätten die Deutschen über „dieses wunderbare Land gebracht“. Mehr als 70 Jahre später ziehen die Gäste aus dem Westen mit ihren Fahnen und Deutschland-Trikots durch die Straßen und werden willkommen geheißen. „Dass das möglich ist, sollten wir als Geschenk begreifen“, sagt Niersbach.

Daniel Berg


Kommentare
21.06.2012
08:57
DFB-Tross am Ort der Erinnerung
von Kreuzritter | #2

Bei allem Leid das von den Nazis verursacht wurde, muss uns nicht bei jeder Gelegheit unsere Geschichte vor die Nase gehalten werden und versucht werden Schuldgefühle zuerzeugen.
Das man dieses nicht vergessen sollte ist auch klar, aber man sollte auch nicht ständig mit dem Finger in die Wunde fassen.
Was ist den mit den anderen Nationen wie den USA die ihre Geschichte in Vietnam oder Zurzeit der Sklaverei hatten oder den Russen in Afganistan? Was ist mit Franco oder Mussolini?
Viel wichtiger ist das die Welt aus solchen Kriegen gelernt hat und endlich einsieht, das Frieden das wichtigste ist, was die Welt braucht.

20.06.2012
23:34
DFB-Tross am Ort der Erinnerung
von Bahl | #1

Man sind das peinliche Typen! Das ist derselbe heuchlerische Dreck wie zu DDR Zeiten!
Jetzt fehlt nur noch der Schwur, auf die unverbrüchliche Freundschaft zur Sowjetunion.

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