Parteitag
SPD will poltern, pöbeln und personalisieren
12.06.2009 | 19:00 Uhr 2009-06-12T19:00:00+0200
Berlin. Nach dem Europawahl-Debakel treffen sich Delegierte der SPD zum Parteitag. Nicht, wie geplant, zum Aufbruch-Parteitag, sondern zum Durchhalte-Parteitag. „Wir werden personalisieren, zuspitzen und die Unterschiede zwischen der SPD und Schwarz-Gelb deutlich machen”, kündigt die SPD an.
Es hätte ein perfektes Frühjahr werden können. Zunächst im April das Hochamt für den Kanzlerkandidaten im Berliner Tempodrom, dann ein satter Gewinn bei der Europawahl, schließlich ein Parteitag der Zuversicht und wenn es noch schöner hätte kommen wollen, hätte man einen Überraschungssieg bei der Bundespräsidentenwahl gerne eingeheimst.
Boden festtrampeln, Leiter aufstellen, hochklettern, so pflegt Franz Müntefering seit Monaten den Aufstieg seiner Partei aus dem demoskopischen Abgrund zu beschreiben. Jetzt freilich sind beim Kletterversuch die Sprossen der Leiter von oben nach unten durchgekracht, weswegen sich im Neuköllner Estrel-Kongresszentrum 525 Delegierte der Sozialdemokratie nicht zum geplanten Aufbruch-Parteitag versammeln werden, sondern zu einem Durchhalte-Parteitag.
Zwei große Redeauftritte
Auf der Tagesordnung stehen - neben der Verabschiedung des Wahlprogramms der SPD - zwei große Redeauftritte. Zunächst der des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, dann der des Vorsitzenden Müntefering, und dass bei beiden das Getöse erheblich sein wird, das wird man gerade nach dem desaströsen Ausgang der Europawahl erwarten dürfen.
Jetzt erst recht, ist seit dem vorigen Sonntag das sozialdemokratische Bauchgefühl: „Wir werden personalisieren, zuspitzen und die Unterschiede zwischen der SPD und Schwarz-Gelb deutlich machen”, kündigt Münteferings Intimus und Wahlkampf-Regisseur Kajo Wasserhövel an. Poltern, pöbeln, polarisieren also, wobei auch der Kandidat, dem man solches bislang nicht so recht zutraute, „sehr stark in den Ring steigen” werde.
„Manche halten es für zeitgemäß, sich auf die Seite der Marktradikalen zu schlagen.” SPD-Chef Müntefering
Einen Vorgeschmack hat Steinmeier abgeliefert, als er neulich dem Wirtschaftsminister die Schuld an der Insolvenz des Warenhauskonzerns Arcandor zuschob und ihm gar nachsagte, er habe damit seinem Amtseid zuwidergehandelt, „Schaden vom deutschen Volk abzuwenden”. Der „schwarze Baron” Karl-Theodor zu Guttenberg als „marktradikaler” Bösewicht: So hat ihn die SPD schon vor der Europawahlpleite porträtiert, und daran hält sie offenbar unbeirrt fest. Ebenso wie an dem Konzept, in dem der „Baron” das Feindbild abgibt, den Bundestagswahlkampf als Schlacht der Hüter sozialer Wärme gegen die steinernen Herzen bei Union und FDP zu inszenieren.
Deutung der Krise
Es geht dabei nicht zuletzt um die Deutung der Finanzkrise. Für Steinmeier handelt es sich um eine „Zeitenwende”, vergleichbar dem Umbruch von 1989. Wie damals das System des Kommunismus unterging, so sei jetzt der ungeregelte Kapitalismus am Ende, verkündet der Kandidat unverdrossen seit Herbst. In der neuen Ordnung werde der Staat wieder eine bestimmende Rolle im Wirtschaftsleben spielen, was ohnehin sozialdemokratischem Denken entspricht, weshalb auch die SPD in erster Linie berufen sei, die Bürger als Garantin der „Sicherheit im Land” durch die Turbulenzen zu geleiten.
Diese Deutung ist ideelles Gemeingut aller Flügel und Gruppierungen, was der Partei seit dem vorigen Herbst einen lange Zeit ganz ungewohnten Zustand der Befriedung und Geschlossenheit beschert hat. Die deprimierenden Umfragewerte freilich und neuerdings das noch niederschmetterndere Ergebnis der Europawahl lassen vermuten, dass die Finanzkrise der SPD zwar wieder zum Einklang mit sich selbst, nicht aber mit den Bürgern verholfen hat. Diese halten zu 60 Prozent die Opel-Rettung, für die der Kandidat wie ein Löwe gekämpft hat, für einen Fehler, und sie fürchten sich womöglich vor dem „Marktradikalismus” weit weniger als es sozialdemokratischen Wahlkämpfern lieb sein kann.
Deren Ratlosigkeit ist unverkennbar. Nach dem Europawahl-Debakel erging sich Müntefering in melancholischen Betrachtungen, die Niederlage seiner Partei habe auch damit zu tun, dass der Grundwert der Solidarität zusehends an Strahlkraft einbüße, was nicht zuletzt Schuld der Medien sei. Dort hielten es manche eben für zeitgemäß, „sich auf die Seite der Marktradikalen zu schlagen”, klagt Münteferering.

19:58
Die Hartz IV Partei hat noch viel mehr verdient !!!!!
17:40
WIE BITTE ???
...was sollen diese Wahlkampf-Titel---das soll seriöser Journalismus sein --PFUI !!
An die Kritiker: PÖBELN usw.--das machen die anderen auch, die CDU ist da keine Ausnahme, die sind nur eleganter in dieser Sache und pöbeln raffinierter.
Die SPD braucht aus dieser Richtung keine Belehrungen---denn keine Partei hat sich in Deutschland um die Demokratie verdienter gemacht als die SPD. Natürlich muss Kritik sein, das ist wichtig. Aber bitte sachlich.
Wer hat damals, 1933 zur Demokratie gestanden ?
Wo waren die politischen Vorläufer von Union und FDP ? Also bitte nicht rumholzen, die Kritik sachlich bringen. Diese Pöbelei hat die SPD nicht verdient.
15:10
@Einen Vorgeschmack hat Steinmeier abgeliefert, als er neulich dem Wirtschaftsminister die Schuld an der Insolvenz des Warenhauskonzerns Arcandor zuschob und ihm gar nachsagte, er habe damit seinem Amtseid zuwidergehandelt, „Schaden vom deutschen Volk abzuwenden”.
Da das Volk solche Abenteuer via Steuern bezahlen müsste, hat Guttenberg sehr wohl den Schaden abgewendet. Die Karstadter haben noch vor wenigen Monaten gestreikt, obwohl bekannt war, dass der Laden überschuldet ist - warum sollte das ganze Volk solchen Schwachsinn bezahlen??? Da Steinmeier dem Volk Schaden zufügte (Opel) und zufügen wollte (Arcandor) gehört der mE für sehr lange Jahre in den Knast.
15:05
@Poltern, pöbeln, polarisieren also
Mehr ist dieses Sozialismus auch nicht. Sollen die doch mit dem Lafontaine - dem die so oft hinterher rennen - fusionieren. Dann kommen die vielleicht auf insgesamt 30% der Stimmen.
13:55
Mit einem Liter Sprit kommt man genauso weit wie mit einem Liter Gas. Der Unterschied ist nur, dass 1 Liter Gas etwa halb so viel kostet wie 1 Liter Sprit und das bedeutet: wenn jemand bisher mit Sprit 200 Euro im Monat für die Fahrt zur Arbeit bezahlt hat, dann bezahlt er nunmehr mit Gas nur noch 100 Euro. Das macht im Jahr 1200 Euro Einsparung!
Wenn man jetzt mal positiv argumentiert, dann kann man sagen: diesen Segen hat GasGerd über dieses Land gebracht.
12:11
Bei manchen kann es auch ein Fehler gewesen sein, gleiche Bildungschancen für alle eingeführt zu haben. Das beste Beispiel ist wohl der ehemalige Brioni-Kanzler.
12:06
Bei manchen kann es auch ein Fehler gewesen sein, gleiche Bildungschancen für alle eingeführt zu haben. Das beste Beispiel ist unser ehemaliger Brioni-Kankler.
21:36
Hätte niemals geglaubt, dass die unsoziale SPD an ihrer Starrrsinnigkeit zugrunde gehen wird. Keine Einsehen der schweren Fehler, keine Ideen, keine Zukunft. Und oben uneinsichtige, alte Betonköpfe. Warum lässt sich das die Basis bieten??? Die komplette Führungsriege muss sofort verschwinden, um eine neue soziale Zukunft zu beginnen.
19:13
Steinmeier hat den Charme eines Aktenschranks - ein total verwalteter Mensch in einer total verwaltetern Welt. So lange die SPD stur an Hartz IV festhält, wird sie von Niederlage zu
Niederlage eilen. Das will Steinmeier, einer der Architekten dieser Entrechtung, natürlich nicht hören. Stattdessen folgt die stete
Bekräftigung: Unser Kurs ist der richtige! So pfeifen ängstliche Kinder nachts im dunklen Wald, die sich verirrt haben.
Ein von seinen Wurzeln abgeschnittener Baum aber kann nicht mehr gedeihen ...
19:12
@46 Rudi
Hm ja, das wär schön.
Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind,
muß man sehen, welche Köpfe geboten werden.
Die Befürchtung besteht aber zu Recht, dass
die SPD für 8-12 Jahre nicht mehr relevant ist.
Wenn ich sehe, welche Leute derzeit in der
Pipeline stehen, sehe ich rot bis schwarz.
Das verlorene Vertrauen der Wähler ist so schnell
(in einer LP) nicht zurüch zu gewinnen.
Die SPD muß erst mal mit sich klarkommen,
ordentliche Oppositionspolitik machen und dann
kleinklein wieder von vorne anfangen.
Ansonsten verrotten die in dem Sumpf, in den sie
sich hineinmanövriert haben.