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Andrea Petkovic - die Signale des Körpers

11.01.2012 | 18:51 Uhr
Andrea Petkovic - die Signale des Körpers

Darmstadt.   Andrea Petkovics Ermüdungsbruch verlegt die deutschen Tennis-Hoffnungen ins Krankenzimmer. Ein Ermüdungsbruch im unteren Rückenbereich zingt sie zur Pause. Sechs bis acht Wochen lang fällt Petko aus und die Australian Open finden ohne die Darmstädterin statt.

Es war beim Turnier in Stuttgart. Andrea Petkovic hatte anstrengende Wochen hinter sich, soeben war sie ausgeschieden. Aber sie hatte noch einen Termin mit der Presse. Lachend war sie erschienen. Und pünktlich. Im Rollstuhl sitzend.

Ein Witz war das. Er sollte heißen: Ich kann nicht mehr. Ich brauche eine Pause, selbst diese wenigen Meter sind zuviel. Jeder im Raum wusste, dass es ein Witz war, denn wenn Andrea Petkovic eines nicht freiwillig tut, dann aufgeben. Lieber beißt sie die Zähne zusammen und quält sich. Sie kann hart zu sich sein. Sehr hart. Eine Fähigkeit, die sie hoch gebracht hat, eine Fähigkeit, die sie nun wieder runterholt. Runter auf Null.

Eine Untersuchung in Sydney gab der Sache einen Namen: Ermüdungsbruch im unteren Rückenbereich. Zwangspause. Sechs bis acht Wochen lang. Die Australian Open, der erste Höhepunkt des Tennis-Jahres, gehen damit ab Montag ebenso ohne sie über die Bühne wie das mit Spannung erwartete Fed-Cup-Duell der deutschen Mannschaft gegen Tschechien im Februar. „Ich bin sehr, sehr traurig“, sagte Andrea Petkovic: „Alles, was ich im Moment tun kann, ist Ruhe bewahren und hoffen, dass der Knochen so schnell wie möglich heilt.“

Ruhe bewahren, sich schonen, Geduld aufbringen - es sind nicht die großen Stärken der 24-Jährigen. Schon gar nicht in einem Jahr, das vom ersten Tag an Großes bringen sollte. Petkovic ist die Frontfrau einer „neue deutsche Welle“ genannten Tennis-Bewegung. Bei drei der vier größten Turnieren des Jahres stand sie 2011 im Viertelfinale und meistens begleitete sie eine deutsche Kollegin darüber hinaus. Sabine Lisicki stürmte in Wimbledon ebenso ins Halbfinale wie Angelique Kerber bei den US Open. Julia Görges komplettiert das Qualitäts-Quartett, das 2011 zarte Erinnerungen wachküsste an die selige Ära von Steffi Graf.

Erinnerungen, die für 2012 zu Hoffnungen wurden. Hoffnungen, die sich für die Australian Open vermutlich schon erledigt haben, weil sie sich mehrheitlich in Arztpraxen aufhielten. Petkovic fällt verletzt aus, Sabine Lisicki verbrachte die Vorbereitung auf Melbourne mit einer Bauchmuskelzerrung. Ihr Start ist noch nicht gewiss. Und Julia Görges wird von einem Virusinfekt geschwächt. Teilnahme unwahrscheinlich.

Gesundheitliche Probleme zur Unzeit - das ist Pech, allerdings nicht nur. Petkovics Ermüdungsbruch rührt von einer Überbeanspruchung. Ihr Ehrgeiz ist gefürchtet, unbarmherzig zu sich selbst kann sie trainieren, stundenlang am Tag. Zum Ende des vergangenen Jahres schleppte sie sich verletzt über den Platz: der Meniskus im Knie war eingerissen, die Patellasehne entzündet. Doch sie spielte.

Einen Tag nach Heiligabend machte sie sich auf den Weg nach Australien, um die Vorbereitungsturniere zu bestreiten. Längst schmerzte ihr Rücken vom vielen harten Training in den Wochen und Monaten zuvor.

Doch sie spielte.

In Brisbane verlor sie früh gegen eine weitgehend unbekannte Estin, in Sydney musste sie immer wieder auf dem Platz behandelt werden. Schmerzverzerrt das Gesicht. „Ich habe diese Probleme schon seit drei, vier Monaten“, sagt die gebürtige Serbin heute. Doch sie spielte.

Andrea Petkovic hat die zehnte Klasse übersprungen, sie hat ein Abitur von 1,2 hingelegt, an der Fernuniversität in Hagen studiert sie seit einigen Jahren Politikwissenschaften. Sie ist eine kluge, junge Frau, die allerdings offenbar eines noch nicht so gut verstanden hat, nämlich auf die Signale ihres eigenen Körpers zu horchen.

Daniel Berg



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