Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Sicherheitsdebatte

Geisterspiele treffen laut Bayer-Chef Holzhäuser die Falschen

22.01.2013 | 15:32 Uhr
Ein neuer Tiefpunkt der Sicherheitsdiskussion ist erreicht. Geisterspiele treffen laut Bayer 04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser "ausnahmslos die Falschen.

Leverkusen.  Nach der pyrobedingten Unterbrechung im Bundesligaspiel zwischen Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt ist ein neuer Tiefpunkt der Sicherheitsdiskussion erreicht. Mit der Bestrafung durch Reduzierung der Kartenkontingente, Geisterspielen und der nächsten Stufe des Punktabzugs treffe man ausnahmslos die Falschen, meint Bayer 04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

Herr Holzhäuser, die Ausschreitungen von Frankfurter Randalierern am Samstag in Leverkusen waren ein neuer Tiefpunkt in der Sicherheitsdiskussion, die eigentlich beendet schien. Hat Sie das Ausmaß überrascht?

Wolfgang Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer Leverkusen): Das hat mich schon überrascht. Ich glaubte, dass durch den Dialog eine Entspannungssituation entstanden ist. Umso bedauerlicher ist es, wenn eine sehr kleine Gruppe das alles auf den Kopf stellt. Da sind Raketen direkt auf das Spielfeld neben die Spieler geflogen. Das sieht erst mal alles nicht dramatisch aus - kann aber auch mal einen Spieler treffen, das ist versuchte Körperverletzung.

Eintracht Frankfurt droht ein Geisterspiel, Leverkusen ebenfalls eine Geldstrafe.

Holzhäuser: Ich halte es für falsch, dass die Vereine für das Vergehen Einzelner in Haftung genommen werden - wobei es im Moment wenig Alternativen gibt. Wir sind uns einig, alle Anstrengungen zu verfolgen, um die Verursacher zu erwischen und nicht unbeteiligte Dritte zu bestrafen. Das Problem ist oft, die Identität der Leute festzustellen.

Der Deutsche Fußball-Bund hat deutlich gemacht, nur die Identifizierung der Täter könne drakonische Strafen noch abwenden.

Holzhäuser: Diese Dynamik der Bestrafung mit Reduzierung der Kartenkontingente, Geisterspielen und der nächsten Stufe des Punktabzugs - man trifft damit ausnahmslos die Falschen. Man hat vielleicht in der Vergangenheit etwas versäumt, präventiv die Verursacher zu erwischen, und zu wenig Kraft investiert. Aber es macht sich ein Sinneswandel breit.

Raketen in Leverkusen

Was hat sich geändert?

Holzhäuser: Die Rechtsprechung hat sich gewandelt. Die Gesamtschuld in der Haftung ist anerkannt. Früher konnte man auch einen einzelnen Täter nicht mit der vollen Strafe belangen - jetzt kann dieser für den gesamtem Betrag in Haftung genommen werden. Der muss dann für die anderen mitbezahlen.

In Leverkusen gibt es Überlegungen, die Strafe auf die Eintrittspreise für Gäste umzulegen . Warum?

Holzhäuser: Für den Fall, dass wir die Identität nicht feststellen können, bleibt uns nichts anderes übrig. Ich halte das für die bessere Maßnahme, als die Zuschauer auszusperren. Auch die Sportgerichte sollten das anerkennen, dass wir anstatt einer Platzsperre oder einer Kontingentierung lieber die Strafe umlegen - das ist die weniger eingreifende Möglichkeit, jemanden zu bestrafen, als das Stadion leer zu lassen. So wird dem Zuschauer die Wahl gelassen. Natürlich soll damit auch eine Selbstregulierung und Isolierung der Täter erreicht werden.

Falls dies keine Wirkung zeigt: Ist der erneute Einsatz von Ganzkörperkontrollen eine Option?

Pyro-Randale
Leverkusen will Fans Strafe für Pyro-Randale zahlen lassen

Wieder Pyro-Randale in der Bundesliga: Beim Spiel von Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt zündeten Eintracht-Fans Pyros und Silvesterraketen. Bayer-Chef Wolfgang Holzhäuser will die Strafe, die der Verein zahlen muss, künftig auf die Tickets für Gästefans aufschlagen.

Holzhäuser: Als Veranstalter haben wir das Recht und bei begründetem Tatverdacht sogar die Pflicht, Ganzkörperkontrollen durchzuführen, weil wir im Schadensfall auch dafür haften. Aber das kann allein natürlich nicht dazu führen, dass man Personen willkürlich untersucht. Es kann aber durchaus sein, dass ein Besucher bei der Kontrolle den Eindruck erweckt, dass er etwas versteckt - das kann dann auch ein Tatverdacht sein. Deshalb brauchen wir bestens ausgebildete Ordner. (sid)


Kommentare
Aus dem Ressort
WM kein Thema - Boateng kümmert sich um Maddox und Schalke
Boateng
Nachts kümmern sich Kevin-Prince Boateng und Melissa Satta abwechselnd um Maddox. Zum Saisonfinale fordert der 27-Jährige drei Schalker Siege. „Wir haben viele 18-, 20-Jährige. Da ist es doch normal, dass sie mal ein schwaches Spiel machen“, blickt er auf das 1:3 in Stuttgart zurück.
Sportgericht reduziert Sperre für Hannovers Hoffmann
Fußball
Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat die Sperre für Andre Hoffmann vom Bundesligisten Hannover 96 auf vier Spiele reduziert. Damit folgte das Gremium bei der mündlichen Verhandlung in Frankfurt dem Antrag des DFB-Kontrollausschusses.
Baumann-Transfer von Freiburg nach Hoffenheim perfekt
Fußball
Torhüter Oliver Baumann wird nach dpa-Informationen den SC Freiburg verlassen und von der kommenden Saison an den Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim verstärken. Der Wechsel des 23 Jahre alten Schlussmanns vom Ligarivalen ist demnach perfekt.
Flucht ist sinnlos - Wissenswertes über Bierduschen im Sport
Tag des deutschen Bieres
Manchmal kommen sie von hinten, manchmal gleich von mehreren Seiten, entkommen kann man ihnen nicht. Bierduschen gehören im Sport zu jedem halbwegs interessanten Titelgewinn. Zum Tag des deutschen Bieres haben wir Wissenswertes über Bierduschen im Profisport in einer Bilderstrecke zusammengetragen.
Verzweiflungstat: Nürnberg setzt Verbeek vor die Tür
Fußball
Im verzweifelten Kampf gegen den Rekord-Abstieg hat der 1. FC Nürnberg zum letzten Mittel gegriffen und Trainer Gertjan Verbeek vor die Tür gesetzt.
Umfrage
BVB und FCB im Finale - Wer holt in Berlin den Pokal?

BVB und FCB im Finale - Wer holt in Berlin den Pokal?

 
Fotos und Videos
BVB schlägt Mainz mit 4:2
Bildgalerie
BVB
Gladbach verliert 2:4 in Freiburg
Bildgalerie
Gladbach
BVB fertigt Bayern 3:0 ab
Bildgalerie
BVB
Gladbach holt Last-Minute-Punkt
Bildgalerie
Gladbach