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Der Action-Psycho-Thriller

"Alan Wake" - tolles Spiel mit vielen Facetten

18.05.2010 | 02:00 Uhr

„Alan Wake“, das neue Spiel von Max-Payne-Entwickler Remedy, ließ lange auf sich warten - der Anspruch könnte nach fünf Jahren Entwicklungszeit höher kaum sein. Hält der Action-Psycho-Thriller, was er anfangs versprach?

Fünf Jahre machten Microsoft und Remedy um den Xbox-360-exklusiven Titel ein großes Geheimnis. Hinter verschlossenen Türen wurden Ideen geplant und später wieder verworfen. Dass „Alan Wake“ anfangs anders geplant war, ist mittlerweile fast schon vergessen. Was Remedy jetzt aus dem Titel gemacht hat, ist dafür umso interessanter.

Wenn Stephen King eine Spielfigur wäre

Im Sonnenlicht fühlt man sich beunruhigend sicher.

Aufgemacht wie eine Art TV-Mehrteiler wird der Spieler in eine mysteriöse Geschichte geworfen und irrt danach im wahrsten Sinne des Wortes in der Dunkelheit umher. Der Startpunkt ist Episode 1: Der Alptraum – und gleichzeitig das Tutorial. Gesteuert wird Alan Wake, ein erfolgreicher Horrorbuchautor, der mit seiner Frau in das beschauliche Kleinstädtchen Bright Falls fährt, um sich dort von seiner Schreibblockade zu erholen. Dort angekommen entwickelt sich jedoch alles ganz anders. Wakes Frau verschwindet und auf einmal tauchen überall eigenartige Schattenmenschen auf, die Alan ans Leder wollen. Schnell wird klar: Die einst normalen Bewohner der Waldregion sind sehr lichtempfindlich. Warum sie da sind und was sie mit dem Verschwinden von Wakes Frau Alice zu tun haben, klärt sich erst später auf.

In den ersten drei von insgesamt sechs Kapiteln muss sich Alan erst mal mit der Situation vertraut machen und versuchen zu überleben. Eine Hatz durch Wald und Kleinstadt beginnt, immer verfolgt von der Dunkelheit, die dem Spieler als „die böse Macht“ vorgestellt wird. Die Finsternis ist Alans Feind, nur das Licht beschützt ihn.

Das bessere Alone in the Dark

Das Spiel beginnt langsam und baut eine immer stärker werdende Intensität auf, je länger man spielt. Die Angst vor der Dunkelheit funktioniert in „Alan Wake“ und schafft das, was Spiele wie „Alone in the Dark“ gerne vollbracht hätten. „Alan Wake“ lebt von dieser Stimmung. Der Protagonist ist kein Chris Redfield, sondern eben ein ganz normaler Typ, der froh ist, überhaupt eine Pistole korrekt benutzen zu können. Er kann keine tollen Moves und ist kein Superheld. Der Spieler wird dadurch noch einmal etwas verwundbarer und sieht sich vielleicht deshalb unterbewusst lieber dreimal um, bevor er auf einen dunklen Speicher steigt. Die meiste Zeit über läuft der Spieler zu Fuß durch die Areale, die optisch sehr gut gelungen sind. Einzig manche unschönen Texturen und Animationen trüben den ansonsten guten Eindruck. Genügend Zeit zur Betrachtung hat man jedenfalls, da Alan oftmals lange Spaziergänge vor sich hat. Abwechslung gibt es in dieser Hinsicht selten.

Info
Alan Wake

Infos

Publisher: Microsoft

Entwickler: Remedy Entertainment

USK-Freigabe: Ab 16 freigegeben

Plattform: Xbox 360

Offizielle Website

Dafür gibt es aber mehr als genug Zeit, sich von der tollen Soundkulisse beeindrucken zu lassen. Besitzer eines 5.1-Soundsystems werden hier bestimmt ihre Freude haben. In einem besinnlichen Moment ohne Schusswechsel kann man sich den Waldgeräuschen vollends hingeben. Solch eine authentische Geräuschkulisse findet man nur selten.

Begleitet man Alan bei seiner Reise durch die Nacht, ist man teilweise regelrecht dankbar über Gesellschaft in Form von Alans Agent Barry oder anderen hilfreichen Weggefährten. Die meiste Zeit über läuft der Autor alleine durch die streckenweise bedrückenden Abschnitte, weshalb es angenehm für das eigene Nervenkostüm ist, von Zeit zu Zeit eine Begleitung zu haben oder zumindest mal bei Tageslicht die Ermittlungen zu bestreiten. Was diesen Teil des Spiels angeht, funktioniert „Alan Wake“ sehr gut.

Aber manchmal verärgerte uns die Steuerung. Von der Ausrichtung her einfach gehalten, wirkt sie dennoch sehr behäbig. Auch die Übersicht im Spiel ist (vermutlich gewollt) eingeschränkt, weshalb es oftmals schwerfällt, Gegner zu bemerken, die einem in den Rücken fallen. Schnelligkeit ist hier gefragt, doch die bleib hin und wieder auf der Strecke. Wenn Gegner in größerer Anzahl auftreten, bleibt wenig Zeit, um Stromgeneratoren mit im Grunde anspruchslosen Quick-Time-Funktionen zu starten. Bis Alan den Strom und somit den Lichtgenerator angeworfen hat, stehen längst vier oder fünf Holzfäller mit schweren Äxten um unseren Protagonisten herum. Hier hilft nur ein beherzter Griff ins Inventar und zur Leuchtfackel – wenn man eine besitzt.

Was ist Alan Wake?

Streckenweise muss man sich jedoch fragen, was „Alan Wake“ eigentlich sein soll. Ein interaktives Spiel wie „Heavy Rain“? Oder doch eher ein Actionspiel mit Filmelementen wie „Uncharted 2“? Die Definition von „Alan Wake“ ist deshalb sehr schwer. Einerseits hat Remedy die Geschichte wie eine Serie aufgezogen. Die Machart und der Aufbau erinnern an Mehrteiler, wie sie im Fernsehen laufen. So könnten wir uns auch den modernen Episoden-Content vorstellen. Eine Folge endet mit einem tollen Sound-Abspann passend zu den gespielten Geschehnissen, und die nächste beginnt mit einer „Bisher bei Alan Wake“-Zusammenfassung. Toll, besonders wenn es zum allgemeinen Ton des Spiels passt.

Andererseits gibt es im Waldabenteuer wieder Momente, die diesen „filmischen Eindruck“ etwas trüben. Das Sammeln von Thermosflaschen oder auch das unrealistisch dargestellte Inventar werfen zwei Elemente durcheinander, die nicht wirklich miteinander kombinierbar sind. Remedy will in dieser Hinsicht vielleicht auch keine klare Aussage machen. Denn immerhin findet man im Spiel noch viele weitere liebevoll platzierte Anspielungen auf die spielerische Herkunft. So liegt zum Beispiel auf einem Schreibtisch ein Videospiel mit dem Namen „Night Springs“ neben einer Xbox 360. In der ortseigenen Kurstätte trifft man zudem noch einen durchgeknallten Spielentwickler. Auch Sam Lake gibt sich in einer der unzähligen Ingame-Shows die Ehre und spielt neben Alan Wake einen Talkshow-Gast.

Am Ende: WTF?!

„Alan Wake“ ist nicht der prophezeite Übertitel. Trotz mancher Widersprüche und der Mittelmäßigkeit der Spielmechanik überzeugt das Spiel und nimmt einen mit auf die düsteren Irrwege von Bright Falls. Das Konstrukt, die Umsetzung und das Drumherum machen aus „Alan Wake“ ein neues Spielerlebnis – wenn man sich darauf einlässt. Allein die Tatsache, dass der Autor und seine Werke am Ende der Credits aufgelistet sind, rückt das Spiel wieder etwas aus den normalen Strukturen heraus - und so macht es Remedy das ganze Spiel über. Die Finnen stellen ihr Produkt auf eine filmische Ebene und reißen sie dann wieder ein. Über Sinn oder Unsinn der Story muss sich jeder selbst ein Urteil bilden. Doch wie es Remedy bereits offiziell und am Spielende in den Credits verlauten ließ, wird Alan Wake wiederkommen. Ob als neue Download-Episode oder als komplett neues „Alan Wake 2“, das bleibt erst mal offen. Obwohl der Schriftsteller seinem Hype nicht ganz gerecht werden konnte, ist das neue Werk von Remedy Entertainment ein besonderes Spielerlebnis.

Gewinnspiel

Wer sich selbst mit Alan Wake in die Nacht begeben will, der hat jetzt die Möglichkeit dazu. Wir verlosen zusammen mit Microsoft ein fettes Gewinnspielpaket mit folgenden Inhalt.

Klickt einfach hierund macht bei unserem Gewinnspiel mit. Teilnahmeschluss ist der 31. Mai 2010. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weitere Themen:

"Alan Wake" - tolles Spiel mit vielen...

Nicole Lange



Kommentare
20.05.2010
08:51
Alan Wake - tolles Spiel mit vielen Facetten
von testpott.de | #3

hehe, die wurden wohl schon vom Redakteur eingesackt :-)
Wer mag - auf meiner Podcastpage gibts seit heute auch ein Gewinnspiel dazu... ;-)

19.05.2010
14:45
Alan Wake - tolles Spiel mit vielen Facetten
von L.R. | #2

Die Preise sind ja garnicht auf der Seite angegeben.

Was sind denn genau die Preise? :)

18.05.2010
08:25
Alan Wake - tolles Spiel mit vielen Facetten
von testpott.de | #1

Prima Rezension, ich teste es auch grade ;-)
Vor allem die tolle Inszenierung und die gruselige Atmosphäre finde ich klasse....

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